Filmstadt Görlitz: MDR berichtet aus Görliwood

Filmstadt Görlitz: MDR berichtet aus GörliwoodGörlitz, 4. März 2013. Fast scheint es Alltag in Görlitz: Großraumlimousinen mit abgedunkelten Fenstern flitzen durch die Stadt, Gebäude verwandeln sich in spektakuläre Drehorte, Stars und Crew bevölkern Kneipen und Bars. Die sächsische Filmstadt hat sich freudig hergegeben für Produktionen wie "Inglourious Basterds", "In 80 Tagen um die Welt" oder "Der Vorleser", aktuell für "The Grand Budapest Hotel". Am 5. März 2013 berichtet das MDR-Fernsehen darüber, was die Stadt und ihre Bewohner davon haben.

Wie die Görlitzer Gewerbetreibenden ihr Geschäft mit dem Film machen

Wie die Görlitzer Gewerbetreibenden ihr Geschäft mit dem Film machen

Fassadenschwindel: Kurzerhand wurde die ehrwürdige Stadthalle Görlitz
zum "Grand Budapest Hotel". Doch schon am 1. März kam das Interieur
wieder auf den Lkw (Bild ganz oben).

Thema: Filmstadt Görlitz

Filmstadt Görlitz

Görlitz ist Filmstadt. Neben authentischen Kulissen finden sich hier eine auf Filmproduktionen eingespielte Verwaltung und nicht zuletzt erfahrene Komparsen.

Was hat dieses ostsächsische Görlitz, was andere nicht haben? Neben dem schier endlosen Reservoir an Locations, geübten Komparsen und einer mit den Anforderungen der Filmproduktion routiniert umgehenden Stadtverwaltung auch Gewerbetreibende, die sich auf ihr ganz persönliches "Filmgeschäft" eingestellt haben.

Genau das nimmt der Beitrag in der "Umschau" des MDR in seinen Fokus.

Angucken!
Dienstag, 5. März 2013, 20.15 Uhr,
MDR-Fernsehen, "Umschau"

Teilen Teilen
Kommentare Lesermeinungen (14)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Bald ist alles vergessen

Von Hermann Schwiebert am 06.05.2013 - 09:01Uhr
Wen interessiert es heute noch, ob Görlitz in Sachsen liegt oder in Schlesien oder in der Lausitz. Nur noch die überlebenden Vertriebenen. Der heutigen Jugend ist es wurscht, und das ist auch gut so. Die Zeiten wandeln sich, die Territorien auch. Schlesien gehörte auch schon mal zu Österreich, dann zu Preußen und nun eben zu Polen.

Wer hier versucht, dass Rad der Zeit zurückzudrehen, der begibt sich in eine Sackgasse. Auch die Israelis sprechen vom Land Gottes - das sie aber vorher durch einen Krieg einem anderen Volk geraubt haben. Heute schlagen dort Raketen ein.

Nehmen wir mal die Stadt Wilhelmshaven, Sie gehörte Wilhelm Zwo. Der hat vom Königreich Hannover Land gekauft, um einen Marinestürzpunkt für seine expandierende Kriegsmarine zu bauen. Finanziert wurde das alles durch die damals neu eingeführte Sektsteuer (sehr sozial gedacht, arme Leute tranken keinen Sekt). Den Kaiser gibt es nicht mehr, das Königshaus Hannover auch nicht. Aber es gibt noch Ostfriesland, das liegt in Niedersachsen. Wilhelmshaven liegt auch in Ostfriesland, gehört aber nicht dazu, weil es eben Wilhelm Zwo gehörte. Aber Wilhelmshaven gehört zu Niedersachsen. Und die Jugend heute weiß, dass sie Niedersachsen sind. In erster Linie sind wir aber alle Deutsche.

Also Ihr Streithähne, denkt mal darüber nach, dass es mit Schlesien keine Wiedervereinigung gegeben hätte. Denn Schlesien ist heute polnisch. Oder doch nicht? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass Görlitz (heute) eine deutsche Stadt ist. Darum fühle ich Wessi mich Görlitz auch so verbunden. Denn wir sind eines gemeinsam: Deutsche.

Ich grüße Euch Schlesier, Oberlausitzer, Sachsen, Görlitzer und Deutsche ganz herzlich aus Niedersachsen, das ja mal aus verschieden Königreichen und Fürstentümern bestand. Niedersachsen wurde von den Engländern zusammengezimmert. Ist ja was Gutes bei rausgekommen. Laßt uns also nach vorne schauen.

Ich bin ein Oberlausitzer

Von Günter Heppner am 04.05.2013 - 17:44Uhr
Viele Schlesier bekunden: Ich bin Schlesier und möchte nie ein Sachse sein.

