Flashmob verzögert Stadtratssitzung

Görlitz. Mit einem Flashmob haben Görlitzer Schüler, Studenten sowie Mitglieder von Initiativen und Vereinen am 26. Januar 2011 den Beginn der Stadtratssitzung verzögert. Damit wollten sie erreichen, dass in Görlitz stärker an die Jugend gedacht wird.

Stadträte mit Beifall für die Jugend der Stadt

Die Aktivisten haben einen Flyer verteilt, in dem es heißt: "Noch sind wir hier! Das Durchschnittsalter in Görlitz liegt bei fast 50 Jahren. Die Hälfte der Menschen, die jährlich die Stadt verlassen, sind im Alter zwischen 16 bis 35 Jahren. Welche Perspektiven bietet Görlitz für die Jugend jetzt und in Zukunft?"

Zu dumm, dass die Jugendlichen sich selbst den Mund verklebt hatten. So war es ihnen weder möglich, sich zu artikulieren, noch einen Dialog in Gang bringen.

Oberbürgermeister Joachim Paulick konnte die Stadtratsbesetzer nur mit Nachdruck dazu bewegen, den Sitzungssaal wieder zu verlassen. Zuvor hatte er den Jugendlichen angeboten, sich zu einem gesonderten Termin mit ihnen zu treffen.

Als die jungen Leute den Saal verließen, spendeten ihnen einige Stadträte Beifall.

Teilen Teilen
Video Video
Kommentare Lesermeinungen (16)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Mal abgesehen von der Deckenlast

Von Frank am 09.02.2012 - 04:54Uhr
In Görlitz wird wohl auch der Flashmob nichts bringen, die Stadt wirbt mit Billiglöhnen und geringen Lebenshaltungshalungskosten einschließlich Probewohnen um eine andere Klientel, nämlich gut betuchte Senioren.

Dass die Jugend da aufmobbt, ist nachvollziehbar, jetzt ist das ja möglich. In meiner Jugend wäre das der Fahrschein für einen längeren Aufenthalt in Bautzen gewesen.

Der Oberbürgermeister kam mir in dieser Situation sehr überfordert und einige Stadträte kamen mir sehr eingeweiht vor.

Die Problematik besteht aber nicht erst seit ein paar Wochen.

Unsere Kinder haben hier zwar die Ausbildungen abgeschlossen, aber was eine altgediente Krankenschwester in Görlitz verdient, hat am Ende des Monats in Stuttgart mit üppigen Schichtzulagen schonmal der Azubi im 3. Lehrjahr. So ist die Tochter "ausgewandert".

Unser Sohn hat beim BiB studiert, genau dasselbe, Programmieren wird in Hamburg dreimal sogut bezahlt wie hier, nichts wie weg!

Das ist ja noch nicht alles, durch die Kinder wissen wir, dass deren halbe Ausbildungsklassen aus dem Görlitzer Umfeld in die alten Bundesländer "verschwunden" sind. Klassentreffen der Görlitzer werden seit ein paar Jahren in Köln oder Essen abgehalten, da fast alle jetzt im Westen wohnen.

Einzig die sind hiergeblieben, welche "keinen Bock" hatten und jetzt meist Kunden bei Ämtern für Sozialleistungen sind, von ein paar Enthusiasten mal abgesehen, die für ein Drittel vom Westgehalt meist mehr arbeiten müssen als die "Ausgewanderten" und von den Görlitzer "Wessis" nur belächelt werden.

Da macht sich im Stadtrat auch keiner Gedanken darüber, dass unsere Enkel wohl fast alle im Westen geboren werden. Die gewählten Ärzte, Versicherungsvertreter und Immobilienmakler sind mit den Senioren weitaus glücklicher, ohne an die "Spätfolgen" zu denken.

Viele junge Leute würden hier auch weiterhin ihre Steuern zahlen, wenn Gehalt und Umfeld stimmen, aber davon ist Görlitz mit der Ausrichtung auf Senioren meilenweit entfernt und die Flucht der Teenies und Twens hält weiter an.

Die letzte Attacke auf die Studenten in Form der "Zweitwohnsitzabgabe" hat mit dazu beigetragen. Die tatsächlichen Einnahmen dieser Steuerbestrafung hätten mich mal interessiert. Sicher sind einige "vergrault" worden, die den Sinn dieser Abgabe nicht einsehen.

Der Stadtrat setzt darauf, dass die Senioren das ausgleichen, aber das wird wohl nicht lange gutgehen.

MfG Frank

Stolz sollten die Räte sein...

