Die Altstadt als Spielplatz

Die Altstadt als SpielplatzGörlitz-Zgorzelec. Ein völlig umgestalteter Spielplatz, der deutliche Bezüge zur historischen Altstadt aufweist, entsteht im Görlitzer Stadtpark. Ausnahmslos regionale Unternehmen kommen zum Zuge, den komplexen Spielplatzbau selbst hat die Firma Künstlerische Holzgestaltung Bergmann aus Zentendorf, einem Ortsteil von Neißeaue, übernommen.

Vom Lustwäldchen zum Spielplatz

Vom Lustwäldchen zum Spielplatz

Halten das Projekt gemeinsam in den Händen: Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick (re.) und Dr. Michael Wieler, Bügermeister (li.). Mittendrin Herr Freudrich vom Sachgebiet Stadtgrün. Foto: Stadtverwaltung Görlitz

Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts ließen Görlitzer Stadtväter außerhalb der Stadtmauern Alleen und Bosquetts (Lustwäldchen) anlegen. Die Idee von einem großen zusammenhängenden Park wurde etwa ab 1829 nach und nach verwirklicht. Der Stadtpark selbst ist ein Landschaftspark, in dem Wiesenflächen und Gehölzgruppen einander ergänzen und einen schönen Rahmen bilden für Denkmale und weitere Ausstattungselemente.

Spielplatz ist Anziehungspunkt

Der Spielplatz, ein Bestandteil des Parks nachweislich seit 1840, wurde in seiner heutigen Erscheinung von der Künstlerischen Holzgestaltung Bergmann aus Zentendorf gestaltet und ist einer der beliebtesten Anziehungspunkte für die kleinen Parkbesucher.

Doch der Spielplatz ist in die Jahre gekommen. Fragen der Sicherheit und der Spielpädagogik mussten neu gestellt werden. Um das Spielangebot an diesem wichtigen Standort im Stadtpark aufrecht erhalten zu können, steht die Erneuerung des Spielplatzes dringend an.

Die seit Jahren vorgenommenen Reparaturen halten nicht den fortschreitenden „natürlichen“ Verschleiß einzelner Geräte und Gerätegruppen auf. Ein erster, vom Umfang sehr kleiner Sanierungsabschnitt wurde 2004 realisiert. Dies wurde notwendig, da mit der Hängebrücke mit Rampe und Rutsche eine wichtige Spielgruppe entfernt werden musste. Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, dass mit einer Erneuerung der gesamten Anlage in den kommenden Jahren zu rechnen ist.

Durch Förderer und Stifter, wie etwa der Max, Erika & Erna Ullrich-Stiftung, der Veolia Stiftung, der Stadtwerke Görlitz AG, der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien eG, dem Kulturkombinat 15 Grad e.V. oder dem Bürofachhandel Schneider OHG, konnte im Jahr 2007 eine Sandbaustelle in Form einer Mühle hergestellt werden. Im Jahr 2008 wurde eine neue Schaukelkombination installiert, nachdem die vorhergehende wegen mangelnder Sicherheit abgebaut werden musste.

Durch die Förderung im EFRE-Fördergebiet kann nun eine neue komplette Spielidee realisiert werden. Auch die Kinder des benachbarten Hort Kinderhaus Tausendfuß haben in einem Malwettbewerb ihre Ideen für eine Neugestaltung zu Papier gebracht und dem Sachgebiet Stadtgrün zur Verfügung gestellt.

Grenzüberschreitender Einzugsradius

Der Einzugsradius für den Spielplatz im Stadtpark bezieht sich auf die historische Altstadt, die Innenstadt sowie die Neißevorstadt und die Stadtmitte von Zgorzelec. Insgesamt leben hier 2.950 Kinder im Alter bis 12 Jahre. Des Weiteren hat der Spielplatz für vier Kindertagesstätten in unmittelbarer Nähe eine hohe Anziehungskraft.

Die Spielidee

Es soll eine neue Spiellandschaft mit hoher Attraktivität für Kinder und Familien auf beiden Seiten der Neiße entstehen. Die Idee ist, einen durchgängig nutzbaren Spielkreislauf zu schaffen, in dem vielfältige Bewegungsmöglichkeiten integriert sind. Diese und die natürliche wilde Gestaltung der Geräte in der Verbindung mit der landschaftlichen Umgebung des Stadtparks machten den Wert der einstigen Spiellandschaft aus. Aufbauend auf dieser Erfahrung soll das Thema „Stadt und Land“ als Ausgangspunkt für die Gestaltung der neuen Spiellandschaft umgesetzt werden. Hinzu kommt jetzt ein direkter Bezug zur Stadt Görlitz hergestellt und die Möglichkeit, auf einer begrenzten Fläche eine hohe Dichte an Spielmöglichkeiten zu schaffen.

Im Gegensatz zum alten Spielplatz soll neben dem Bewegungsspiel das Rollenspiel stärker betont werden. Die ringförmig angelegte Anlage wird durch einen Fluss in zwei Hälften geteilt. Auf der einen Seite befindet sich die Stadt, die Bezüge zur historischen Altstadt aufweist, und auf der anderen Seite des Flusses das Land, die Flussaue.

