Mit der Tram über die Neiße
Görlitz. Die polnische Seite hat unvermindertes Interesse an einer grenzüberschreitenden Straßenbahntrasse zwischen Görlitz und Zgorzelec. Darüber informierte der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick die Stadträte auf der Sitzung am 26. Januar 2012. Demnach hat er erst vor wenigen Tagen im Zgorzelecer Rathaus mit seinem Amtskollegen, dem Zgorzelecer Bürgermeister Rafał Gronicz, über die Möglichkeit einer solchen Straßenbahnlinie gesprochen. Am Tisch saßen auch Mitarbeiter der Stadtverwaltungen sowie der Stadtwerke Görlitz AG und deren Tochterunternehmen Verkehrsgesellschaft Görlitz GmbH.
Starkes Interesse in Polen
Ganz neu ist die Idee für die grenzüberschreitende Straßenbahn wahrlich nicht. Bereits 2002 war von der Arbeitsgruppe des Zweckverbandes Oberlausitz-Niederschlesien eine Machbarkeitsstudie beauftragt worden, welche insbesondere die rechtlichen Rahmenbedingungen, verkehrsplanerische Grundlagen, Betreibermodelle und betriebstechnologische Aspekte sowie zur Finanzierung betrachtet hat. Das Ergebnis ließ vieles offen: Weitere Untersuchungen seien erforderlich.
Die Stadt Görlitz hat sich deshalb auch im Zusammenhang mit dem Neuordnungskonzept Innenstadt Ost / Brückenpark mit dem Straßenbahn-Vorhaben auseinandergesetzt. Auch beinhaltet das im Jahr 2011 erstellte Gesamtverkehrskonzept Szenarien für einen verbundenen Straßenbahnbetrieb auf deutscher und polnischer Seite. Die Unterlagen wurden im Juli letzten Jahres an Zgorzelec übergeben, worauf der Zgorzelecer Bürgermeister November Fragen zum Projekt stellte. Die polnische Verwaltung bekräftigte dabei ihr Interesse an der Idee und möchte die alte Verbindung nach Moys (Ujazd) wiederbeleben. Im Zuge der neuen EFRE-Förderperiode 2014-2020 sieht Zgorzelec gute Chancen auf Fördermittel - vorausgesetzt, die nötigen Aktivitäten werden jetzt eingeleitet.
Nächste Schritte
Die beiden Stadtoberhäupter haben die statische Prüfung der Stadtbrücke durch die polnische Seite sowie die Konstituierung einer gemeinsamen Facharbeitsgruppe vereinbart. Die darin vereinten Fachleuiute sollen in die inhaltliche Arbeit einsteigen und - wenn die Finanzen aufgehen - einen Grundsatzbeschluss herbeiführen.
Kommentar:
Eine Straßenbahnlinie, die Ost und West an der Neiße verbindet, wäre ein überaus wichtiger Schritt hin zu einem kleinen feinen "Ballungsraum Görlitz-Zgorzelec" - ein Bindeglied, das noch stärker zusammenwachsen lässt, was zusammengehört.
Diese - nennen wir sie Euro-Tram - könnte sich zudem als Retterin für das im Laufe der Zeit immer mehr reduzierte Görlitzer Straßenbahnnetz erweisen, dem sonst Gefahr droht, durch gummibereifte Vehikel ersetzt zu werden.
Eine Straßenbahn ist nicht nur umweltfreundlich, sondern vermittelt städtisches Flair.
Und praktisch: Wenn der Meetingpoint Music Messiaen in Moys auf dem früheren Stalag-Gelände seine Konzerthalle baut, dann will einer auf jeden Fall mit der Straßenbahn hinfahren,
Ihr Fritz R. Stänker
Vier Antworten
Von Frank am 21.02.2012 - 02:21Uhr
Hallo zurück @Görzelec:
1.
Natürlich war die Stillegung damals erst einmal billiger als die Sanierung. Im nachhinein aber bestimmt doch teurer als das Loch, welches erstmal gestopft war.
