Insolvenz als Instrument der Unternehmensführung?

Insolvenz als Instrument der Unternehmensführung?Görlitz, 2. Januar 2017. Von Thomas Beier. Die Waggonbau Niesky GmbH (WBN) hat Ende Dezember Insolvenz angemeldet. Die Auftragsbücher seien auf die nächsten Jahre voll, wird berichtet, doch möglicherweise seien die Aufträge zu komplex. Der Eigentümer, eine international agiernde Investmentgesellschaft aus München, habe die Gewinne der Vorjahre aus dem Unternehmen gezogen, aber nicht investiert, berichtet unter anderem der MDR Sachsen. Alles Zufall?
Abbildung: Symbolfoto

Technische Kompetenz allein reicht nicht aus

Technische Kompetenz allein reicht nicht aus

Symbolfoto: Für den Güterverkehr benötigt die Bahn unterschiedlichste Typen von Waggons.

Die alte Arbeitswelt, in der gute Leistung belohnt wurde, scheint mit der Industriegesellschaft untergegangen zu sein, und der "ehrbare Kaufmann" gleich mit. Da kann froh sein, wer Geschäftspartner hat, bei denen der Handschlag noch gilt und denen am Herzen liegt, dass es nicht nur ihnen selbst, sondern auch ihren Kunden, Lieferanten und Kooperationspartnern gut geht – das ist nämlich die Voraussetzung für ein stabiles wirtschaftliches Umfeld.

Dieses stabile Umfeld wird für Unternehmen aber an vielen Stellen gestört. Beispiele, wie sie sich wohl in der gesamten Wirtschaft zeigen, sind

  • rein preisorientierte Auftragsvergaben,
  • Verschiebung des Lohngefüges durch den Mindestlohn,
  • überbordende Bürokratie und Rechtsvorschriften,
  • Dozenten, die ihre BWL-Studenten lehren, zwecks Liquiditätssicherung Zahlungsfristen grundsätzlich verstreichen zu lassen,
  • Unternehmen, die sich ganz bewusst mittels Insolvenz von Verpflichtungen befreien, um dann unbelastet wieder durchzustarten.

Was bei WBN konkret zur Insolvenz führte, ist mangels konkreter Information zur Stunde müßig zu diskutieren. Fakt aber ist, dass sich viele techniklastige Unternehmen sehr einseitig auf ihre technischen Kompetenzen stützen, um am Markt erfolgreich zu sein. Hohe technische Komeptenz ist zwar notwendig, aber nicht ausreichend. Wurde angesichts der vollen Auftragsbücher ausreichend in die Personal- und Organisationsentwicklung investiert? War der Betriebsalltag vom Benennen und Lösen von Problem bestimmt oder regierte Dienst nach Vorschrift? Wie motiviert ist das Viertel der 400-köpfigen Belegschaft gewesen, das als Leiharbeiter beschäftigt wurde?

Bleibt zu hoffen, dass das Insolvenzverfahren für die Nieskyer Waggonbau-Belegschaft glimpflicher ausgeht als die Insolvenz der Eisenbahnwerk Eberswalde GmbH, die kurz zuvor von der Quantum Capital Partners AG, München, übernommen worden war. Quantum Capital Partners ist seit 2014 Eigentümer der Waggonbau Niesky GmbH, die im Vorjahr ihr hundertjähriges Bestehen feierte.

Der Autor ist Inhaber der Beier Consulting, die sich auf Führungskräfte-, Organisations- und Strategieentwicklung spezialisiert hat, dabei jedoch auch in hohes Maß an Kompetenz aus Technik und Informatik einbringt.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto Puffer: ulleo / U. Leone, Foto Waggons: MichaelGaida / Michael Gaida, beide pixanay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 02.01.2018 - 19:57 Uhr
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