Görlitzer Kantinenlesen am zweiten Weihnachtsfeiertag

Görlitzer Kantinenlesen am zweiten WeihnachtsfeiertagGörlitz, 21. Dezember 2017. Wie üblich wandert das – nun 79. – Görlitzer Kantinenlesen im Dezember vom letzten Freitag des Monats auf den zweiten Weihnachtsfeiertag und bietet damit eine Fluchtgelegenheit für alle, die die Weihnachtsduselei dann endgültig satthaben. Unterstützt wird ds durch die aktive Anwesenheit des Berliner Improvisationstheaters Foxy Freestyle: spontanes Theater auf Publikumszuruf steht auf dem Programm und gibt dem Kantinenlesen eine ganz andere Facette.
Abbildung oben: Foxy Freestyle schickt eine Abordnung ins Görlitzer Basta!

Geborene und zugereiste Berliner auf der Bühne

Geborene und zugereiste Berliner auf der Bühne

Roman Israel zog es aus Löbau nach Berlin. In Gegenrichtung klappt das nicht so gut.

Thema: Lesebühnen

Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

Mit dem Ex-Löbauer Autor Roman Israel und dem Berliner Musiker Andreas Albrecht sind dann auch noch zwei Künstler dabei, die noch nie beim Görlitzer Kantinenlesen auf der Bühne standen. Die Basta!-Leute riskieren frohgemuts ein Qualitätsversprechen: "Insgesamt dürfte einem unterhaltsamen und kurzweiligen Lesebühnen-Abend damit jedenfalls nichts im Wege stehen!" Dass es das Görlitzer Kantinenlesen bereits seit 2008 erfolgreich über die Bühne geht, gibt ihnen die Sicherheit dafür. Zugleich sind die Bastianer wie auch das Publikum der Stadt Görlitz und der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien für die finanziellen Unterstützung des Projekts dankbar.

"Bühne frei!" für:

  • Roman Israel, auf die Weltreise geschickt 1979 in Löbau. Wie die Bundeskanzlerin studierte er Physik, dann aber auch noch Germanistik und Philosophie. So gerüstet für das Leben arbeitete (nicht etwa: jobbte) er als Museumsaufsicht, Garderobenkraft, Texter, Verpacker, Tester für Computerchips, Buchantiquar, Lehrer, Lektor, im Bühnenaufbau, als Komparse und in der Grünanlagenpflege. Seither zieht er nach eigener Darstellung als "Freier Vagabund" (Ist das nun Selbstkritik oder Selbsironie?) schmarotzend zwischen Wiener und Berliner Würstchen, als den Städten, durchs Land und genießt sein Verliererleben (das gern verwendete englische-deutsche Sprachadäquat "Loserleben" stellt der deutschtümelnden Leserschaft eine Gewinnmöglichkeit per Los in Aussicht, die aber anzunehmenderweise gar nicht gegeben ist).

    Statt also seine Arbeitskraft in den Dienst der Volkswirtschaft zu stellen schreibt Israel, der Mensch, lieber Prosa, Lyrik, Hörspiele, Theaterstücke und macht Filme. Untermauert wird dies durch die Spur der Erfolge: Sein Romandebüt "Caiman und Drache" erschien 2014 im Wiener Luftschacht Verlag. 2017 folgte "Flugobst", ebenfalls bei Luftschacht. Schon 2012 war Israel Stipendiat der "Villa Decius" und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Krakau (Kraków), 2014 Stipendiat der Kulturstiftung Sachsen im Gerhart-Hauptmann-Haus in Agnetendorf (Jagniątków) und 2017 Stipendiat im Literaturhaus Prag (Praha). Darüber hinaus veröffentlichte Israel in Zeitschriften und Anthologien. Einige seiner Texte wurden ins Englische, Polnische, Ukrainische, Tschechische und Sorbische übersetzt. Roman Israel ist Mitglied der Lesebühnen Sax Royal und Book Brothers in Dresden und Leipzig.