Aber hier geht es doch um eine komplette Neubaustrecke, welche Millionen von Euronen verschlingt. Wie soll das denn wieder reinkommen und rentabel werden?
Es steigen doch nicht plötzlich zig-tausende Bürger aus Göärlitz und Zgorzelec täglich in die Bahn, welche sich vorher auch ohne diese von A nach B bewegt haben.
Die Frage ist doch hier auch, wer das Risiko trägt und die "Musik" bezahlt. Die Polen können ja sich ja gerne sowas leisten, aber weil selbst die "Machbarkeitsstudie" von Deutschland aus bezahlt werden soll, wäre das Geld besser bei einem Verein für Bedürftige aus GR angelegt.
2.
Wenn Sie für "Sonderpreise für Deutsche zum Erwerb von Fahrausweisen" mit dem Hinweis auf Friseur- oder Spritpreise einverstanden sind, dann sollten aber unsere Discounter ebenfalls Sonderpreise für Schokolade, Spülmittel, Zahnpasta und Waschpulver einstellen, das ist ja totaler Schwachfug, die Polen "kümmern" sich hier genauso (und das palettenweise) bei billigeren Artikeln und das wird gleich mit richtig großen Lieferwagen erledigt, die Einkaufstüte reicht denen schon lange nicht mehr.
Ich fahre ja schließlich auch nicht mit einem 200 Liter Fass nach Polen tanken, um den Sprit anschließend billiger als an den Tankstellen unserer Stadt und trotzdem mit Gewinn für mich an meine Nachbarn zu verscherbeln.
3.
Die bürokratischer Hindernisse haben die Polen selber kürzlich erst "erfunden".
Als Polen noch nicht EU-Mitglied war, sind Taxifahrten mit deutschen Kleinbustaxen nach Hirschberg oder Lauban überhaupt kein Problem gewesen.
Zum Strassenbahnbetrieb Frankfurt/Oder- Slubice habe ich bei
http://www.tram-ffo.de/
unter der Schaltfläche "Netzpläne" im Untermenü: "gültig ab 11.12.2011" keine Linie gesehen, welche nach Slubice führt, wieso soll diese Straßenbahn ein Vorbild für Görlitz sein?
4. @Herrn Jens Jäschke:
Daran habe ich ja noch nicht mal gedacht, es wäre dann natürlich eine günstige Möglichkeit unsere Kellerinhalte und Fahrräder preisgünstig per Bahn zu "entsorgen", das möchte ich jedoch nicht pauschal jedem Straßenbahnnutzer unterstellen.
Und wie Sie sagen, nach welchem Recht werden dann Fahrausweise kontrollliert?
Fast täglich sehe ich im Stadtgebiet Politessen "Knöllchen" für das eingeschränkte Halteverbot verteilen.
Die mehrfach nacheinander stehenden Autos mit Kennzeichen GR und DZG werden wie folgt behandelt:
GR-> Knöllchen, DZG-> kein Knöllchen.
Hier wird der Stadt bewusst Schaden zugefügt, man muss alle abstrafen oder keinen.
Sollte ich mir in Polen eine Strafe für Parken im eingeschränkten Halteverbot einhandeln und diese nicht vor Ort bezahlen können, darf die Polizei dort auf der Stelle mein Auto beschlagnahmen!
Das Geld der deutschen Steuerzahler für diese "Machbarkeitsstudie" wäre besser für ein paar zusätzliche BGS Beamte angelegt.
MfG Frank
Ironie zur Straßenbahn
Von Jens Jäschke am 20.02.2012 - 15:16Uhr
Steht nicht im StGB geschrieben das, wer eine Straftat nicht vereitelt oder Beihilfe zu selbiger leistet, bestraft werden muss?
Es ist natürlich eine Gentlement-Art unserer Stadträte, den (...) Bürgern zu helfen, ihr Diebesgut auf "sichere und bequeme" Art und Weise nach Hause zu transportieren.Erwischt werden können sie auch nicht, wenn das Diebesgut in der Bahn steht und sich niemand zu dieser Ware bekennt...
