Bundestagswahl 2017 – der DAX im Spiegel der Politik

Bundestagswahl 2017 – der DAX im Spiegel der PolitikGörlitz, 6. September 2017. Seit Wochen verfolgt alle Welt gespannt den deutschen Wahlkampf. Die Görlitzer bilden in dieser Hinsicht beileibe keine Ausnahme, den wenigsten von ihnen dürfte indes bekannt sein, dass sich mit der Bundestagswahl Geld verdienen lässt. Wer mit dem Leitindex DAX Handel betreibt, erfreut sich oftmals übers Jahr ansehnlicher Renditen, teils sogar im zweistelligen Prozentbereich. Grund genug, einmal hinter die Kulissen zu blicken und den Auswirkungen von Wahlergebnissen auf den Finanzmarkt nachzuspüren.

Wie Trader an Bundestagswahlen verdienen können

Wie Trader an Bundestagswahlen verdienen  können

Der Ausgang der Bundestagswahl hat gewöhnlich Einfluss auf den DAX – und darauf kann man spekulieren.

Große politische Umwälzungen nicht in Sicht

61,5 Millionen Deutsche sind am 24. September 2017 aufgerufen, den 19. Bundestag zu wählen. Einschlägigen Umfragen zufolge wird sich dabei an den bisherigen Machtverhältnissen nicht viel ändern, weshalb alles andere als die Fortsetzung der bisherigen großen Koalition von CDU/CSU und SPD eine Überraschung wäre. In der aktuellsten, am 2. September 2017 veröffentlichten Emnid-Umfrage kämen Union und Sozialdemokraten auf insgesamt 62 Prozent der Stimmen, während für die Grünen acht Prozent, für die FDP acht Prozent, für die Linke neun Prozent und die AfD acht Prozent prognostiziert werden. Ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linken wäre unter diesen Umständen mithin ebenso auszuschließen wie eine schwarz-gelbe Regierung. Allenfalls wäre rein rechnerisch eine Jamaika-Koalition, bestehend aus Konservativen, Liberalen und Grünen, möglich, wiewohl die Chancen dafür vermutlich denkbar schlecht stehen.

Haben politische Börsen wirklich kurze Beine?

An sich ist es ein Leichtes, sich mit CFDs über den Finanzhandel online in den DAX einzukaufen und vom Wahlausgang zu profitieren. So genügt bei einem Broker wie IG eine Einlage in Höhe von 50 Euro, um bei einem Hebel von 1:200 einen DAX-Ein-Euro-Mini handeln und an jedem steigenden DAX-Punkt einen Euro verdienen zu können. Auch wenn der Einfluss von Wahlen auf den Finanzmarkt zeitlich beschränkt ist, kann sich dies, vor allem in Deutschland, durchaus lohnen. Wie die letzten 50 Jahre eindrücklich gezeigt haben, lässt sich aus dem Kanzler-Zyklus ordentlich Kapital schlagen.

Vereinfacht gesagt gingen mit der CDU auf der Regierungsbank regelmäßig deutliche, reale Kurssteigerungen einher, während Anlegern eine SPD-Regierung keine realen Vermögenszuwächse, sondern teils gar massive reale Vermögensverluste einbrachte. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass in der Amtszeit des CDU-Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger (1966 bis 1969) der DAX um 81,7 Prozent stieg, während er um 31,9 Prozent fiel, als der SPD-Politiker Willy Brandt von 1969 bis 1974 als Regierungschef das Zepter führte. Sein Nachfolger und Parteifreund Helmut Schmidt verhalf dem DAX hingegen wieder zu einem Plus von 23,9 Prozent, das sich gemessen an jenem von 788,5 Prozent des CDU-Bundeskanzlers Helmut Kohl allerdings überaus bescheiden ausnimmt. Kohl kam 1982 an die Macht, musste aber 1998 Gerhard Schröder weichen, der den DAX immerhin noch um 10,5 Prozent steigern konnte. Wirklich bergauf ging es mit dem deutschen Leitindex freilich erst wieder 2005. Die CDU-Politikerin Angela Merkel darf sich einer Indexsteigerung von 137,0 Prozent rühmen.

Reaktionen deutscher Trader auf politische Großereignisse

Ob Angela Merkel in Amt und Würden bleibt und in der kommenden Regierungsperiode in Bezug auf den DAX-Zuwachs zu Kohl aufschließt, wird die Zeit zeigen. Um die Loyalität der deutschen Trader müsste sich die CDU-Politikerin jedenfalls keine Sorgen machen: Die Börsenhändler des Landes haben nämlich in der Vergangenheit wiederholt bewiesen, dass weder Donald Trump noch eine chinesische Wirtschaftskrise, geschweige denn ein Brexit dem DAX was anhaben kann. Auch wenn Trump bei den deutschen Tradern höher im Kurs stand und um 24 Prozent mehr als die chinesische Wirtschaftskrise und um 93 Prozent mehr als der Brexit 2016 gehandelt wurde, vermochte der Dow Jones gegen die Beliebtheit des DAX nichts auszurichten.

Steht das Barometer dennoch auf Sturm?

Der DAX mag von seinem Allzeithoch im Juni 2017 durchaus weit entfernt sein und die 12.888,95-Punkte-Marke wohl so schnell nicht wieder erreichen, andererseits erscheint die Skepsis vielfach unbegründet. Ein deutlich überkaufter DAX muss zwangsläufig mit einer Konsolidierung reagieren. Solange sich der Kurs jedoch auf dem gegenwärtigen Niveau hält, stehen die Chancen gut, dass sich der DAX im Laufe des Jahres nach und nach wieder seinem Allzeithoch nähert.

Jenen, die die Bundestagswahl für Gewinne nutzen wollen, ist Pessimismus ohnehin fremd. Was Wunder, wenn bei den letzten 15 Bundestagswahlen mit zwei Transaktionen im Schnitt zehn Prozent Rendite drin waren. Die Strategie ist dabei rasch erklärt: Die Trader gehen einfach her und sind 75 Handelstage vor der Wahl sowie weitere fünf Tage nach der Wahl short, während sie die folgenden 80 Handelstage auf steigende Kurse setzen. Bedauerlich bloß, dass Bundestagswahlen nur alle vier Jahre stattfinden.

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  • Quelle: red | Bild mit Würfeln: blickpixel / Michael Schwarzenberger, Bild mit Mann: geralt / Gerd Altmann, beide pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 06.09.2017 - 13:30 Uhr
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