  • Dan Richter wurde ebenfalls geboren, im denkwürdigen Jahr 1968, und das auch noch in Berlin. Nun, wie soll man sagen, er ist Schriftsteller, Bühnenkünstler und seit 1999, was ihn vom Schriftsteller unterscheidet, Autor. Auf sein Konto – leider nicht zwangsläufig bei der Bank – gehen Veröffentlichungen in Tageszeitungen, Literaturzeitschriften und Anthologien. Dan Richter ist Mitbegründer und Autor der wöchentlichen Literaturshows Chaussee der Enthusiasten (1999 bis 2015) und Kantinenlesen (seit 2000). 2001 ist das Jahr, in dem er die Improvisations-Ensembles "Foxy Freestyle", "Paula P.", "Die Bö" und "Berliner Dunkeltheater" gründete und sich damit zum Intensivtheatergründer machte. Von 2001 bis 2003, ist nun auch schon eine Weile her, war er auf Poetry Slams in Berlin, München, Hamburg, New York, Boston und Chicago zu erleben. Seit 2002 ist Richter Improvisationslehrer und -theoretiker. Er war Co-Autor des Buches "Chaussee der Enthusiasten" und der Zeitschrift "Brillenschlange".

  • Foxy Freestyle macht das, was die meisten Menschen im Alltag tun: Improvisationtheater, allerdings auf der Bühne. Mit dabei sind Dan Richter, Stefanie Winny, Paul Moragiannis und Editha Kötter. Die vier spielen, unterstützt vom Impro-Pianisten Andrés Atala-Quezada, professionelles improvisiertes Theater: flotte Szenen, musikalische Einlagen, intelligenter Humor. Zur theatralischen Aufführung gelangen Stücke, die auf starke Charaktere und mitreißende Geschichten abzielen. Es geht und die wichtigen Themen des Lebens. In Berlin zeigen die verschlagenen Freestyler im wöchentlichem Wechsel schon seit September 2007 Improvisationen aller Coleur: Impro-Langform, Musik-Shows, Impro-Games, Crossover mit anderen Künstlern und die offene Bühne für alle, die mit ihnen Improtheater spielen wollen. Bach Görlitz kommt eine Abordnung von Foxy Freestyle – wetten, dass Dan Richter dazugehört?

  • Andreas Albrecht ist auch so ein 68er Geburtskind und entdeckte nach einem Dutzend Jahren das musikalische Schlagzeug für sich. Später kamen die Schlaginstrumente Klavier, Keyboard und Gesang hinzu. Das wiederum verleitete ihn schon bald zu Kompositionen und Texten für seine Lieder. Von 1987 bis 1992 schlagzeugte Albrecht bei der Gitarrenpopband "Die tanzenden Herzen", von 1993 bis 1996 bei der russischen Volksmusikband Apparatschik. Allein mit dieser Band spielte er rund 250 Konzerte. Seit 1995 widmet er sich im eigenen Studio Auftragskompositionen für Filme, etwa "Ohne Hose" mit Marianne Sägebrecht sowie "Anja, Bine und der Totengräber". Von 1997 bis 2011 erschienen von ihm Aufnahmen und CD–Produktionen, beispielsweise Jerewan, Apparatschik, Mittwochsfazit, Di Chuzpenics, Klezcore, Schikker wi lot, Ferio Bacu, Deeq, Reformbühne Heim und Welt, Kill2dress, Manfred Maurenbrecher, Brauseboys, Heiko Werning, Frühschoppen, Murat Topal, Stephan Bauer, Wine und Nils Heinrich.

    Heute arbeitet Albrecht als Liedermacher, Schlagwerker und Musikproduzent in Berlin. Im Winter 2017 erscheinen zeitgleich zwei CDs: "Teil Eins" im Bandarrangement und "weniger", die pur am Klavier eingespielt ist. Er teilt sich Bühnenbretter und Tonstudioräume mit – große Namen als Beispiele – Manfred Maurenbrecher, Lüül, Ulla Meinecke, Hannes Wader, Martin Goldenbaum, Jan Koch, Kay Ray, Danny Dziuk, Horst Evers, Dota, Johannes Kirchberg, Gerhard Schöne, Ilja Schierbaum sowie Pigor und Eichhorn. Und dann hat er auch noch die regelmäßige Veranstaltungsreihe "Geschmacksverstärker" im Zebrano-Theater-Berlin.

Prädikat: Hingehen!
Dienstag, 26. Dezember 2017, Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr,
Jugendkulturzentrum Basta!, Hotherstraße 25, 02826 Görlitz.

Der Eintritt erleichtert jedermann um vier Euro.

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  • Quelle: red | Bilderquelle: Jugendkulturzentrum Basta!, Görlitz
  • Zuletzt geändert am 21.12.2017 - 06:37 Uhr
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