Gemeinsame Erklärung der Landkreise Görlitz und Bautzen zur Flut-Soforthilfe

Landkreis Görlitz | Landkreis Bautzen. Der Freistaat Sachsen hat am 20. August 2010 fünf Millionen Euro aus dem Soforthilfeprogramm „Augusthochwasser 2010“ an die betroffenen Landkreise und Gemeinden überwiesen. Die Verteilung der Gelder erfolgte nach einem Schlüssel, der nach den von den Kommunen über die Landratsämter gemeldeten betroffenen Haushalten berechnet wurde.

Harig: "Gründlichkeit geht vor Aktionismus"

Im Einzelnen flossen an den Landkreis Bautzen 861.711 Euro für 997 betroffene Haushalte und an den Landkreis Görlitz, in dem 3.047 Haushalte betroffen sind, 2.633.535 Euro. Von diesen Beträgen erhalten die Landkreise sowie die betroffenen Gemeinden je die Hälfte.

In der Woche ab 23. August tagen die Spendenbeiräte, um über die Verteilung der Gelder zu entscheiden. Die Termine liegen in Bautzen am Dienstagnachmittag und in Görlitz am Mittwochnachmittag. Die von der Landesregierung geforderten Vertreter der IHK, der Handwerkskammern sowie des DRK bzw. der Diakonie und des Sächsischen Städte und Gemeindetages (als Vertretung der Bürgermeister) sind geladen.

Die Verwendung und Verteilung der Gelder wird in den Landkreisen so schnell wie möglich erfolgen. „Dennoch ist eine gründliche Prüfung geboten um zu erreichen, dass die im Focus stehende Zielgruppe erreicht wird“, so der Bautzener Landrat Michael Harig, der zugleich Sprecher des Landrätekonvents Oberlausitz-Niederschlesien ist. Er macht die Prioritäten deutlich: „Es geht insbesondere um Familien und Unternehmen die durch die Folgen des Hochwassers existenzgefährdet sind und keine anderen Hilfen erhalten können. Gründlichkeit geht vor Aktionismus. Denn noch heute werden Prozesse wegen mehrfacher oder nicht richtig eingesetzter Hilfsgelder im Jahr 2002 geführt.“

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Kommentare Lesermeinungen (2)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Krankes Gesellschaftssystem

Von Peter Naumann am 31.08.2010 - 23:31Uhr
. . . bitter diese Zeilen zu lesen, mein Mitgefühl wird wenig helfen, möglicherweise ein wenig der Gedanke, dass es Menschen gibt, die diese Zeilen verstehen.

Ohne es besonders hervorheben zu wollen, gemeinsam mit meiner Frau und vielen unserer Kunden haben wir geholfen, uneigennützig, einfach so, weil es die Menschlichkeit erforderte! Dass es nun die Menschen trifft, die selbstlos sich aufgeopfert haben, schmerzt um so mehr!
Diese Zeilen machen deutlich, medial ist das Hochwasser bereits "abgeflossen", die Bürokratie hat vom Leid und der Not der Betroffenen Besitz ergriffen !

Mit einer Familie christlichen Glaubens habe ich Hilfsgüter nach Visnova gebracht, denen stand die Not selbst bis zum Hals. Selbst bin ich kein Christ, orientiere mich mehr nach dem roten Bruder. Wir haben uns über das, was nun nach dem Hochwasser geschieht, unterhalten und fanden einen gemeinsamen Nenner. Diese Gesellschaftsystem ist krank, ist gegen den Menschen ausgerichtet, es sei denn, er hat Geld!

Menschliche Beziehungen werden nur noch von Geld bestimmt, außer in einem kurzen Zeitabschnitt, wie herannahendes Hochwasser, kurz danach setzt dar Faktor Geld wieder ein! (Konnte man ja nachvollziehen im Zittauer Anzeiger, z.B. Diakonie !)

Ein Einzelschicksal, der Feuerwehrmann, nein, so geht es vielen anderen, vom Hochwasser Geschädigten !

Es ehrt dieses geeinte Deutschland, wenn wir den Menschen in Pakistan helfen, es fordert zum Nachdenken auf, wenn wir Banken mit Milliarden unter die Arme greifen und deutsche Soldaten in einen verlorenen Krieg nach Afghanistan schicken und zugleich Bürger dieses Deutschlands im Hochwasser ersaufen lassen und diese um jeden Cent betteln müssen !

