Hepatitis B und Todesfälle in Löbauer Pflegeheim
Löbau. In einem Löbauer Pflegeheim (Landkreis Görlitz) sind seit Juli 2011 wiederholt Erkrankungen mit Hepatitis B aufgetreten, es gab zwei Todesfälle. Zurzeit sind es fünf Erkrankte, die stationär im Klinikum "Oberlausitzer Bergland" behandelt werden. Wie Amtsarzt Dr. med. Christoph Ziesch mitteilt, bestünde in diesen Fällen aber keine akute Lebensgefahr.
Situation im November verschärft
Erstmals im Juli 2011 wurde das Gesundheitsamt des Landkreises Görlitz und dann noch einmal im September über jeweils eine Erkrankung informiert. Grundlage dafür ist das Infektionsschutzgesetz. Schon damals wurden durch das Gesundheitsamt Untersuchungen eingeleitet.
Die Situation verschärfte sich, als ein Labor in der zweiten Novemberwoche einen weiteren Krankheitsverdacht bestätigte. Nun leitete das Gesundheitsamt im Rahmen eines anzunehmenden Ausbruchgeschehens intensive diagnostische Maßnahmen ein. Alle Bewohner der Pflegeeinrichtung, das Pflegepersonal sowie Familienangehörige der Bewohner wurden einbezogen.
Bei bislang 150 durchgeführten Blutuntersuchungen wurden bei zwei Männern und sechs Frauen labordiagnostische und klinische Zeichen einer Hepatitis B nachgewiesen; bei acht der Heimbewohner wurden typische Laborwerte für eine überstandene Hepatitis B festgestellt.
Maßnahmen eingeleitet
Als Sofortmaßnahme wird den Bewohnern des Pflegeheims, den Familienangehörigen und Pflegekräften nach vorheriger Testung eine Grundimmunisierung oder eine Wiederholungsimpfung gegen Hepatitis B durch den Betriebsarzt, versorgende Hausärzte oder das Gesundheitsamt angeboten.
"Bei den Betroffenen mit einer akuten oder abgelaufenen Hepatitis ist eine weiterführende genetische Zusatzdiagnostik eingeleitet worden, um genauere Aussagen über mögliche Zusammenhänge und Ursachen der Krankheitshäufung zu erhalten. Selbstverständlich werden auch die Hygienestandards in der Einrichtung intensiv kontrolliert“, versicherte Dr. Ziesch. Das Gesundheitsamt will informieren, sobald abschließende Ergebnisse vorliegen.
Hepatitis B auch sexuell übertragbar
Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit der Leber, die chronisch verlaufen kann. Auf Basis der chronischen Leberentzündung können Leberzirrhose (Leberzersetzung) sowie ein Leberzellkarzinom (Leberkrebs) entstehen.
Die Therapie der chronischen Hepatitis B gilt als schwierig. Die vorbeugende Impfung ist die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung der Infektion und Verminderung der Virusträgerzahl.
Das Hepatitis-B-Virus kann bereits in kleinsten Mengen Blut über auch geringfügige Verletzungen der Haut oder Schleimhäute in den Körper gelangen. Es ist außerdem im Speichel, in der Tränenflüssigkeit und im Sperma enthalten.
In Deutschland wird das Virus am häufigsten sexuell übertragen. Auch unsaubere Spritzen bei Junkies und Hygienefehler im medizinischen Bereich spielen eine Rolle.
Insgesamt sind in Deutschland gemeldeten Hepatitis-B-Erkrankungen laut Robert-Koch-Institut in den letzten Jahren rückläufig - ein Erfolg der seit einigen Jahren durch die ständige Impfkommission empfohlenen Hepatitis-B-Impfung für Säuglinge, Kinder und Jugendliche sowie Risikogruppen.
Im Jahr 2010 gab es 1.843 Meldungen, das sind 0,9 Erkrankte auf 100 000 Einwohner. Es wird davon ausgegangen, dass auch in Deutschland etwas 300.000 bis 600.000 Personen irgendwann in ihrem Leben eine Hepatitis B durchgemacht haben. Weltweit ist die Erkrankung von ganz erheblicher epidemiologischer Bedeutung: Ungefähr ein Drittel der Weltbevölkerung hat eine Hepatitis B durchgemacht, fünf Prozent gelten als chronisch infiziert.
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- Zuletzt geändert am 23.11.2011 - 10:54 Uhr
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