Empörung über Waldrodung in der Brutzeit

Weißwasser / Běła Woda. „Mitten in der Brutzeit werden die Vögel aus ihren Nestern geholt“, empören sich die Kleingartenbesitzer an der Rothenburger Straße in Weißwasser, denn der Holzeinschlag im Wald zwischen Rothenburger Straße und Baumarkt am Stadtrand von Weißwasser sorgte für großen Unmut nicht nur unter den Naturliebhabern.

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Oberbürgermeisterkandidat fordert Konsequenzen

Am Wochenende besuchte Jens Greiner, unabhängiger Oberbürgermeister-Kandidat für Weißwasser, Gartenbesitzer der Gartensparte an der Rothenburger Straße und sah sich einem verheerenden Bild gegenüber. Dort, wo noch vor wenigen Tagen Vögel nisteten, Tiere durch dichtes Unterholz liefen und sich Menschen erholen konnten, ist jetzt nur mehr eine traurige Ansammlung vereinzelter Bäume und ein durch die Harvester-Erntemaschine zerstörter Waldboden übrig. Ein Zustand, der den gebürtigen Weißwasseraner Greiner traurig und auch zornig macht: „Es ist unerhört, dass der Wald während der Brutphase abgeholzt und damit die Nester zerstört wurden. Das hätte die Stadt verhindern müssen!“

Rodung erfolgte viel zu spät

Gleich nach seiner Rückkehr aus dem kurzen Familienurlaub setzte sich der Oberbürgermeisterkandidat mit der zuständigen Behörde, dem Staatsbetrieb Sachsenforst in Kontakt und konnte so den Kleingartenbesitzern am Sonnabend mitteilen, dass es sich bei dem Wald um einen sogenannten „Wirtschaftswald“ handelt. „Diese Wälder“, so Greiner, „sind dazu da, geerntet zu werden.“ Leider kam die ursprünglich beauftragte Firma ihrem Ernteauftrag im Februar und damit deutlich vor der Brutzeit nicht nach, so dass eine andere Firma einsprang und den Wald verspätet und mitten in der Brutzeit - entgegen allen naturschutzrechtlichen Bestimmungen - rodete.

Zu viele Bäume gefällt?

„Wie so oft in Weißwasser siegte einmal mehr der Kommerz über die Natur“, so Greiner weiter. Hätte die Stadt nach § 31 Absatz 2 des Sächsischen Waldgesetzes den Wirtschaftswald als Erholungswald deklariert, hätte man leicht einen Einschlag zur Brutzeit verhindern können. Nichts desto trotz ähnelt der Einschlag eher einem Kahlschlag.

Wie mitgeteilt wird sei deutlich sichtbar, dass entgegen den Behauptungen von Förster Scammell mehr als die Hälfte der Bäume gefällt wurden. „Den Anliegern und Kleingartenbesitzern wurde so erneut ein Stück Lebensqualität genommen. Der Wald wird viele Jahre benötigen, um den alten Stand wiederzuerlangen. Für die Zukunft darf und wird so etwas nicht mehr passieren, egal wo im Stadtgebiet. Dafür setze ich mich mit ganzer Kraft ein“, so Greiner.

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Kommentare Lesermeinungen (2)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Rodung um die Fichteteiche

Von Bärchen am 05.07.2010 - 21:41Uhr
Ich schließe mich dem vorherigen Beitrag an. Um die Fichteteiche sieht es teilweise aus wie nach einem Bombeneinschlag.

Andere müssen betteln, damit sie in ihrem Garten einen Baum fällen dürfen, und bis NACH Ende der Brutzeit warten, und der Herr von und zu kann einfach so daher kommen und die Brutzeit der Tiere stören und die Natur zerstören.

Waldeinschlag

Von Kurze am 30.06.2010 - 14:31Uhr
Es ist nicht nachzuvollziehen, dass das sächsische Waldgesetz privaten Besitzern, wie z.B. Freiherrn von Rotenhan, erlaubt, auch jetzt noch Holzeinschlag vorzunehmen und Waldwege und Natur dauerhaft zu zerstören.

Ich habe es bei einer Befahrung selbst erlebt, wie ein sogenannter Harvester Maiglöckchenwiesen niedergewalzt hat.

Wo bleiben da die sogenannten Grünen? CO2-Emissionen sind z. Zeit offensichtlich wahlkampftauglicher.

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  • Quelle: red
  • Erstellt am 01.06.2010 - 15:55Uhr | Zuletzt geändert am 01.06.2010 - 16:19Uhr
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