Görlitz beschenkt seine Zuzügler weiter

Görlitz beschenkt seine Zuzügler weiterGörlitz, 3. März 2016. Die Idee ist so obskur wie medienwirksam: Wer nach Görlitz umzieht, bekommt Geschenke - das sogenannte Begrüßungspaket. Immer mehr Firmen und Einrichtungen beteiligen sich daran - oft mit eher symbolischen Gaben, aber auch mit handfesten Kostenvorteilen bie beispielsweise einem befristeten Erlass der Kaltmiete. Willkommenskultur für Neugörlitzer - geht doch, wie man sieht! Ganz aktuell ist die Begrüßungspaket-Aktion für die frischgebackenen Görlitzer bis Ende des Jahres 2017 verlängert worden.

Myckert: "Anreiz, sich mit Umzug nach Görlitz zu beschäftigen."

Myckert: "Anreiz, sich mit Umzug nach Görlitz zu beschäftigen."

Görlitz vereint klein- und großstädtische Elemente.

Fakt ist: Das Interesse daran, in Görlitz zu leben, wächst bei jenen, die ihr Leben bislang woanders verbracht haben.

Die Korrelation mit dem Begrüßungspaket für Görlitz-Zuzügler kann man diskutieren, belegt ist aber, dass seit der Auflage der Aktion am 6. November 2012 bis zum Dezember 2015 die städtische KommWohnen Service GmbH - die damals noch als WBG Wohnungsbaugesellschaft Görlitz mbH firmierte - rund 664 Mietverträge mit Umsiedlern aus weiten Teilen Deutschlands und über die Landesgrenzen hinaus unter Dach und Fach gebracht hat. Wer sich gern Erfolge zurechnet, schlussfolgert daraus, dass der Willkommensinitiative bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von zwei Personen ein Zuwachs von rund 1.300 Personen zu verdanken sei.

Allerdings haben nur 276 Neumieter-Haushalte aller Altersgruppen den Zuzügler-Bonus in Anspruch genommen. KommWohnen-Geschäftsführer Arne Myckert kann das erklären: "Manche Zuzügler wollen sich nicht sofort für 18 Monate binden und verzichten daher auf das Begrüßungspaket. Dennoch war dieser bei den meisten Zuzüglern ein zusätzlicher Anreiz sich erst mal mit dem Thema Umzug nach Görlitz zu beschäftigen."

Positive Zwischenbilanz - und weiter geht's

So ziehen die KommWohnen wie auch die beiden anderen Initiatoren des Begrüßungspaketes, die Stadtwerke Görlitz AG (SWG) und die Verkehrsgesellschaft Görlitz GmbH (VGG), eine positive Bilanz der bisherigen Laufzeit. Die Initiative für mehr Zuzug nach Görlitz hat die angestrebte Wirkung gezeigt. Auch deshalb nun die erwähnte Verlängerung bis Ende 2017.

Alle Wahlgörlitzer, die ab dem 1. Januar 2016 in die Neißestadt ziehen und eine Wohnung der KommWohnen Service GmbH, der Conti’schen Haus-und Grundbesitzverwaltung oder von Otto-Immobilien mieten und zugleich Stromkunden der SWG werden, erhalten ein attraktives Willkommenspaket:

    • Die KommWohnen, die Conti’sche Haus-und Grundbesitzverwaltung und Otto-Immobilien erlassen ihnen in den ersten beiden Monaten die Kaltmiete zur Einrichtung der Wohnung und ermöglichen in der Umzugsphase zwei kostenfreie Übernachtungen für zwei Personen in der Alten Herberge / Villa Ephraim.
    • Von den Görlitzer Stadtwerken erhalten die neuen Görlitzer eine Gutschrift über einen durchschnittlichen Monatsverbrauch für Strom basierend auf einem jährlichen Stromverbrauch von 2.050 KWh und ein Energiesparpaket.
    • Die Verkehrsbetriebe wiederum ermöglichen auch weiterhin satte drei Monate lang die freie Nutzung von Bus und Bahn zum Kennenlernen der neuen Heimat.
    • Die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG bietet in ihrer Filiale Görlitz ein ganzes Jahr lang die kostenfreie Kontoführung eines Privatkontos und ein Jahr kostenlose Hausratversicherung bei der R+V-Versicherung
    • Die örtliche Brauerei spendiert vier Getränkeflaschen aus ihrem Sortiment und zwei Gläser nach Wahl.
    • Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz steuert eine kostenlose Familienkarte bei.
    • Vom Naturschutz-Tierpark Görlitz e.V. gibt es eine kostenlose Tages-Familieneintrittskarte.
    • Das Theater, die Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH, legt ein halbes Premieren-Abonnement - immerhin fünf Premieren - in Form eines Gutscheins in das Paket.
    • Der Oberlausitzer Kreissportbund e.V. beteiligt sich mit einer kostenlosen Vereinsmitgliedschaft in maximal drei Görlitzer Sportvereinen über die Dauer von maximal je einem Monat
    • Die Volkshochschule Görlitz e.V. gibt einen fünfzigprozentigen Rabatt auf die vhs-Card.

    Damit soll das Begrüßungspaket signalisieren: Schön, dass Sie da sind!

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Kommentare Lesermeinungen (4)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Umzug nach Görlitz

Von Alexander Kramer am 06.04.2017 - 09:15Uhr
Wir sind eine junge berufstätige Familie mit drei Kindern und möchten nach Görlitz ziehen.

