Landrat Lange zieht ernüchternde Flut-Bilanz

Landkreis Görlitz. Die bisher im Landkreis Görlitz erfassten Schäden durch die Augustflut 2010 belaufen sich auf runde 425 Millionen Euro. Das gab der Görlitzer Landrat Bernd Lange am 25. August 2010 auf einer Pressekonferenz bekannt. Allein der Schaden an Straßen, Brücken und Anlagen des öffentlichen Personennahverkehrs betrage 96 Millionen Euro. In den Unternehmen liege der Hochwasserschaden nach aktuellem Kenntnisstand bei 68,5 Millionen Euro. In der Gesamtsumme noch nicht enthalten sind die massiven Schäden an der Eisenbahnstrecke Zittau - Görlitz, die Schäden in der Hochschule sowie an den Staats- und Bundesstraßen.

Lange: „Wir können das bei diesem Umfang nicht allein leisten.“

„Bei der Schadensbeseitigung wird es nicht möglich sein, noch in diesem Jahr alles beheben zu können“, schätzte Landrat Lange nüchtern ein und fügte hinzu, dass man in manchen Fällen vorrübergehend mit Provisorien auskommen müsse. In der nächsten Zeit werde hierzu im Landratsamt Görlitz eine ständige Arbeitsgruppe für die Analyse und die Koordinierung eingerichtet. Dabei hofft Lange auf personelle Unterstützung durch den Freistaat. „Wir können das bei diesem Umfang nicht allein leisten“, stellte er fest.

Bahnstrecke schnell instand setzen

Lange forderte in diesem Zusammenhang die schnelle Instandsetzung der Bahnverbindung zwischen Zittau und Görlitz. Zittau sei, so Lange, ein Knotenpunkt für die grenzüberschreitende Verbindung in die Nachbarländer. Fix wird das allerdings nicht gehen, die Deutsche Bahn AG will erst einmal bis Ende August den Schaden an der Strecke, die auch über heute polnisches Gebiet führt, erfassen.

Kommunikation verbessern


Großen Nachholbedarf sieht auch der Görlitzer Landrat bei der grenzüberschreitenden Information in Katastrophenfällen. Der Dammbruch am Wittig-Stausee (Witka-Stausee) in Polen war viel zu spät auf der deutschen Seite bekannt geworden. „Es muss ein System geben, auf das alle drei Seiten zu jeder Zeit, egal ob es sich um Wasser oder Feuer handelt, zugreifen können“, so Langes Überlegung.

Mehr Pegel - bessere Alarmierung


Zudem müssten die automatischen Pegelmessplätze zwischen Görlitz und Forst um mindestens drei erhöht werden. Auch die stündliche Aktualisierung der Hochwasserstände im Internet sei unzureichend. Eine zentrale Frage sei zudem, wie künftig die Alarmierung der Bevölkerung bei drohenden Katastrophen ablaufen soll. Sirenen seien beispielweise nicht zu überhören, aber in einigen Orten nicht mehr vorhanden.

Soforthilfen für Härtefälle

Am späten Nachmittag des 26. August 2010 wird sich der Runde Tisch zur Verteilung der Soforthilfen für extreme Härtefälle der Flutkatastrophe zum ersten Mal treffen. Hier sollen klare Richtlinien zur Vergabe der Gelder festgelegt werden. Sie sollen so unbürokratisch wie möglich, aber auch jederzeit nachprüfbar sein.

In dem Gremium sind der Landkreis, die IHK-Geschäftsstellen in Görlitz und Zittau sowie die Handwerkskammern vertreten, die Sparkasse, zwei Bürgermeister des Landkreises Görlitz für den Sächsischen Städte- und Gemeindetag sowie das Deutsche Rote Kreuz und Wohlfahrtsverbände.

Insgesamt stehen 2,6 Millionen Euro bereit, davon sind 1,3 Millionen bereits an die Gemeinden geflossen. Zudem können nach Angaben des Landrats auch 42.000 Euro aus dem Spendekonto für Flutopfer des Landkreises genutzt werden. Am kommenden Mittwoch sollen am Runden Tisch die ersten Gelder an die schlimmsten Fälle fließen.


Kommentar:

Die US-Amerikaner haben ein millionenfach bewährtes Prinzip, das sich zum geflügelten Wort entwickelt hat: Das KISS-Prinzip. Das steht nicht für - in den prüden USA undenkbares - hemmungsloses Knutschen, sondern für: Keep It Simple and Stupid. Das könnte man (sehr) frei übersetzen mit: Halte es so einfach, dass auch Blöde klarkommen.

Genau so etwas - ohne jede Häme für die dort Beschäftigten - braucht der Landkreis, ein grenzüberschreitendes Alarmsystem, das unter allen Bedingungen sicher funktioniert.

Wollen wir mal weiterdenken: Da entfällt alles, was von netzgebundener Stromversorgung abhängt. Also konsequenter Weise auch Internet und Handy. Freilich kann man diese Kommunikationswege nutzen, so lange sie funktionieren und, das ist entscheidend, der Eingang der Informationen auch bestätigt wird, wie es beispielsweise bei einem schlichten Telefonat quasi automatisch geschieht. So lange eine Katastrophe im Anmarsch ist, sollte das doch klappen.

