Mauerbau und Mauerfall auf polnischer Grenze
Deschka | Penzig (Piensk). Pünktlich zu Mitternacht wurde entlang der sächsischen Außengrenzen der Wegfall der Grenzkontrollen gefeiert. An der Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die Deschka und Penzig verbindet, hatte die Kulturinsel Einsiedel die Regie übernommen.
Deutsch-polnische Einheit an der Neiße
Ausgediente Bierkästen mussten herhalten, um eine symbolische Mauer zwischen den sich vor Mitternacht versammelnden Polen und Deutschen zu errichten. Mit viel Trommelwirbel und Feuerwerk wurde das Bauwerk, das tatsächlich nicht für die Ewigkeit gebaut war, pünktlich um Mitternacht zu Fall gebracht.
Nach polnischer, deutscher und Europa- und Sto-lat-Hymne kamen die Bürgermeister der nur noch durch den Neißefluss getrennten Gemeinden zu Wort. Ewald Ernst verwies darauf, dass die Brücke bereits seit einem halben Jahr geöffnet sei und es bisher zu keinerlei Unregelmäßigkeiten kam. In einer emotionsgeladenen Rede bedankte sich sein polnischer Kollege Tadeusz Łowicki bei den Politikern, welche die Grenzöffnung ermöglicht hätten.
Während die Deutschen den Wegfall der Grenzen in Grunde positiv betrachten, ist die polnische Sichtweise mit Sicherheit komplexer: Nachdem Polen von der Landkarte getilgt war und nach dem ersten Weltkrieg wiedererstand, waren die Grenzen das Zeichen des polnischen Nationalstaates. Um so höher ist die Grenzöffnung zu bewerten, die in historisch kürzester Zeit erreicht wurde.
Łowicki erinnerte daran, dass es noch nicht lange her sei, dass man sich der Grenze nicht einmal nähern durfte.
Nach dem auch ein Warschauer Vertreter der EU-Kommission das Wort ergriffen und wieder abgegeben hatte, konnte sich endlich das Volk vereinigen. Und sofort waren sie wieder da und prallten aufeinander, die kulturellen Unterschiede: Während die Polen mit Schampanskoje aufwarteten, hatten die Kulturinsulaner bodenständige Bratwurst und Glühwein aufgefahren. Aber ein Problem war das nicht wirklich, ganz im Gegenteil. Schließlich war es kein Wunder, dass sich das Fest auf der deutschen Seite konzentrierte, denn bei minus sieben Grad auf der Neißebrücke waren warme Speisen das entscheidende Argument.
Solche Nächte müsste es viel öfter geben!
Während in Deschka und Penzig noch fleißig nachgeschenkt und Bratwurst aufgelegt wurde, hatte sich auf der Görlitz-Zgorzelecer Stadtbrücke schon längst gähnende Leere eingestellt - fast, als ob die offene innerstädtische Grenze schon immer die größte Selbstverständlichkeit sei. Die Chance zum Medienspektakel wurde in Deschka/Penzig jedenfalls besser genutzt.
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Lesermeinungen (2)Görlitz + Zgorzelec = Großstadtfeeling
Von hendrik am 11.01.2008 - 22:08Uhr
Aufgrund der freien Fahrt fühlt sich unsere Stadt nun doppelt so groß an! Mit fast 100.000 Einwohner wären wir offiziell dann Großstadt im Herzen Europas! WOW
Endlich weg mit der Grenze
Von Maik am 11.01.2008 - 20:53Uhr
Ja ich finde es toll wie schnell das alles Ging. Ich weiß noch wie das mit der EU-osterweiterung war. Und jetzt auch keine Grenzkontrollen mehr. Eine sehr schöne entwicklung, wie ich finde...
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- Quelle: /TEB
- Erstellt am 21.12.2007 - 02:10Uhr | Zuletzt geändert am 21.12.2007 - 02:48Uhr
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