Frischer Schwung für den Berzdorfer See?

Görlitz, 15. Februar 2014. Gestern hat der international erfahrene Tourismusexperte Johann-Friedrich Engel im kleinen Sitzungssaal des Görlitzer Rathauses die Endfassung seines Konzepts der Leitidee zur touristischen Entwicklung des Berzdorfer Sees in Verbindung mit der Stadt Görlitz vorgestellt. Nun freut sich der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege sehr, dass in der Leitidee die Einheit von Natur, Kultur, Naherholung und Tourismus bei der Entwicklung des Berzdorfer Sees im Vordergrund steht. Engel: "Der Berzdorfer See wirkt inmitten seiner Landschaftsidylle so natürlich, als habe ihn die Eiszeit vergessen."

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Noch ist der Berzdorfer See nicht verloren

Mitte 2013 hatten die Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (EGZ) und die Wohnungsbaugesellschaft Görlitz mbH (WBG) Johann-Friedrich Engel mit der Entwicklung einer Leitidee für den See vor den Toren der Stadt Görlitz beauftragt. Der Ehr', den Anstoß gegeben zu haben, reklamiert Oberbürgermeister Deinege für sich: "Einen Monat nach meinem Amtsantritt habe ich Herrn Engel kennengelernt. Auf meine Initiative hin führten die WBG und die EGZ gemeinsam mit ihm Gespräche. Im Ergebnis dessen erfolgte die Beauftragung zur Erstellung einer Leitidee."

So ganz scheint man aber dem Tourismusexperten nicht zu trauen, denn Eva Wittig, EGZ-Prokuristin, sieht als einen der nächsten Schritte erst einmal die Prüfung der vorgestellten Teilentwicklungsprojekte und der realistischen Umsetzungschancen. Noch ist alles im "kann"-Stadium, Wittig: "Die Studie betrachtet die Entwicklung unter dem Fokus Wirtschaftfaktor und zeigt klar das Potential des Sees. Darüber hinaus wird auch deutlich, dass die Verbindung von Naherholung und Ferienziel funktionieren kann. “ Und weiter: "Damit kann der See bei der Stärkung und vor allem dem Ausbau des Wirtschaftsstandortes eine wichtige Rolle übernehmen. Um dies zu befördern und zu erreichen, hat die EGZ diese Studie mitfinanziert.“ Auf Basis ihrer Prüfung will die EGZ "einen Umsetzungszeitplan und Akquisestrategien entwickeln“.

Auch die kommunale WBG bewertet die nun vorliegende Leitidee als einen wichtigen Impuls und eine fundierte Basis für künftige Aktivitäten am Standort. WBG-Geschäftsführer Arne Myckert sieht die nächsten Schritte der WBG darin, "die zentralen Flächen auf der Halbinsel für große Investoren vorzubereiten und vorzuhalten, frei von Gestaltungsvorgaben, um Investoren keine Fesseln anzulegen."

Myckert weiter: "Unter Berücksichtigung der Leitidee liegt aus heutiger Sicht der Schwerpunkt der WBG auf der Entwicklung des Hafengeländes und dessen umschließenden Flächen. Dabei soll das Hafenareal so gestaltet werden, dass es in seiner Funktionalität zur Belebung des Berzdorfer Sees beiträgt und durch seine Attraktivität Investoren für die Halbinsel anzieht.“

"Wir haben bei der Entwicklung des Sees vor den Toren unserer Stadt eine Verantwortung für die nächste Generation“, so der Görlitzer Oberbürgermeister. Besonders gefreut habe er sich, dass Herr Engel "den See als wichtigen Wirtschaftsfaktor sieht, der Arbeitsplätze schaffen und auch auf Dauer sichern kann. Jetzt liegt uns die Leitidee vor und wir werden nun gemeinsam mit den Anrainergemeinden eine Entwicklungsstrategie erarbeiten.“

Download!
Kurzfassung der Leitdee (ca. 845 KB)
Fortschreibung des Strukturellen Rahmenplanes Berzdorfer See 2010

Kommentar:

"Still ruht der See, die Vöglein schlafen..." heißt es im Volkslied. Das jetzt vorgelegte Leitbild-Konzept könnte der Schuss sein, der die Akteure endlich aus ihrer Lethargie schreckt.

Allerdings ist bei der Entwicklung des Berzdorfer Sees schon soviel Zeit vertan, dass Konzepte nicht mehr angegangen werden können, ohne die inzwischen eingetretenen Realitäten zu berücksichtigen. Dazu gehört die erfreuliche Inbesitznahme durch unsere polnischen und tschechischen Nachbarn.

Jeder Unternehmer, der mit seinem Kapital verantwortlich umgeht, würde sich zunächst an den Interessen der Seebesucher orientieren und in risikoarme, aber sichtbare Fortschritte für die Naherholung investieren. Damit wären Parkplatzchaos, mangelnde Imbissversorgung und Toilettenanzahl gar nicht erst eingetreten.

Noch ist der Berzdorfer See nicht verloren. Das "Konzepts der Leitidee zur touristischen Entwicklung des Berzdorfer Sees" enthält eine Vielzahl durchdachter Hinweise und Anregungen, die hoffentlich von lokalen Akteuren nicht ausgebremst werden.

Der externe Sachverstand Johann-Friedrich Engel ermöglichte Kritik an vor Ort "unangreifbaren" Strukturen, beispielsweise mit den Worten "Die imageprägenden Kataloge und Broschüren der Destination Oberlausitz lassen ein durchgehendes Konzept vermissen. Sie überzeugen weder nach Stil noch Inhalt. Sie enthalten zu viel Text, keine Schwerpunkte und nichtssagende Fotos." Sic!

Wohltuend am vorgelegten Konzept ist, dass es der leidigen "Kreativität" pragmatische Anforderungen entgegensetzt. Und endlich Kategorien einführt, die entscheidend für die in Angriff zu nehmenden Projekte am See sind: So die Motive und Bedürfnisse der Besucher und Touristen und die Argumentation in Richtung einer klaren Trennung von Basis-, Leistungs- und schließlich Begeisterungsfaktoren.

Man darf gespannt sein, wie es am Berzdorfer See weitergeht. Aber bitte - bei aller Nachhaltigkeitsverantwortung - nicht erst für die nächste Generation, Herr Oberbürgermeister.

Entwicklungen fördern funktioniert bei mangelnden Potentialen - auch zu den Potentialen der Oberlausitz berichtet das vorgelegte Papier - nicht. Vielmehr muss gefragt werden, was die Entwicklung am stärksten behindert.

Das wegzuräumen, ist der richtige Ansatzpunkt,

meint Ihr Thomas Beier


Abbildung:
Von links: Eva Wittig (EGZ), Anne Myckert (WBG), Oberbürgermeister Siegfried Deinege, Johann-Friedrich Engel
Foto: Stadtverwaltung Görlitz

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  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier
  • Erstellt am 15.02.2014 - 08:41Uhr | Zuletzt geändert am 04.03.2014 - 23:14Uhr
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