Görlitzer Zustände
Görlitz-Zgorzelec. Es wird fleißig diskutiert, unter den Tisch gekehrt, überhaupt nicht wahrgenommen, geplant, spontan losgelegt, verdödelt, sachlich-konstruktiv gearbeitet - da unterscheidet sich die Stadt Görlitz nicht von anderen Städten. Sie unterscheidet sich aber sehr wohl darin, was konkret passiert.
Fritz R. Stänker blickt in den Wochen-Rückspiegel

Durch Querelen der Interessengruppen verliert Görlitz viel Kraft. In Bezug auf die Wirtschaft setzt der Oberbürgermeister nun verstärkt auf den direkten Kontakt zu den Unternehmern. Fotos: /BeierMedia.de
Noch immer flackert die Diskussion um den unrühmlichen Abgang der beiden Lobbyisten von IHK und Kreishandwerkerschaft aus dem Gespräch mit dem Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick am 17. September 2009. Was war geschehen? Vor dem Gespräch hatten die Funktionäre einen an die Stadt Görlitz gerichteten "Forderungskatalog" an die Presse gegeben und somit Öffentlichkeit hergestellt. Daraufhin wollten auch interessierte Unternehmer dem Gespräch beiwohnen. Soviel - direkte - Öffentlichkeit war nun allerdings nicht gewollt und die beiden Gesprächsteilnehmer verließen das verbale Schlachtfeld.
Unabhängig vom für Görlitzer Verhältnisse doch recht turbulenten Geschehen muss man sicherlich näher beleuchten, was sich da abspielte.
Zunächst: Wer vor einem Gespräch mit einem Oberbürgermeister einen "Forderungskatalog" in der Presse öffentlich zugänglich macht, hat den Anspruch auf ein vertraulich-offenes Gespräch zu Dritt verspielt.
Es ist unverschämt, vor einem Gespräch einen "Forderungskatalog" aufzumachen, und doppelt unverschämt, diesen auch noch vorab zu publizieren. Angemessen gewesen wäre ein Katalog mit Themenwünschen, den man vorab dem Gesprächspartner zwecks Vorbereitung auf das Gespräch übergibt.
Zur Ehrenrettung muss hingegen auch gesagt werden, dass die beiden Vertreter ihrer Mitglieder (die immer nur einen Teil der Wirtschaft repräsentieren) von der Situation im Rathaus, plötzlich leibhaftigen Unternehmern gegenüber zu stehen, offensichtlich völlig uberrumpelt und überfordert waren.
Den Kreishandwerksmeister bei dieser Gelegenheit als Feigling zu bezeichnen, ist jedoch völlig unangemessen - denn das ist er gewiss nicht.
Görlitzer auf der Suche nach Identität
Der öffentliche Raum ist gut für Meinungsäußerung jeweder Art - ob jemand zuhört oder wie er das Gehörte oder Gelesene interpretiert, bleibt schließlich ihm überlassen.
Nachdem die Görlitzer auf Plakaten erstmal "Nein" gesagt haben, teilen sie uns nun auf dem gleichen Wege mit, wie sie eigentlich sind: Weltoffen, ausländerfreundlich und gegen Rechtsradikalismus.
Der geneigte Besucher der Stadt fragt sich: Was müssen das für Zustände sein, dass sie es nötig haben, derartiges zu plakatieren!
Ein Stückchen weit könnte man die Plakat-Aussagen als Leitbild verkaufen, aber weshalb man nicht die Kraft hatte, sich gegen Radikalismus generell zu positionieren, das wissen wohl nur die Linken.
Die aktuelle Umfrage in den Ausgaben des Regional Magazins für Görlitz, Bautzen, Weißwasser und Zittau heißt: Wie sind die Görlitzer? Der Natur des Internet gemäß ist eine Mischung aus Selbstbewertung, Fremdbewertung und Wunschbild zu erwarten. Man darf gespannt sein.
Gehen Sie in sich, gehen Sie am kommenden Sonntag wählen, alles geht weiter,
Ihr Fritz R. Stänker
Ergebnis: Wie sind die Görlitzer?
Umfrage seit dem 20.09.2009
Teilnahme: 159 Stimmen
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- Quelle: /FRS | Fotos: /BeierMedia.de
- Zuletzt geändert am 20.09.2009 - 10:01 Uhr
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