Auf der ländlich gestalteten Seite der Spiellandschaft entstehen

- ein abenteuerlicher Wegabschnitt in Form einer Stemmbrücke. Hier wurde ein Bestandteil der alten Spiellandschaft übernommen
- ein Kletterwald
- ein Ochsenkarren
- eine Zollstation
- eine Mühle

Auf der Stadtseite sind folgende Spielgestaltungen vorgesehen:

- der Stadtturm
- das Gefängnis
- der Bäcker
- die Post
- das Rathaus.

Diese einzelnen klar erkennbaren Gebäude sind durch vielfältig strukturierte Gebäudesilhouetten miteinander verbunden. Wer genau hinschaut, erkennt bestimmt das eine oder andere Gebäude aus Görlitz wieder.

Alle geplanten einzelnen Spielangebote ergeben zusammen eine hohe Dichte an Spielmöglichkeiten. Daraus ergibt sich jedoch auch eine gewollte Unübersichtlichkeit der gesamten Anlage. So können nicht alle Möglichkeiten auf einen Blick überschaut werden und der Anreiz ist umso größer, auf Entdeckungstour zu gehen.

So wird gebaut

Die Spielgeräte werden ausschließlich aus splintfreiem Robinienkernholz in ihrer natürlichen Wuchsform sowie Lärchen- bzw. Eichenhölzern hergestellt. Die Geräte werden ergänzt mit Rutschen, Kletternetzen und Kletterwänden, Hängebrücken und Transportschienen.

Das Bachbett entsteht aus Granit-Naturstein mit Mörtelfugen. Im Bach integriert sind kleinere Hindernisbauwerke (Findlinge, Staustufen). Die Förderung des Wassers erfolgt über eine Schwengelpumpe, die wiederum an einer Druckwasserleitung angeschlossen ist. Die Entwässerung am Ende des Bachlaufes erfolgt über die Einbindung in das Regenwasser-Kanalsystem auf der Schützenstraße.

Gärtnerische Anlagen nach historischem Vorbild

Gemäß denkmalpflegerischer Zielstellung für den Stadtpark werden die räumlichen Bezüge im Abschnitt des Spielplatzes durch Korrekturen in der Baum- und Strauchschicht entsprechend dem historischen Vorbild wieder hergestellt. Entfernt werden zunächst Bäume mit eingeschränkter Vitalität und jene Bäume, die nun in der Gestaltung stören. Die heute fehlende Strauchschicht wird entsprechend der Gestaltungsidee von 1854 zumindest in Teilbereichen neu aufgebaut. Die Allee entlang des Schützenweges soll unter Berücksichtigung erhaltenswürdiger Einzelbäume und gestalterischer Abschnitte für den Bereich Spielplatz erneuert und ergänzt werden.

Der Spielplatz wird auch zukünftig große Rasenflächen zum Toben und Spielen bereithalten. Im Anschluss an den Spielplatzbau wird der komplette Rasen erneuert und wiederhergestellt.

Bauablauf - keine bespielbare Baustelle!


Geplanter Baubeginn ist am 1. März 2010. Aus naturschutzrechtlichen Gründen müssen jedoch sämtliche Gehölzbeseitigungen im Vorfeld erfolgen. Diese Arbeiten beginnen daher in der letzten Februarwoche. Der Spielplatz bleibt an diesen Tagen geschlossen.

Sobald die Witterungsbedingungen es zulassen, beginnen die Tiefbauarbeiten. Dazu muss der gesamte Spielplatz, einschließlich der vorhandenen Geräte gesperrt werden und darf von Kindern und Eltern nicht betreten werden. Die Bauzeit wird ca. acht Wochen in Anspruch nehmen. Die Stadtverwaltung bittet Eltern und Kinder um Verständnis, dass während der Sperrung die vorhandenen Spielangebote nicht genutzt werden können.

Die Übergabe des neuen Spielplatzes an die Kinder ist bereits für Anfang Mai 2010 geplant.

Heimische Unternehmen am Zug


Die Garten- und Landschaftsbaugestaltung übernimmt die Firma Garten- und Landschaftsbau Bohr aus Weißenberg. Die Fäll- und Rodungsarbeiten werden von der Firma Baumdienst Knorre aus Bautzen vorgenommen. Den komplexen Spielplatzbau führt die Künstlerische Holzgestaltung Bergmann aus Neißeaue durch. Für die Wasser- und Brunnentechnik erhielt die Görlitzer Gleis- und Tiefbau GmbH aus Görlitz den Zuschlag. Mit der Planung und Bauleitung ist das Ingenieurbüro IBOS GmbH aus Görlitz beauftragt.

Dank EU erschwinglich

Insgesamt 180.000 Euro betragen die Baukosten. Das Vorhaben wird zu 75 Prozent im Rahmen des EU-Förderverfahrens „Görlitz Stadtzentrum/Neißeufer“ gefördert. Im städtischen Haushalt stehen die erforderlichen Eigenmittel mit anteilig 25 Prozent zur Verfügung.


Kommentar

Eine Spielplatzidee, die gefällt.

Praktischerweise, so mein Vorschlag, sollte das Gefängnis gleich neben dem Rathaus platziert werden. Für unfähige Volksvertreter könnte die Spielanweisung lauten "Gehe direkt in das Gefängnis - aber nicht über den Bäcker!"

Wo kämen wir denn da hin,

schmunzelt Ihr Fritz R. Stänker

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  • Quelle: red | Fritz Rudolph Stänker | Foto: Stadtverwaltung Görlitz | Erstveröffentlichung am 24.02.2010 - 15:22 Uhr
  • Zuletzt geändert am 24.02.2010 - 10:26 Uhr
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