Hospitalstraße Görlitz: Slammen, bis der Arzt singt

Hospitalstraße Görlitz: Slammen, bis der Arzt singtGörlitz, 6. November 2017. Als ob Ortslage und Name der Görlitzer Lesebühne "Hospitalstraße" nicht genug für sich sprechen würden, kommt nun noch ein singender Kinderarzt hinzu. Doch zu Hochglanz verhilft der Veranstaltung eine Prise Blütenstaub, verabreicht von weiblicher Intelligenz in schönster Form.
Abbildung: Keine verstaubte Blüte, sondern Josephine von Blueten Staub.

Frische Texte, Blütenstaub und Altmann 44

Frische Texte, Blütenstaub und Altmann 44

Bruno Kolterer sagt es mit Gesang.

Thema: Lesebühnen

Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

Wobei Blütenstaub nicht korrekt ist: Josephine von Blueten Staub schreibt sich die aktuelle Leipziger Stadtmeisterin im Poetry Slam korrekt. Das hatte der Görlitzer Anzeiger noch nicht rekognosziert, als er sich seinen subjektiv-subversiv gefärbten Bericht vom "dead or alive"-Slam in Zittau aus der Feder quetschte. Im Zusammenhang mit der unbedingt lesenswerten ersten Anthologie weiblichen Poetry Slams "Lautstärke ist weiblich" (Pflichtliteratur für männliche Gleichstellungsbeauftragte) wird allerdings auch die Schreibweise "von Blüten Staub" kolportiert.

Wie dem auch sei (nomen est omen): Die an Tiefgang und Klarheit ihrer Worte schwerlich zu übertreffende Josephine von Bl. St. kommt zur nächsten "Hospitalstraße" in die Hospitalstraße und wird für Kontrast zur Männerhorde sorgen. Nicht allein ihre Herkunft aus der Heldenstadt Leipzig gibt diesem Hospitalstraßenabend einen Schuss Internationalität, sondern auch ihre Auftrittserfahrungen in Kalifornien, in der Schweiz und in Österreich.

Mit dabei sind selbstredend auch die Herren der Bühne Axel Krüger und Mike Altmann. Obgleich Routiniers des Slamwesens entäußern sie doch immer und wieder erfrischende Texte, die sich aus abgeklärter Weltsicht, scharfsinniger Analyse, Oberlausitzer Lokalpatriotismus und durchaus auch hemdsärmlig-kultivierter Rüpelhaftigkeit speisen. Wem dabei etwas fehlt, der darf gern "heiter und besinnlich" und "für jeden etwas dabei" hinzufügen, was dem herausragenden Format der beiden Leser-Textschreiber jedoch nicht gerecht würde.

Alles für die Schönheit!

Ein Höhepunkt ist zu vermelden! Den hatte Mike Altmann in Form seines 44. Geburtstages. Na, Sie wissen schon, 44, und dann auch noch Schnapszahl. Um so schöner und begrüßenswerter ist es, dass der wahre Altmeister die Hospitalstraßengäste in großzügiger Geste an seiner Feierlaune teilhaben lässt und das Publikum mit polnischen Nassspezialitäten versorgt. Positiver Nebeneffekt: Es kann sich die Auftritte von Altmann und Krüger schönsaufen. Das ist etwas anderes als das der offiziellen Veranstaltungsankündigung zu entnehmende "schön trinken" - nein, wer den Realitäten in die Augen blicken will, muss ganz einfach auf Menge setzen.
Übrigens: Wer glaubt, wegen der neueren deutschen Rechtschreibung müsse mehr auseinander geschrieben werden, dem entgeht etwas: Während "schön trinken" einen weitgehend harmlosen Zeitvertreib beschreibt, ist mit "schöntrinken" ein klares Ziel verbunden, für das der Schöntrinker respektive die Schöntrinkerin so einiges in Kauf nimmt.

Die wässerchengestützte Arbeit an der Schönheit sollte jedoch nicht zum Mitsingen verleiten, wenn Bruno Kolterer, der singende Kinderarzt aus Dresden, seine eingängigen Melodien und lustig-hintersinnigen Texte darbietet. Immerhin hat er damit im Jahr 2014 den Titel des sächsischen Song-Slam-Meisters eingeheimst. Einige nennen Rainald Grebe auch den Bruno Kolter Kölns.

Prädikat: Unbedingt Hingehen!
Sonnabend, 18. November 2017, 19.30 Uhr,
APOLLO-Theater, Hospitalstraße 2, 02826 Görlitz.

Weshalb der Kartenvorverkauf genutzt werden sollte
Dafür sprechen zwei gute Gründe: Erstens kann das Geld nicht mehr für andere Dummheiten ausgegeben werden, zweitens erhält der 44er Altmann eine Planungsgrundlage für seine Importe aus Polen. Deshalb ergeht der eindringliche Aufruf, die Tickets zum sozialen Einheitspreis von zwölf Euro im Vorverkauf direkt an der Theaterkasse oder online zu erwerben. Eventuelle Restkarten werden an der Abendkasse in der Reihenfolge der Nachfrage vergeben.

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  • Quelle: red | Foto Josephine von Blueten Staub: PR, Foto Bruno Kolter: Anja Pankotsch
  • Zuletzt geändert am 06.11.2017 - 08:04 Uhr
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