Die da oben verstehen nicht mehr, was da unten passiert, die sie ja gewählt haben!

Es ist eben so, unsere Volksvertreter sind endversorgt bis zu ihren Lebensende und dieser Abstand wird immer größer, auch das ist bitter ! Wenn es nicht so ist, ich lasse mich eines Besseren belehren!

Fluthilfe - ein Feuerwehrmann klagt an

Von Klausch am 29.08.2010 - 20:10Uhr
Werte Herren Landrat Lange, CDU Generalsekretär Kretschmar, Innenminister Ulbig und Ministerpräsident Tillich, werte CDU Fraktion,

mit dem 28. August 2010 schreiben wir Woche 3 nach dem Hochwasser. Ich möchte Ihnen meine Erfahrungen und die Hilfe, die mir und meiner Familie bisher zu gegangen ist, in dieser Form mitteilen.

Ich war vom 07. August 2010 08.00 Uhr bis 13. August 2010 18.00 Uhr durchgehend, mit vereinzelten Ruhephasen in der Nacht, im Einsatz.

Mein Name ist Hagen Klausch, ich wohne in Zittau in der Christian-Keimann-Straße 26, Parterre, in einer 1998 gekauften Eigentumswohnung. Auf dieser lasten Kredite bei der SAB. Ich habe eine Hausratversicherung, die Elementarschäden erstattet, so dass ich die Möbel ersetzt bekomme.

Leider hat unsere Hausverwaltung es verpasst, mit dem Bau der Wohnanlage eine Gebäudeversicherung mit Elementar abzuschließen, so dass ich für das Sondereigentum wie Türen, Fussboden, Heizkörper, Sanitäranlagen usw. selbst aufkommen muss.

Ich bin Ortswehrleiter der Abt. 1/Innenstadt der Feuerwehr Zittau. Meinen Dienst versehe ich seit 28 Jahren ehrenamtlich, davon 12 Jahre hauptamtlich, in der Freiwilligen Feuerwehr Zittau.

Am 07. August 2010 gegen 08.00 Uhr kam die Alarmierung. Ich unterstützte den Diensthabenden in der FMAZ. Ich war also direkt beteiligt bei der Organisation, Koordinierung und Leitung der Einsätze. Aufgrund des Überlaufens der Neiße/ Mandau im Bereich Uferweg sowie anderer unglücklicher Umstände kam es zu einem Wasserstand von ca. 70 cm in meiner Wohnung. Meiner Frau, die mit einzelnen Hausbewohnern alles tat, das Wasser fernzuhalten, musste ich nach dem Überschwappen der Flüsse telefonisch sagen: ,,Verlass die Wohnung, begib dich nicht in zusätzliche Gefahr.“ Mein Sohn Franz Hagen weilte zu dieser Zeit bereits bei meiner Tochter. Am Sonntag 01.30 Uhr begab ich mich zur Ruhe ohne zu wissen, was es bedeutet, alles durch das Hochwasser verloren zu haben.

Bereits am Sonntag 8.00 Uhr bin ich mit Kameraden der Abt. 1 rausgefahren, um Keller auszupumpen. Wir haben in den nächsten sieben Tagen Keller in Kindergärten, Gaststätten, Stadtwerke usw. ausgepumpt.

Da aus statischen Gründen ein Abpumpen unserer Wohnanlage mit der dazugehörigen Tiefgarage nicht möglich war, konnte eine Begutachtung bzw. die Entkernung meiner Wohnung sowie der Keller aller Eigentümer/ Mieter erst am 12. August 2010 erfolgen. Dies ist auch ein Grund der den baulichen Schaden in meiner Wohnung, der damit die entstandenen Kosten in die Höhe trieb.

Nach sieben Tagen ununterbrochener Hilfe für andere vom Hochwasser Betroffene, körperlich und physisch am Ende, konnte ich am Freitag, dem 13. August 2010, mit meiner Frau eine Sozialwohnung, welche mir die Stadt Zittau erstmal zu Verfügung stellte, beziehen.

Nun Stand aber immer noch die Frage: Wie weiter? Ich hatte nur das, was ich am Körper trug, also Einsatzhose und Feuerwehr-T-Shirt. Zum Glück hatte ich in meinem Spind Unterwäsche, so dass ich das wenigstens wechseln konnte. Meine Frau trug die Sachen von Ihrer Schwester. Viele haben gesagt, wenn du Hilfe brauchst, sag was. Keiner hat aber die Frage gestellt nach Soforthilfe in Form von Geld. Ich habe mir von meinen Schwiegereltern Geld geborgt, um im TOOM Markt meiner Frau und mir Kleidung bzw. das nötigste zu kaufen. Uneigennützig hat uns Herr Grabb vom Gin Tonic Laden in der Frauenstraße geholfen, indem er uns Kleidung zur Verfügung stellte.

