Programm zum Rudolstadt-Festival 2018

Programm zum Rudolstadt-Festival 2018Rudolstadt, 10. April 2018. Für alle, die mal aus der Normalität des Alltags ausbrechen wollen, um endlich mal normal (oder, je nach Sichtweise, verrückt) zu sein, gibt es im Grunde nur zwei Pflichttermine: das Rudolstadt-Festival vom 5. bis zum 8. Juli 2018 und das 25. FOLKLORUM – Festival der Turisedischen Festspiele. Nein, auswählen kann man nicht, man muss beide Folk Festivals besuchen, zu unterschiedlich ist ihr Charakter: Vielleicht ist es ja so, dass sich das bunte thüringische Rudolstadt tatsächlich sehr stark auf Musik und Tanz konzentriert, während die Geheime Welt von Turisede mit ihrer Kulturinsel Einsiedel, den Neißewiesen und dem polnischen Erlebnisdorf die Sache – vor allem mit den Turisedischen Festspielen – noch etwas verrückter angeht.

Rudolstadt setzt Länderschwerpunkt Estland / Simone Dake im Leitungsteam

Rudolstadt setzt Länderschwerpunkt Estland / Simone Dake im Leitungsteam

Konzertpause auf der Heidecksburg zu Rudolstadt

Thema: Woanders

Woanders

"Woanders" - das ist das Stichwort, wenn der Görlitzer Anzeiger auf Reisen geht und von Erlebnissen und Begegnungen "im Lande anderswo" berichtet. Vorbildliches, Beispielhaftes und Beeindruckendes erhält so auch im Regional Magazin seine Bühne.

Rund 130 Bands und Solokünstler von allen Kontinenten haben sich für Deutschlands größtes Festival für Roots, Folk und Weltmusik in Rudolstadt angesagt. Darunter sind Graham Nash, Fatoumata Diawara, Oddisee, Steve Earle & The Dukes, Gisbert zu Knyphausen, Chico Trujillo, Yael Deckelbaum und Llibre Vermell. Schwerpunktland ist Estland, das sich in überraschenden Facetten zeigt.

Auftakt

Zum Festivalauftakt am 5. Juli 2018 setzt die israelische Sängerin und Aktivistin Yael Deckelbaum mit ihrem Konzert ein politisches Statement. Ihr Bandprojekt Yael Deckelbaum & The Mothers geht auf einen gemeinsamen zweiwöchigen Friedensmarsch israelischer und palästinensischer Frauen zurück und auf den Song, den Yael dafür geschrieben hat. Das Video dazu wurde millionenfach geklickt. Nun tragen Yael Deckelbaum & The Mothers ihr Anliegen in Konzerten und weiteren Friedensmärschen rund um die Welt.

Im Programm: 300 Auftritte

Dem Eröffnungskonzert folgen rund 300 Auftritte mit Künstlern aus allen Winkeln der Erde. Von experimentell bis traditionell – das Rudolstadt-Festival spiegelt auf mehr als 20 Bühnen den musikalischen Reichtum der unterschiedlichsten Kulturen wider. Das vollständige Programm des Rudolstadt-Festivals 2018 ist jetzt online.

Aus Mali kommt zum Beispiel Fatoumata Diawara. Die Musikerin und Schauspielerin ist von besonderer Strahlkraft für den ganzen afrikanischen Kontinent. Sie begeistert mit einem groovigen Sound, der Elemente aus Folk und Funk, Jazz und Pop/Rock aufgreift und die westafrikanische Wassoulou-Tradition elegant aufbricht. Eines von nur drei Deutschland-Konzerten geben in Rudolstadt zwei Künstler, die längst Musikgeschichte geschrieben haben: Die britische Singer/Songwriter-Ikone Graham Nash und US-Countryrock-Legende Steve Earle & The Dukes. Als brillante Ausnahmeerscheinung im Hip-Hop gilt Oddisee. Seine sudanesisch-afroamerikanische Herkunft hat den Rapper und Sänger aus Washington DC mit geformt. Sein Stil ist klug und kritisch, jenseits großspuriger Attitüde.

Eine der herausragenden großen Produktionen ist in diesem Jahr "Llibre Vermell de Montserrat". Diese Lieder und Tänze der Pilger aus dem Kloster bei Barcelona gehören zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Musik. Das Festival bringt dieses besondere Konzert mit Chor und Tänzern auf die Heidecksburg in Rudolstadt.

