Blitzer in Ostsachsen

Blitzer in OstsachsenGörlitz, 19. April 2017. Die Polizeidirektion Görlitz und Kommunen in der Oberlausitz beteiligen sich am heute und morgen (bis 6 Uhr) stattfindenden "Blitz-Marathon". Von manchen als "Abzocke", "Wegelagerei" oder gar "Amts-Paparazzi" gescholten sind die beweisfähigen Geschwindigkeitsmessungen jedoch die einprägsamste Methode, an Tempolimits zu erinnern und Leute, die dafür überhaupt kein Verständnis aufbringen wollen, für eine Weile im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr zu ziehen.

Fahr ruhig und komm gut an!

Dass Geschwindigkeitsüberschreitungen fast schon zum Regelfall gehören, ist eines der Phänomene des deutschen Straßenverkehrs. Wohl in keinem anderen Bereich besteht so weitgehender Konsens, Regeln und Vorschriften nicht einhalten zu müssen. Wer die vorgeschriebenen Tempolimits einhält, fühlt sich schnell als Verkehrshindernis.

Dabei spricht vieles dafür, die runden Schilder mit dem roten Rand nicht nur als Geschwindigkeitsempfehlung, sondern als Limit zu akzeptieren:

  • Wer nicht rast, muss weniger beschleunigen. Weniger Beschleunigungsphasen und insgesamt etwas langsamere Geschwindigkeit sparen deutlich Sprit.
  • Wer weniger beschleunigt, muss nicht so viel bremsen, senkt also die Wartungsklosten.
  • Wer sich ans Limit hält, fährt stressärmer. Das ist reine Angewohnheit, einfach mal ausprobieren.
  • Nicht zuletzt: Wer nicht rast, senkt die Unfallgefahr für sich selbst und andere deutlich.

Der Zeitvorteil aus dem unzulässig schnelleren Fahren ist übrigens meist weit geringer als gefühlt: Wer beipielsweise in Tempo-70-Bereichen, die sich bei einer Fahrt auf angenommen zehn Kilometer summieren, ständig mit 85 Stundenkilometern unterwegs ist, spart gerade mal eine reichliche anderhalbe Minute.

Vernunft ist Mangelware

Leider scheint Vernunft das Handeln vieler Kraftfahrer nicht zu bestimmen, wie die Polizeistatistik zeigt. Allein in den Landkreisen Bautzen und Görlitz haben die Polizei und die örtlichen Kommunen bei Geschwindigkeitskontrollen im vergangenen Jahr rund 194.000 Überschreitungen festgestellt.

Acht der 2016 in der Oberlausitz im Straßenverkehr verstorbenen Menschen könnten heute vermutlich noch leben, wenn zu schnelles Fahren nicht im Spiel gewesen wäre. In den Revierbereichen Kamenz, Weißwasser und Zittau-Oberland liegt der Anteil der Unfälle, die auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen waren, deutlich über dem Durchschnitt. Insgesamt ist überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit ist nach wie vor Unfallursache Nummer Eins.

Hier wird geblitzt

Diese alarmierenden Eckdaten sind für die Ordnungsbehörden in der Oberlausitz Grund genug, sich am "Blitz-Marathon" zu beteiligen. Dabei treten die Beamten "mit offenem Visier" an, denn die Polizeidirektion Görlitz hat einige der geplanten, jedoch nicht rund um die Uhr besetzten Kontrollstellen genannt, beispielsweise:
  • Autobahn A4, Unfallschwerpunkt Burkauer Berg zwischen Bautzen und Dresden
  • Bautzen, Schulweg an der Dr.-Salvador-Allende-Straße
  • Görlitz, Kastanienallee
  • Hoyerswerda, Maria-Grollmuß-Straße
  • Kamenz, Bischofswerdaer Straße
  • Weißwasser/O.L., Schulweg an der Lutherstraße
  • Zittau, Südstraße
  • Löbau, Laubaner Straße
  • Bernsdorf, Bundesstraße B97
  • Neißeaue Ortsteil Zodel, auf der Dorfstraße vor dem Kindergarten

Darüber hinaus wird es auch an anderen Orten Geschwindigkeitskontrollen geben, denn nur so kann die Polizei ergründen, ob sich die Kraftfahrer in der Oberlausitz nur auf die angekündigten Kontrollstellen einstellen oder allgemein auf ihr Tempo achten. Insgesamt haben die Polizeidirektion Görlitz und die Städte Görlitz, Löbau, Hoyerswerda sowie die Landkreise Bautzen und Görlitz Geschwindigkeitskontrollen an über 50 verschiedenen Orten geplant.

Wer "Raser" ermahnt, sollte jedoch auch die "Schleicher" mit einem Hinweis bedenken: Wer auf freier Strecke ohne ersichtlichen Grund deutlich oder auch nur ein wenig langsamer als erlaubt fährt, provoziert gefährliche Überholmanöver. Insgesamt ist im Straßenverkehr aber mehr Toleranz gefragt, denn auch ältere oder noch unsichere Kraftfahrer sind unterwegs – voll verkehrstüchtig, aber eben manchmal noch vorsichtiger als der Durchschnittskraftfahrer. Keine Toleranz oder gesellschaftliche Akzeptanz gilt jedoch für Leute, die meinen, die Straßenverkehrsordnung sei für sie nicht relevant. Gut ankommen, das will doch jeder.

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  • Zuletzt geändert am 19.04.2017 - 06:44 Uhr
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