Wenn alles, was mit zentralem elektrischem Strom zu tun hat, ausfällt, bleiben nur zwei Wege: Der Bote oder das batteriegestützte Satelliten-Telefon. Oder Lichtzeichen über die Neiße mittels Notstromaggregat, wie auf hoher See - nein, das ist kein Spaß.

Als allererstes sollten in allen Orten, in denen sie durch hitech-hörige Eiferer abmontiert wurden, die Sirenen wieder installiert werden, mit Option zum Handbetrieb. Das kannte der Opa schon.

Egal, wie die informationen übertragen werden, sie müssen eindeutig ankommen. Bei Sirenen klappt das ziemlich gut, auf elektronischen Wege wird es unsicherer - aber: Warum werden dafür nicht Institutionen genutzt wie die Rettungsleitstellen, die eh besetzt sind - was man von Amtsstuben, wo pünktlich der Füllhalter fällt, freilich nicht erwarten kann.

Bessere Lösungen müssen her - but: Keep it simple and stupid!

Ihr alarmierter Fritz R. Stänker



Nachspiel - Wenn´s mal wieder schiefgeht


Anrufer: Cześć Bernd, Woda!
Bernd: Wodka?
Anrufer (glucksend): Wooodaaa!
Bernd: Nu aber, Wodka aber nicht vorm Feierabend... (legt auf).

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Kommentare Lesermeinungen (4)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Fluthilfe zu gering

Von Frank am 28.08.2010 - 21:14Uhr
Lieber Jens,

was der Herr Landrat jetzt abzieht, das soll er mal seinen Untergebenen vermitteln. Es wundert mich nur, dass die Fluthilfe vom Herrn MdB K. und dem Landrat L. hier nicht als viel zu hoch und unvermessen eingestuft wurde.

Leider bleibt den Betroffenen nur das Warten auf die nächste Wahl mit entsprechender Reaktion.

MfG Frank

Nachspiel

Von Ernst am 27.08.2010 - 18:55Uhr
Ob die Fluthilfe reichen wird, weiß ich nicht.

Aber das "Nachspiel - Wenn´s mal wieder schiefgeht" am Ende des Artikels trifft´s akkurat!

Alles ist sinnlos, wenn man nicht miteinander redet und nach Verständigung/Verständnis sucht.

Wenn der Familie Gefahr droht, ruft man doch auch gleich an, um sich zu vergewissern.

Wenn der Landrat, wie Jens schreibt, die Flutwelle in Hagenwerder mitbekommen haben sollte und sich nicht in Görlitz vergewissert hat, dann wäre das ein handfester Skandal.

Fluthilfe zu gering

Von Ko.bold am 27.08.2010 - 13:01Uhr
Herr Kretschmer denkt wahrscheinlich, es geht von seinem Gehalt ab . Wäre ja auch nicht im Sinne des Gehaltsempfängers, wenn da plötzlich anstatt 12.000 € nur noch 11.500 € überwiesen werden.

Wenn man die vom Freistaat zur Verfügung gestellte Summe durch die geschädigten Familien teilt, kommt man auf eine lächerliche Summe von pro Familie 432,- € . Naja klar, wo soll es auch herkommen, man muss schließlich die Griechen auch zu Ihrem Wohlstand zurück führen. Die armen Kerle hat´s doch mental schlimmer erwischt als unsere ehemaligen DDR-Bürger, denn die Griechen haben schon immer auf zu hohem Niveau gelebt . Wir aber, als DDR-Bürger, wussten mit Niveau noch nicht mal etwas anzufangen. Armes Deutschland.

Fluthilfe

Von Jens am 26.08.2010 - 13:13Uhr
Mehr Pegel, bessere Informationswege, schnelle Eisenbahnreperatur? Wo bleibt die Stimme des Landrates Lange zur Hilfe für die Flutopfer? Warum unterstützt er nicht den Görlitzer OB Paulick bei dessen Forderungen? Weil Herrn Lange das Leid der Menschen nicht interessiert oder etwa, weil Paulick nicht mehr in der CDU ist?

Ich denke, wegen letzterem, das ist leider die Masche der CDU: Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns! Der wird bestraft, mit Falschmeldungen, wie am vergangenen Freitag, mit Beleidigungen wie von Kretschmer oder Minister Kupfer, der die Forderung von Paulick nach schneller Soforthilfe als "unverschämt" bezeichnete oder mit ausgrenzen, indem man andere Themen für wichtig erklärt oder indem man die Unterstützer von Paulick unter Druck setzt bzw. mit besonderen Hilfen belohnt (besticht), damit sie sich abwenden.

Der Landrat hat offensichtlich den Blick für die Realität verloren, sonst würde er anders handeln. Warum war er eigentlich bis heute noch nicht beim OB und den Betroffenen in Görlitz? Oder warum hat er, der von der Flutwelle in Hagenwerder, auf dem Weg nach Zittau, fast betroffen wurde, nicht sofort den OB seiner Kreisstadt angerufen und darüber informiert? (Berichte im Niederschlesischen Kurier und in der Sächsischen Zeitung)

Viele Fragen, die auf eine Antwort warten. Wir werden aufpassen, dass diese Antworten auch gegeben werden!

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  • Quelle: red | Fritz Rudolph Stänker
  • Zuletzt geändert am 25.08.2010 - 21:30 Uhr
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