Für die ungeheuer vielschichtige Szene in Deutschland steht unter anderen Cymin Samawatie. Mit höchst kreativen und feinsinnigen Brückenschlägen zwischen westlichen und persischen Klängen, zwischen Ethno-Jazz und Neuer Musik bereichert sie das Konzertgeschehen. Sie wird beim Rudolstadt-Festival ebenso mit dem Deutschen Weltmusikpreis RUTH geehrt wie Gisbert zu Knyphausen, der die Jury mit seinen tiefgründigen, originellen Songminiaturen überzeugt hat.

Abschlusskonzert

Für das Abschlusskonzert des Rudolstadt-Festivals am 8. Juli 2018 haben die Organisatoren Chico Trujillo eingeladen, eine "world-class party band" (New York Times). Sie zählt mit ihrem kraftvollen Bläsersatz zu den größten Nummern in Chile.

Länderschwerpunkt Estland

Besonders im Fokus steht während der vier Festivaltage diesmal Estland. Der nördlichste baltische Staat feiert 100 Jahre Unabhängigkeit und präsentiert sich mit neun Bands und Solokünstlern in schillernden Facetten. Das gefeierte und mit Preisen überhäufte Folk-Quartett Curly Strings konzertiert dabei gemeinsam mit den Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt für ein einmaliges Orchesterprojekt.

In unterschiedlichen Grenzbereichen bewegt sich auch Maarja Nuut. Mit Stimme, Geige und Loop-Station verbindet sie die Klänge der Dörfer mit elektronischer Ästhetik. Dafür wurde sie 2017 in Estland zur Künstlerin des Jahres gewählt. Zu den bekanntesten Stimmen gehört dort auch Mari Kalkun. Aus Tallinn stammt das etwa 30-köpfige Tanzensemble Kuljus, die tief verwurzelte Chortradition kommt auf die Bühne, die Bombillaz steuern einen forschen Roots-Reggae-Bhangra-Mix bei.

Ruhestand für Festivaldirektor Ulrich Doberenz.

Die 28. Festival-Ausgabe ist mit einem Wechsel an der Spitze verbunden, denn Ulrich Doberenz verabschiedet sich als langjähriger Direktor. Seit er das Festival vor knapp 30 Jahren auf den Weg gebracht hat, war es ihm ein Herzensprojekt, von den kleinen Anfängen bis zum heutigen internationalen Renommee hat Doberenz das Festival in der Doppelspitze mit Petra Rottschalk und einem sehr beständigen Team stetig weiter entwickelt und durch viele erfolgreiche Jahre getragen. Natürlich falle es ihm nicht leicht, diese Aufgabe abzugeben, so Ulrich Doberenz: "Aber die zurückliegende Zeit war unglaublich reich an wertvollen Begegnungen und die bleiben mir als großartiger Schatz. Darum kann ich inzwischen auch loslassen." Ganz verzichten möchte das Festival-Team nach so langer, intensiver Zusammenarbeit natürlich nicht auf ihn, darum wird er auch im Ruhestand dem Festival verbunden bleiben, unter anderem als Sprecher des Deutschen Weltmusikpreises RUTH.

Seine Nachfolgerin wird ab September 2018 Simone Dake, die aktuell Leiterin des Festival- und des Künstlerbüros ist. Schon seit dem zweiten Festival 1992 gehört sie zum Organisationsteam und ist mit den unterschiedlichsten Bereichen bestens vertraut, von Personalmanagement über Catering bis zum Fahrdienst. Darum hat sich das Festival-Team für diese Position ausdrücklich Simone Dake gewünscht, um in gemeinsamer Leitungsfunktion mit Petra Rottschalk und mit Programmdirektor Bernhard
Hanneken die Idee des Rudolstadt-Festivals weiterzutragen.

Mehr erfahren im Görlitzer Anzeiger!

24.01.2018: Weltmusikpreis RUTH 2018 an Cymin Samawatie vergeben
10.07.2017: Rudolstadt-Festival 2017: Fazit
07.07.2015: Eine Stadt in Weltmusik

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  • Zuletzt geändert am 10.04.2018 - 14:50 Uhr
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