Ach und eine Duty Free Zone könnte man dann doch auch in einer deutschen Straßenbahn auf polnischen Gebiet in Erwägung ziehen, denn einen Zöllner wird die Straßenbahn doch nicht zu Gesicht bekommen, nachdem immer mehr Bundespolizei und Zivilfahnder von unserer sooo sicheren Grenze abgezogen werden.
Na dann, gute Umsätze, liebe Nachbarn. Einen hab ich noch zum Rosenmontag: "Schwarz Bahn fahrn hilft Sprit sparn." :-)
Drei Fragen
Von Görzelec am 20.02.2012 - 13:11Uhr
1.
Ohne die genaue Antwort zu wissen: ich würde mal vermuten, das lag an womöglich anstehenden Sanierungskosten der Strecke, die auf dem Papier teurer waren als die Stilllegung und der Ersatz mit Bussen. Also haargenau die gleichen Gründe, aus denen der ZVON und die Landesregierung in den letzten fünfzehn Jahren das Schienennetz in der Oberlausitz zum heutigen Rumpfbetrieb zusammengestrichen haben.
Und damit zusammenhängend einmal folgene These: Will die Straßenbahn in Görlitz überhaupt eine Perspektive für die Zukunft haben, dann MUSS sie rüber nach Zgorzelec verlängert werden. 30.000 Menschen, die zum Einkaufen und zum Bummeln vermehrt in die Altstadt streben, könnten so am Görlitzer Nahverkehr teilhaben. Und in der Gegenrichtung gäbe es bald mit der Zgorzelecer Mehrzweckhalle (Basketball auf internationalem Niveau!) einen ebenfalls ohne Auto erreichbaren Ort.
2.
Meiner Meinung nach lag das unter anderem auch daran, dass diese Linie viel zu wenige Haltepunkte hatte und eigentlich nicht mehr war, als ein Shuttle-Service auf die polnische grüne Wiese.
Und zum Preisunterschied: finde ich nicht ungerecht. Beim Einkauf von Schnaps und Kippen, beim Tanken und beim Gang zum Frisör fanden doch viele Görlitzer diesen Preisunterschied über Jahrzehnte hinweg auch nicht problematisch ...
3.
Das mit dem Taxifahrer ist sicherlich ärgerlich. Wieder einmal ein Beispiel dafür, wie wichtig die zunehmende Verzahnung in der EU zwischen den Mitgliedsländern ist. Ein deutsch-polnisches Straßenbahnprojekt könnte da doch ein gutes Beispiel für die Überwindung bürokratischer Hindernisse sein.
Wie schon einmal geschrieben: Die Frankfurter und Slubicer scheinen jedenfalls die Vorteile einer solchen Verbindung zu sehen. Und was an der Oder zu funktionieren scheint, kann doch an der Neiße prinzipiell auch gelingen, oder?
Straßenbahn nach Polen?
Von Frank am 19.02.2012 - 23:07Uhr
Hallo,
wenn ich die utopischen Pläne mit der Straßenbahn nach der Görlitzer Oststadt höre, dann kommen in mir doch sofort drei Fragen auf:
1.
Warum wurde die Straßenbahnlinie nach Görlitz-Rauschwalde bereits vor Jahrzehnten "plattgemacht" wenn so großer Bedarf besteht, mit der Bahn fahren zu wollen? Selbst damals in der DDR war Strom weitaus günstiger als der damals ohnehin schon knappe Diesel, den die nachfolgende Buslinie verbraucht und der früher nur für Kontigentmarken erhältlich war?
2.
Warum wurde die Stadtbus-Linie P nach Polen von der Görlitzer Verkehrsgesellschaft bereits vor vielen Jahren eingestellt, bestimmt nicht weil sie zuviel Umsatz erwirtschaftet hat. Diese Linie wies auch einen besonders ungerechten Tarif auf: Polen bezahlten 1 Zloty, Deutsche eine DM, also je nach Wechselkurs das damals 4-5 fache, für den gleichen Fahrausweis.