Was bin ich? Ich bin aus dem Reichenauer Eck, also ein echter Sachse (Oberlausitzer). Uns hat man vergessen.

Reichenau gehörte bis 1945 zur Amtshauptmannschaft Zittau. Darüber wird überhaupt nicht mehr gesprochen.

Auch wir sind wie Hunde aus unserer Heimat vertrieben. Schlimm!

Görlitz meine Heimat

Von Renate Bernard (Schwarzer) am 24.04.2013 - 21:38Uhr
Ich bin 1954 in den Westen übergesiedelt. In all den Jahren habe ich mich als Görlitzerin, Niederschlesierin gefühlt.

Erst wenn du in der Fremde bist,weißt du, wie schön die Heimat ist.

Ostsächsisches Görlitz

Von J. Schubert am 13.03.2013 - 22:33Uhr
Interessant, was hier so alles geäußert wird, wenn ich schreibe, dass es richtig in den Augen weh tut, wenn von Görlitz als einer ostsächsischen Stadt geschrieben wird.

Dabei liegt Görlitz heute nach der Verfassung des Freistaats Sachsen in Niederschlesien - wo es früher mal hingehörte, war mir bei dieser Äußerung erst mal völlig egal gewesen.

Als was man sich so fühlt

Von görzelec am 09.03.2013 - 10:50Uhr
Herr/Frau Kuhn, Sie können sich fühlen, als was Sie wollen. Identität ist subjektiv und Privatsache. Von mir aus können Sie auch weiß-gelb flaggen, mit dem NOL-Kennzeichen durch die Gegend fahren usw. Ich würde mich selbst auch nur im absoluten Notfall als Sachsen bezeichnen. Und mir ist auch klar, dass sich seit 1945 in Görlitz mit den vielen ehemaligen Schlesiern und ihren Nachfahren identitär etwas verschoben hat.

Wo ich meine Probleme habe, ist, wenn man es als historisch unhinterfragbaren Fakt darstellt, dass Görlitz eine niederschlesische Stadt ist. Das lässt sich so kaum halten. Und auch wenn Sie mir da sofort widersprechen werden: das gilt auch für das einstige Dorf Ihrer Eltern. Nieder und Ober Schönbrunn war ein ganz typisches oberlausitzisches Rittergutsdorf (wie zum Beispiel auch Königshain), das noch bis 1941 unter die landständisch von Schlesien getrennte Verwaltung fiel, die in Görlitz an der Promenade im heutigen Pflegeheim ihren Sitz hatte (mit Wappen der Oberlausitz an der Fassade). Der oberlausitzische Adel war auch im nach 1815 preußisch gewordenen Teil nicht plötzlich über Nacht schlesisch geworden. Gerade auf den Dörfern wussten das die Leute bis 1945 noch sehr genau. Es gibt ein Zitat von Johannes Wüsten, dass das noch Anfang der 1930er Jahre schön wiedergibt:

"In der Oberlausitz ist der schlesische Einschlag schon recht spürbar und der Dialekt entsprechend hanebüchen. [...] Mit Görlitz selbst haben die verschiedenen Friedenskongresse die verschiendensten Blödheiten angestellt, es hat so ziemlich allen umliegenden Regentschaften angehört, hauptsächlich Böhmen und Sachsen. Seit 1815 gehört die Stadt zu Schlesien, zu dem sie bestimmt nicht gehört. Schlesien ist ganz was anderes als die Oberlausitz. Breslau zum Beispiel ist schlesisch. Görlitz unter gar keinen Umständen! Aber die Regierung hat das noch nicht gemerkt, und die Oberlausitzer haben noch keine eigene Partei gegründet, was übrigens den Krieg gegen Schlesien bedeuten würde. Einstweilen sind wir hier so ein Übergang, und wer die sächsische und die schlesische Sprache beherrscht, tut wohl daran, er kann sich vollauf verständigen."

Wie gesagt, ich weiß, dass sich heute in Görlitz identitär kaum noch Leute in diese Zeit zurückdenken können, obwohl sie gerade mal ein Menschenalter zurückliegt. Trotzdem macht das Görlitz für einen Historiker nicht zu einer niederschlesischen Stadt wie Liegnitz.

Jacob Böhme kam aus der Gegend Ihrer Eltern. Der wäre ziemlich verwundert, wenn Sie ihn als Schlesier titulieren würden.

Als Görlitzer noch nie als Sachse gefühlt

Von M. Kühn am 08.03.2013 - 21:55Uhr
Ich als gebürtiger Görlitzer, habe mich noch nie als Sachse gefühlt.

