Schneeketten: weiterkommen und überleben in Schnee und Kälte

Schneeketten: weiterkommen und überleben in Schnee und KälteGörlitz, 19. Januar 2017. Die Winter der vergangenen Jahre verleiten so manchen Kraftfahrer, besonders in Gegenden mit mildem Klima, die Winterausrüstung seines Fahrzeuges nicht mehr ernst zu nehmen. Doch die Zeiten, als Trabant-Fahrer kurzerhand den Beifahrer oder die Beifahrerin auf die Motorhaube setzten, um bei schneeglatter Straße am Berg das Durchdrehen der Vorderräder zu vermeiden, sind definitiv vorbei. Der Görlitzer Anzeiger hat eine Auswahl an Tipps und Vorschriften zusammengestellt.
Abbildung oben: Dieses Verkehrszeichen gebietet, auf die Antriebsräder mehrspuriger Fahrzeuge Schneeketten aufzuziehen

Diese Winterausrüstung empfehlen erfahrene Kraftfahrer

 Diese Winterausrüstung empfehlen erfahrene Kraftfahrer

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal bei Schneeketten ist die einfache Montierbarkeit

Die brenzligen Situationen im Schnee drohen besonders in den Bergen sowie generell bei überraschendem, heftigem Schneefall. Wenn dann die Räder nicht mehr greifen, bleibt man im einfachsten Falle einfach stehen, was allerdings in der Kälte und in einsamen Gegenden lebensbedrohlich sein kann, wenn man nicht vorgesorgt hat. Gefährlich wird es auch, wenn das Fahrzeug ins Rutschen kommt: Die Landung im Straßengraben ist dann glimpflicher als ein Auffahrunfall oder vielleicht die Rutschpartie ein Abhang hinab.

Dass bei winterlichen Straßenbedingungen Winterräder ans Fahrzeug gehören, ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern ein Gebot der Vernunft. Doch bei schneebedeckter, glattgefahrener Fahrbahn oder wenn sich unter dem Neuschnee eine festgefahrene, glatteisähnliche Schicht gebildet hat, gelangen selbst die besten Winterreifen an Ihre Grenzen. Nun sind Schneeketten aus Metall, Kunststoff oder Textil, gegebenenfalls auch sogenannte Reifensocken gefragt. Ganz egal, für welche Variante man sich entscheidet – solch eine Traktionshilfe gehört inzwischen in jedes Auto, weil plötzliche Extremwetterlagen im Vormarsch sind.

Beim Schneekettenkauf beachten

Die Auswahl an Schneeketten und ähnlicher Traktionshilfen in allen denkbaren Varianten ist fast unübersichtlich groß. Wichtigster Punkt: Die Schneeketten müssen zur Reifengröße des Fahrzeugs passen. Die Reifenabmessungen findet man direkt am Reifen, beispielsweise steht die Aufschrift 195/55 R16 für 195 Millimeter Reifenbreite, die 55 für das Verhältnis von Reifenhöhe zu Reifenbreite in Prozent, das R für Radialreifen und die 16 für den Felgendurchmesser in Zoll. Für die Reifen passende Schneeketten findet man im Internet, wenn man diese Reifendaten eingibt.

Das zweitwichtigste Auswahlkriterium ist wohl die einfache Montierbarkeit. Die hängt von der Bauart der Schneekette ab. Die verbreiteten, preisgünstigen Seilringketten lassen sich im Stand montieren, bei Bügelketten und Schneeketten mit Flaschenzugverschluss muss das Fahrzeug während der Montage etwa eine viertel Radumdrehung gefahren werden. Schnellmontagesysteme werden an einem am Rad vormontierten Adapter befestigt.

Schneeketten werden immer an den Antriebsrädern angebracht, bei allradgetriebenen Fahrzeugen gibt die Betriebsanleitung Auskunft, ob vier Ketten notwendig sind. Sie sitzen richtig, wenn sie sich nicht mehr als einen Zentimeter von Rad abheben lassen. Spätestens nach 100 Kilometern muss der Sitz kontrolliert und die Ketten gegebenfalls nachgespannt werden. Tipp: Wer auch im Winter mit Alufelgen fährt, sollte auf dafür speziell geeignete Schneeketten achten.

Alternativen zur klassischen Schneekette sind


  • Kunststoff-Schneeketten, bei denen, vereinfacht gesagt, der Stahl der herkömmlichen Schneekette durch Kunststoff ersetzt wurde, was sie leichter und in ihrer Ausführung in Härte und Flexibilität variabler macht,

  • leicht zu montierende textile Schneeketten, die zudem Reifen und Fahrzeug schonen, das Fahrzeug besser lenkbar machen (ABS und ESP bleiben wirksam) und nicht so lärmintensiv sind,

  • sogenannte Schneesocken als Anfahrhilfe,

  • kurzzeitig wirkende Reifensprays, die gewöhnlich für wenige Kilometer die Traktion verbessern.