Leider sind wir von der nicht familienfreundlichen Stadt Görlitz schwer enttäuscht. Weder bei der Kindergartenplatzsuche noch bei der Unterbringung in einer wohnungsnahen Grundschule wird geholfen. Unsere Kinder bekommen dort einen Platz, wo noch einer frei ist, egal wo man wohnen wird. Was ist das für eine Willkommenskultur? Mein Sohn soll nach dem Schulamt von Bautzen mit 6,5 Jahren alleine mit der Straßenbahn in die Grundschule (1.Klasse) fahren. Und das, obwohl er Görlitz überhaupt noch nicht kennt.

Die Stadt Görlitz wirbt noch auf Ihrer Webseite mit "familiengerechte Stadt"! Das ist doch wohl ein Witz! Bei so einer mangelhaften Unterstützung bringt einem auch das Begrüßungspaket nichts. Außerdem ist dies an ganz wenige Makler bzw. Wohnungsgesellschaften gebunden. Die besten Wohnungen sind da soundso nicht vertreten. Einen Kindergartenplatz haben wir übrigens auch noch nicht...

"Anreiz, sich mit Umzug nach Görlitz zu beschäftigen."

Von Klaus 1949 am 14.03.2017 - 15:21Uhr
Wer seine Heimat in schwierigen Zeiten verlassen hat, tat es aus persönlicher Gier zum Geld getan. Die, die geblieben sind mit ihren Hoffnungen bestraft worden - mit Langzeitarbeitslosigkeit oder schlimmer noch, mit Hartz IV.

Görlitz ist nicht mehr das, was es war. Jetzt wo Görlitz tot ist kommen Leute hierher, die eigentlich keinen Bezug auf diese schlesische Stadt haben und außerdem ist die Industrie am aussterben. Frage: Was wollen junge Leute eigentlich noch hier? Keine Perspektive, aber Menschen anlocken, wo ist bzw. steckt der Sinn dahinter?

Der Urgörlitzer steht auf der Liste der Alten und wird auch nicht mehr gefragt. Görlitz befindet sich in einer extrem unglücklichen Lage und wird nach außen hin hochlobend erwähnt. Sozial ist kaum noch was zu spüren, man sieht und riecht förmlich die organisierte Armut (gemeint ist die Schließung von Groß- und Kleinstunternehmen). Wer noch in Lohn und Brot steht, ist selbständig, mit Pflaster auf dem Mund ausgestattet, wer eventuell was sagen möchte - wird somit zum schweigen verdammt.

Görlitz war selbst zu DDR-Zeiten autark in der Versorgung und hatte unzählige Betriebe. Alles schon vergessen, Kraftwerk 1 bis 3, Tagebau, Maschinenbau, Waggonbau, Textilbetriebe, Schuhfabrik, Großbäckereien, Getreidewirtschaft bis hin zu privaten Bäckereien, die eine sehr gute Quallität boten. Ob das eine rosige Zukunft für die Stadt ist, bezweifle ich. Sicherlich wird darüber nicht oder kaum diskutiert, geschweige öffentlicht kundgetan. Mich tät es nicht wundern, dass meine Aussage gleichgesetzt wird mit diversen Verbindungen zu rechten Organisationen, ganz gleich was man sagt und tut, die Nazikeule wird sofort geschwungen.

Als Bürger dieser Stadt zerstörte ich nichts und werde es nicht tun, aber die ehemaligen SED-Funktionäre und Kommunisten haben in anderen Parteien und Organisationen Fuß gefasst und spielen sich als jetzige Machthaber in Görlitz auf und zerstören uralte historische Werte samt Kultur. "Der Mensch lebt nicht für sich allein. Es gibt eine unsichtbare und unzerreissbare Gemeinschaft, das Band der Achtung, der Ehre, ein treues Gedenken, eine tätige Liebe!", schrieb einst Berthold Auerbach (1812 - 1882).

Begrüßungspaket Görlitz?

Von Jäger am 14.03.2017 - 07:27Uhr
Meine Tochter zieht mit Familie nach 16 Jahren wieder nach Görlitz. Hat bei einer anderen Firma eine Wohnung gemietet, leider war bei den genannten keine geeignete zu bekommen.

Kann sie trotzdem das Paket beantragen?

Lieber Gruss, die Oma

Aus München nach Görlitz!

Von Anna M. am 03.02.2017 - 00:01Uhr
Aktuell lebe ich auf den ersten Blick sehr gut im Münchner Süden. Seit geraumer Zeit suche ich jedoch eine sympathische Naturgegend mit für mich ausreichender Infrastruktur in Deutschland. Seit ich irgendwann Görlitz entdeckte, ließ es mich nicht mehr los.

Ende Februar fahre ich es nun erleben. Ich bin sehr gespannt.

Wenn es mir so zusagt wie ich vermute, werde ich mein Leben ins Görlitzer Umland verlagern. Auch ich werde das Willkommenspaket nicht in Anspruch nehmen, finde es jedoch sehr einladend und fühle mich aus der Ferne willkommen.

Dass meine familiären Wurzeln vor langer Zeit in Polen lagen, lässt die Sache logisch erscheinen. Doch irgendwie ist es das nicht.

Görlitz, ich freue mich auf Dich!

Anna M.

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  • Quelle: red | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 02.03.2016 - 21:50 Uhr
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