Wissen Sie was es heißt, alles verloren zu haben? Und dann um Hilfe betteln zu gehen?
Wir haben alles verloren, aber nicht unsere Ehre, nur der Stolz ist mittlerweile gebrochen.

Ich habe in diesen Tage auch gemerkt was es heißt, Kameraden zu haben, welche wirklich helfen. Am Sonntag, dem 15. August 2010, haben mir die Kameraden der Abt. 1 noch geholfen, Türen, Tapete, Laminat usw. zu entfernen. Ein Kamerad hatte Geburtstag, seine Feier abgesagt und noch Kuchen und Kaffee mitgebracht.

Die Anträge für Hilfe von der SAB oder dem DRK sind ein Lacher. Die Mitarbeiterin der SAB hat uns in einem Beratungsgespräch ganz klar gesagt, dass es keine Aussicht auf Kredit gäbe, da wir ja eine Hausratversicherung mit Elementarabsicherung haben. Dass aber das Sondereigentum nicht versichert ist und wir den Schaden von ca. 40.000 Euro selber tragen müssen, interessiert diese nicht.
Die Anträge vom DRK sind typisch deutscher Bürokratismus. Was das mit Sofort-Hilfe zu tun hat, wenn man sein Einkommen angeben muss, fragen wir uns jetzt noch.

Alle Hoffnung lag bei Ihnen, werter Herr Tillich. Leider musste mir der Oberbürgermeister der Stadt Zittau, Herr Voigt, mitteilen, dass die Stadt 46.000 Euro erhalten habe, alle Ortsteile mit eingerechnet. Eine finanzielle Hilfe konnte also nicht erfolgen.

Sie, werter Herr Landrat Lange waren der letzte Strohhalm. Sie stellen mit den Richtlinien zur Fluthilfe alles bisher erlebte in den Schatten. Das ist ein Schlag für alle Betroffenen. Als Eigentümer der Wohnung habe ich noch Kredite abzulösen. Unser Einkommen ist gnadenlos ausgeplant, kurzfristige Anschaffungen nur über eine Überziehung des Girokontos möglich. Wissen Sie eigentlich, dass viele ihre Waschmaschinen im Keller haben, es sogenannte Waschkeller mit Trockenraum gibt? Werkstätten, die sich dort befinden, vom Hobbykeller mal abgesehen.

Was hat Sie bewogen, die Fluthilfe abhängig vom Einkommen der Familien zu machen? Denken Sie etwa, dass 24.000 Euro im Jahr zum Verjubeln da sind? Können Sie mir sagen, wie ich meine Wohnung OHNE HILFE wieder bewohnbar machen kann? Wie die Handwerker bezahlen? Die Waschmaschine? Vielleicht sollten wir Wäsche waschen in der Mandau, kochen überm offenen Feuer, so wie im vorigen Jahrhundert, oder ist es Ihnen lieber, wenn wir uns pakistanische Kleider um den Körper wickeln, um da vielleicht Hilfe zu bekommen? Wir wollen nicht sagen, dass das in Pakistan nicht schlimm ist und man dort sicher auch helfen sollte, dabei sollte aber die Not im eigenen Land erst einmal im Vordergrund stehen. Schließlich bezahlen wir unsere Steuern hier.

Warum werden nicht die Richtlinien vom Hochwasser 2002 angewandt? Unbürokratisch mit Soforthilfe zu helfen.

Vielleicht sollte man sich selber aus dem Leben verabschieden, damit wenigsten aus der Lebensversicherung was kommt und damit der Hinterbliebene die Wohnung etwas wiederherrichten kann. Und die Rentenfrage wäre für eine Person auch geklärt.

CDU? Diese Partei haben wir seit der Wende gewählt, weil, da steht „Christlich“. Sorry, aus Fehlern lernt man.

Auch wenn es aussichtlos ist, wir werden den Antrag dennoch stellen.
Für eine Antwort mit Lösungen wären wir Ihnen dankbar.

Fam. Hagen Klausch


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  • Quelle: red
  • Zuletzt geändert am 21.08.2010 - 11:54 Uhr
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