Schneeketten-Auswahl

Die beiden letztgenannten Varianten (Schneesocken und Sprays) sind an Berg- oder Gefällestrecken allerdings meist unzureichend wirksam. Wer häufiger Schneeketten montieren oder abnehmen muss, ist sicherlich mit einem Schnellmontagesystem gut beraten. Und wer die Ketten ständig am Fahrzeug belasssen muss, ist, wo ausreichend, mit der Textilvariante gut beraten.

Überlebenswichtige Tipps für die Autoreise durch Schnee und Kälte

Extreme winterliche Verhältnisse lauern nicht nur bei der Wintertour durch Skandinavien oder alpine Gebirge, auch in anderen Gegenden gilt: Bleibt man mit dem Fahrzeug wegen extremen Schneefalls liegen, brauchen auch Helfer gewöhnlich mehr Zeit, um durchzukommen – insofern überhaupt bekannt ist, dass sich jemand in einer Notsituation befindet; so liegt dem Görlitzer Anzeiger der Bericht einer Autofahrerin vor, die von der Polizei zum Verlassen der extrem verschneiten Autobahn aufgefordert wurde und dann in ihr unbekannter, einsamer gegend mit dem Auto steckenblieb.

Die Praxis zeigt, dass Menschen immer wieder zu Schaden kommen, weil sie sich auf die Technik ihres Fahrzeugs und, wenn diese versagt, auf Pannenhelfer verlassen. Weil im Fall eines Falles der Handyakku jedoch gern leer ist, gehören grundsätzlich ein Fahrzeugladekabel oder eine Powerbank in jedes Auto. Das garantiert jedoch nicht, dass ein Handynetz, in dem man einen Notruf absetzen kann, anliegt.

Deshalb gehören als Winterausstattung außerdem ins Auto:

  • Warme Sachen, gefütterte Arbeitshandschuhe und mindestens eine warme Decke. Decke und Handschuhe erleichtern die Montage der Schneeketten – bei Frost frieren die Finger sonst schnell ein, die Decke wird wertvoll, weil man sich zur Schneekettenmontage gewöhnlich in den Schnee knien muss.

  • Empfehlenswert sind zudem einmalig verwendbare Handwärmer auf Aktivkohle-Eisenoxid-Basis; die sind billig, wärmen mehrere Stunden lang und sollten deshalb ebenfalls im Auto deponiert werden.

  • Manche Abenteurer, die Wintertouren in einsamen Gegenden machen, haben grundsätzlich Schnaps als Notmittel gegen das Erfrieren dabei. Das bringt allerdings ein Risko mit sich: Wer zuviel trinkt und einschläft, kühlt bei niedrigen Temperaturen aus und erfriert. Dass man im Überlebensfall nicht weiterfahren darf, so lange noch Promille im Blut sind, versteht sich von selbst.

Paradoxer Weise erfrieren Menschen im Auto, obgleich sie alles dabei haben, um Feuer zu machen: Kraftstoff, einen Akku zum Zünden und Material zum Verbrennen. Im äußersten Notfall können die Fahrzeugverkleidung oder die Sitzpolsterung herausgerissen und mit Kraftstoff getränkt werden. Falls sich in der Nähe weiteres Brennmaterial wie Äste oder Büsche findet, gleich dazugeben. Bei Benzin gilt äußerste Vorsicht beim Entzünden: Ein Funke genügt und es verbrennt explosionsartig. Diesel oder das eigentlich zum Nachfüllen gedachte Motorenöl hingegen verbrennen langsam. Falls kein Feuerzeug dabei ist, kann mit zwei dickeren Drähten aus der Fahrzeugelektrik, die mit dem Fahrzeugakku verbunden werden, am durchtränkten Brennmaterial mit einem dünneren Draht, der dann aufglüht, ein Kurzschluss herbeigeführt werden. Bei solchen Aktionen, die im äußersten Notfall die Rettung sein können, gilt äußerste Vorsicht!

Vorbereitet sein spart Mühe und Aufregung

Da bleibt nur zu hoffen, dass man selbst nie in so eine Extremsituation gerät. Für den Fall jedoch, dass die Straßenverhältnisse oder das entsprechende Verkehrszeichen zum Aufziehen der Schneeketten zwingen, ist auf jeden Fall gut beraten, wer das zu Hause schon einmal geübt hat.

Gut zu wissen

Mit Schneeketten darf nicht schneller als 50 Stundenkilometer gefahren werden. Das Verkehrszeichen, das Schneeketten vorschreibt, gilt auch dann, wenn die Straße noch frei von Schnee und Eis ist. Es darf aber nur gezeigt werden, wenn Schneeketten tatsächlich erforderlich sind.

Wer die per Verkehrszeichen angeordnete Schneekettenpflicht missachtet, ist in Deutschland mit einem Bußgeld von 20 Euro dabei. Im europäischen Ausland wird es deutlich teurer, in Italien beispielsweise muss man mit mindestens 70 Euro rechnen.

Teilen Teilen
Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort
Weitere Artikel
 
  • Quelle: TEB | Grafik Verkehrszeichen: CopyrightFreePictures, Foto Schneekette an dunklem Auto: Silvia & Frank / pixel2013, Foto Schneekette an rotem Auto: Canislupus, alle pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 19.01.2018 - 11:33 Uhr
  • drucken Seite drucken