Soll das dann auch wieder eingeführt werden? Heut fährt noch ein polnischer Bus (meist nur viertelvoll) auf dieser Linie.
3.
Wenn ein deutscher Taxifahrer auch nur einen Meter in Polen fahren möchte, um seinen Fahrgast dahin zu bringen, muss er ein in Polen zugelassenes und geeichtes Taxameter eingebaut haben und eine Steuernummer in Warschau besitzen sowie dazu vierteljährlich eine Steuererklärung abgeben.
Das gilt selbst dann, wenn er in dem betreffenden Vierteljahr nicht auf polnischem Boden gefahren ist.
So verzichten die Taxifahrer "freiwillig" auf solche Touren, während sich die polnischen Taxen ohne diese Vorschriften in Görlitz tummeln. Wie soll das Problem dann erst mit einer Straßenbahn gelöst werden?
Viel Spaß beim Nachdenken,
wünscht Frank
Straßenbahn nach Zgorzelec - olé!
Von Görzelec am 29.01.2012 - 16:35Uhr
"Die Polen" und "der deutsche Bürger"? Soll das heißen, Sie gehen davon aus, dass von Zgorzelecer Seite mehrere zusteigen, von Görlitzer Seite aber immer nur ein einzelner? Ganz so düster ist der Unterschied in der Altersverteilung auf beiden Seiten des Flusses ja nun auch wieder nicht. Obwohl - in Görlitz ist man da ja auf einem guten Weg. Wenn Jugendliche in der Stadt unterdessen schon das Gefühl haben, sich unangemeldet in Stadtratssitzungen als Gruppe zeigen zu müssen ...
Ich freue mich derweil einfach darauf, dass über dieses Projekt wieder ernsthaft nachgedacht wird. Es kann für die Zukunft eines deutsch-polnischen Görzelec nur von Vorteil sein. Von der Zukunft der für den ZVON bekanntlich als Verlustgeschäft laufenden Görlitzer Straßenbahn ganz zu schweigen.
Und wieso sollen die Frankfurter zukünftig das einzige deutsch-polnische Straßenbahnnetz haben? In Zgorzelec leben 30.000 Menschen. Zeit, die alle endlich in den Görlitzer Nahverkehr zu integrieren. Und das mit dem Geld wird sich finden. Ist ja nicht so, dass in Zgorzelec die allgemeine Arbeitslosigkeit höher wäre als in Görlitz...
Deutsch-polnische Straßenbahn?
Von Jens Jäschke am 29.01.2012 - 12:49Uhr
Wie sieht der Kosten/Nutzen Effekt dabei aus?
Zahlen die Polen dann weniger und der deutsche Bürger mehr?
Wie soll das funktionieren? Gibt es da schon eine Kostenberechnung?
- Autofahrer-Regeln für den Winter
Landkreis Görlitz. Ein Winter, wie ihn sich viele immer gewünscht haben: Kurz und knackig, sonst eh... - Baustellen online - ein Service der Stadtverwaltung
Görlitz. Damit nicht die Straßenbahngleise - wenn auch unfreiwillig wie im Bild - zum Parken genutzt... - Haltepunkt Berzdorfer See wird geplant
Görlitz. Die größte Görlitzer Badewanne - der Berzdorfer See - ist fast voll. Im Sommer 2012 soll de... - Christoph-Lüders-Straße wird halbseitig gesperrt
Görlitz. Auch Polizisten brauchen Wärme - dazu müssen Im Bereich der zukünftigen Polizeidirektion au... - Landrat Lange für bessere Bahnanbindung
Landkreis Görlitz. Für den Ausbau der InterCity-Strecke Hannover-Leipzig-Dresden, die weiter über Br...
- Quelle: red
- Zuletzt geändert am 28.01.2012 - 09:38 Uhr
Seite drucken