War schon immer Schlesier. Meine Eltern wurden 1945 aus ihrem Dorf Schönbrunn( 8km zu Görlitz) vertrieben.

Erst mit der DDR Gründung wurde das Wort Schlesien durch die SED verboten und Görlitz in Sachsen zwangseingemeindet. Wer Schlesien erwähnte, war revanchistisch und wurde verfolgt von der Stasi.

Ich hoffe nur ,die jüngeren Kommentatoren beschäftigen sich einmal mit der Geschichte von 1945 bis 1950.

Herzliche Grüße vom Görlitzer Schlesier

M. Kühn

Schlesien ist Schlesien

Von Jens Jäschke am 08.03.2013 - 21:17Uhr
Schlesien ist Schlesien und wer es nicht verifizieren will, der lässt es eben und Breslau ist vielleicht mehr Görlitzern bekannt als Berlin, Herr Wessi-Görzelec.

Kennen Sie Breslau als bekennender Polenfan etwa nicht`?

Schlesische Landeskunde im Jahr 1885

Von görzelec am 08.03.2013 - 00:03Uhr
Zur weiteren Verwirrung bestehender Gewissheiten hier ein Zitat von Franz Schroller: Schlesien. Eine Schilderung des Schlesierlandes, Glogau, 1885 (zitiert nach Lorenz, 2012):

"Görlitz gehört zwar der Verwaltung nach zu Schlesien; allein seine Geschichte, seine Lage und so manche Eigentümlichkeit weisen es doch mehr auf Sachsen hin [...] Man wird am richtigsten Görlitz und seine Umgebung als das Übergangsgebiet zwischen Sachsen und Schlesien bezeichnen können, denn dem reinen Sachsen wird hier wieder manches Schlesische auffallen [...] Schlesiens Hauptstadt und das Schlesierland überhaupt sind verhältnismäßig nur wenigen Görlitzern bekannt; der Görlitzer Kaufmann hat naturgemäß mehr Beziehungen nach dem Westen und Norden, nach Leipzig und Berlin, als nach Breslau."

Görlitz - wohin?

Von Christina Gurks am 07.03.2013 - 22:48Uhr
Herr Lange, einzig richtig ist, dass Görlitz in Niederschlesien liegt - Niederschlesien als Teil der früheren Preußischen Provinz Schlesien, die aber schon lange nicht mehr existiert.

Genau so wenig existiert noch der Niederschlesische Oberlausitzkreis, zu dem Görlitz als damals kreisfreie Stadt übrigens nie gehört hat.

Um es rund zu machen, die umgangssprachliche Lausitz gibt es auch nicht, sondern die zwei Lausitzen, nämlich die Oberlausitz, zu der Görlitz gehört, und die Niederlausitz. Beides sind aber keine Verwaltungseinheiten, da gehört Görlitz nun mal zum Freistaat Sachsen.

Schlesien/ Niederschlesien/ NOL

Von Lange, Walter am 07.03.2013 - 22:09Uhr
Also Görlitz gehört zu Niederschlesien und liegt in der Lausitz.
Autokennzeichen: NOL, daraus folgt:
Niederschlesischer Oberlausitzkreis.

Schlesien?

Von görzelec am 05.03.2013 - 23:27Uhr
Dass mit dem niederschlesischen Görlitz ist mehr Geschmackssache als unumstößlicher historischer Fakt. Görlitz ist mindestens genauso sehr eine oberlausitzische Stadt.

Näheres aktuell unter anderem hier:

Robert Lorenz: Schlesien. In: Dannenberg/ Donath/ Scholze: Oberlausitzer Mythen. Meißen, 2012. S.190-201.

Görlitz als niederschlesische Stadt

Von J. Schubert am 05.03.2013 - 18:53Uhr
Frau Gurks, natürlich liegt Görlitz im Freistaat Sachsen, aber ist deswegen eben noch lange keine ostsächsiche, sondern immer noch eine niederschlesische Stadt - darum ging´s mir.

Görlitz in Sachsen

Von Christina Gurks am 05.03.2013 - 14:08Uhr
Herr Schubert, der Freistaat Sachsen ist das Bundesland, in dem Görlitz liegt. Niederschlesien ist heute eine Region in Ostsachsen und zugleich eine Verwaltungseinheit in Polen (Dolny Slask).

Artikel über morgigen MDR-Beitrag

Von J. Schubert am 04.03.2013 - 18:20Uhr
Es tut richtig in den Augen weh, wenn von Görlitz als einer ostsächsischen Stadt geschrieben wird, obwohl es in Niederschlesien liegt.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort
Weitere Artikel
 
  • Quelle: red | Fotos: privat
  • Zuletzt geändert am 04.03.2013 - 16:22 Uhr
  • drucken Seite drucken