Kann das Handy den Arztbesuch ersetzen?

Kann das Handy den Arztbesuch ersetzen?Görlitz, 12. Mai 2020. Zu den Begleiterscheinungen der Coronakrise gehörte nicht nur die Verschiebung nicht dringend notwendiger Operationen in den Krankenhäusern, um Kapazitäten freizuhalten, sondern auch leere Wartezimmer bei den niedergelassenen Ärzten. Was hielt und hält Patienten vom Arztbesuch ab und welche neuen Möglichkeiten gibt es?

Zur Videosprechstunde braucht man keine Mund-Nase-Abdeckung – es sei denn, man nutzt den Computer gemeinsam mit Leuten, die nicht mit im Haushalt leben

Symbolfoto: Engin Akyurt, Pixabay License (Bild bearbeitet)

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Videosprechstunde spart in geeigneten Fällen Aufwand

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Vermutlich ist es eine verbreitete Unsicherheit darüber, ob vielleicht im Wartezimmer eine höhere Infektionsgefahr mit dem Coronavirus droht oder ob Frau oder Herr Doktor während der Pandemie vielleicht Wichtigeres zu tun haben. Doch Beschwerden und Erkrankungen einfach auszusitzen, zu Hausmitteln oder zur Selbstmedikamentation zu greifen ohne Arzt oder Apotheker zu fragen, das kann den Gesundheitszustand gegebenenfalls weiter verschlechtern. Auch hier bietet die Digitalisierung einen Ausweg.

Dieser Ausweg ist die Videosprechstunde – per Handy, Tablet-PC, Laptop oder klassischem Computer – Hauptsache Kamera, Mikrofon und Lautsprecher oder Ohrhörer sind vorhanden, eine spezielle Software oder App ist nicht nötig. Das klingt einfach, doch wie alles Neue müssen sich auch solche digitalen Arztkonsultationen erst einmal Akzeptanz erkämpfen, beim Patienten wie beim Arzt.

Ganz sicher spricht vieles dafür, dass ein Patient zur Sprechstunde persönlich beim Arzt erscheint, denn so kann sich dieser am einfachsten und gründlichsten ein ganzheitliches Bild über den Gesundheitszustand machen. Andererseits sprechen viele Umstände für die Videosprechstunde, etwa wenn jemand eine ansteckende Erkrankung vermutet, nach einer Operation körperlich nicht belastbar oder überhaupt in seiner Mobilität deutlich eingeschränkt ist. Auch bei einfachen oder wiederkehrenden Diagnosen scheint die Videosprechstunde durchaus geeignet, von ganz praktischen Vorteilen abgesehen: Man bekommt je nach Arzt schneller einen Termin und erspart sich und der Umwelt die An- und Abreise, was besonders im ländlichen Raum wie im Landkreis Görlitz ein Aspekt ist.

Neben medizinischen Konsultationen und Kontrolluntersuchungen bieten sich weitere Anlässe für den “Arzt per Computer” an, so etwa die Rezeptausstellung oder das Durchsprechen eine Befundes. Vieles lässt sich so mit geringerem Aufwand erledigen, allerdings muss jeder Arzt entscheiden, in welcher Situation die Präsenz des Patienten vielleicht doch nötig wird. Überhaupt liegt es selbstverständlich im eigenen Ermessen jedes Arztes und jeder Ärztin, ob sie Videosprechstunden überhaupt anbieten. Entscheidet sich ein Arzt dafür, so gibt es Dienstleister, die im Internet Arzt und Patienten per Videokonsultation zusammenbringen und die technische Abwicklung inklusive Schutz der Daten übernehmen.

Der digitale Ablauf ist im Grunde noch einfacher als im gewohnten analogen Leben:

  1. Online einen Termin vereinbaren. Hier besteht auch die Möglichkeit, einen Arzt auszuwählen und Dokumente sicher an ihn zu übermitteln.

  2. Zum Termin den bei der Terminvereinbarung erhaltenen Link aufrufen und die Konsultation beim Arzt in Anspruch nehmen.

  3. Eventuelle Rezepte kommen per Post oder können, wenn dringend, gegebenenfalls auch von einem Beauftragten abgeholt werden.

Für den Patienten erfolgt die Abrechnung wie gewohnt: Gesetzlich Versicherte halten zur Videosprechstunde ihre Krankenversicherungskarte bereit, Privatpatienten bekommen ihre Rechnung zugeschickt. Detaillierte Informationen zur Videosprechstunde für Ärzte und Psychotherapeuten hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung, bei der diese die Videosprechstunde beantragen müssen, zusammengestellt. Die Videosprechstunde nutzen können alle Arztgruppen, ausgenommen sind lediglich Radiologen, Pathologen, Nuklearmediziner und Laborärzte.

Obgleich spätestens bei notwendigen direkten Untersuchungen und Behandlungen die Grenzen der Sprechstunde per Video erreicht sind ist doch anzunehmen, dass sie sich bei geeigneten Umständen als ganz selbstverständlicher Baustein der medizinischen Versorgung durchsetzen wird.

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  • Quelle: red | Foto: Engin_Akyurt, Pixabay License
  • Erstellt am 12.05.2020 - 08:05Uhr | Zuletzt geändert am 12.05.2020 - 08:46Uhr
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