Von Wolle, ausgewanderter Görlitzer am 08.02.2012 - 23:06Uhr
...dass es noch junge Leute in Görlitz gibt, die einen Arsch in der Hose haben und ihre moderne Meinung sagen. Wenn Herr Paulick wegen der Deckenlast von max. 90 Personen die Jugend auffordert zum Verlassen des Saales, so frage ich mich, wo waren die Stadtwachen am Rathauseingang? Wäre es denn nicht besser, zukünftig die Sitzungen auf dem Untermarkt im Freien zu führen, falls das nächste Mal mehr als die zulässige Deckenlast tragende Personen kommen?

Alle bisherigen flash mobs sind doch ein Zeichen, dass an den Bedürfnissen vorbeiregiert/-geplant wird. Görlitz bekommt wichtige Probleme wie das Warenhaus und die Stadthalle über Jahre nicht in den Griff, fängt aber vom Umbau des Postplatzes und Neubau von Passagen an zu träumen, völlig daneben und überzogen die Vorstellungen zum Ausbau des Berzdorfer Sees.

Wann merkt die Stadtführung, dass man die Jugend einbeziehen und anhören sollte. Ansonsten tritt Vergreisung ein. Vorsichtshalber sollte der neue Oberbürgermeister schon mal die Decke verstärken oder die Personenzahl für flash mobs begrenzen.

Flashgemobtes Stadtparlament

Von Rolf Domke am 30.01.2012 - 15:17Uhr
Endlich mal wieder was los, hier!

Zu den größtenteils lesbaren Diskussionsbeiträgen wäre noch ein Erlebnisbericht beizutragen:

Da wagte mal ein Franktonsgeschäftsführer, die imaginäre Grenze zwischen Zuschauer- und Sitzungsraum zu überschreiten. Er wurde sofort und franktionsübergreifend mit messerscharfen Blicken und lautem "höh, höh, höh" Rufen hinter die unsichtbare Grenze verwiesen. Stante pede trollte er sich.

Ein Stadtrat, der aus wichtigem Grund einer Abstimmung nicht beiwohnen darf oder sollte, verlässt den Sitzungsraum. Da schließt sich allerdings keine Türe hinter jenem, sondern er (oder sie) sitzt im Zuschauerareal, drei, vier Meter hinter der letzten Stadtratsbank.

Ich schließe aus diesen Beobachtungen, dass der Bereich, in dem die gewählten Mandatsträger sitzen und arbeiten, ein rein funktionaler und geschützter Bereich ist. Dass wäre und ist auch gut so.

Nun plötzlich kommen 150 auf einmal, okkupieren diesen Bereich, keiner weiß vorher, wie lange sie denn zu bleiben gedenken, ob eine hoffentlich friedliche Absicht gehalten wird, welche weiteren Aktionen ggf. noch geplant sind.

Ich möchte in solchen Momenten nicht die Sitzungs- und Sicherheitsverantwortung tragen müssen.

Dass alles gut ging, dass die transportierte Botschaft gehört wurde und wert ist, gehört worden zu sein, dass sich die Flashmobber als engagierte junge Leute entpuppten, ist halt die Erfahrung hinterher.

Jetzt sollten sich die Senioren zu Wort melden

Von Karl Möser am 29.01.2012 - 12:12Uhr
Lieber Jens,

mit großem Interesse habe ich gelesen, was Sie von der heutigen Jugend halten. Und wie Sie sie aufforderten für Ihren Unterhalt selbst zu sorgen.

Dabei kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich mit 15 Jahren schon für den Unterhalt der Familie sorgen musste. Auf Wanderbaustellen und in Metzgereien musste ich mich verdingen. An eine gute Schulausbildung war nicht zu denken, die Kindheit war schnell vorbei. Meine Jugend hatte wenig Platz.

Lieber Jens, ich kann es sehr wohl nachvollziehen, dass man schwer damit umgehen kann, sich einzugestehen, dass man älter wird. Ich bin nun 78 Jahre. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Kraft und Unbeschwertheit der Jugend zurückkehrt.

Als ich den Bericht der Jugendlichen im Stadtrat gelesen habe, so empfand ich auch ein wenig Neid. Darüber, dass mir selbst solche Möglichkeiten der politischen Einflussnahme versagt blieben. Unsere Generation wäre wohl verhaftet worden.

Ich möchte Sie nun ermuntern, sich selbst auch einzugestehen, dass die Aktion großen Respekt verdient und die Demonstranten einiges leisten, um ein lebenswertes Görlitz - auch für die Jugend - zu erschaffen und erhalten. Denn wenn die Jugend fehlt, dann ist die Stadt und der Kreis perspektivlos. Görlitz schrumpft stärker als irgend eine andere Region in Westeuropa.

Bei aller Hochachtung gegenüber der Jugendlichen, die Sie als perspektivenreich bezeichneten, möchte ich Sie ebenso hier ermuntern einmal die Augen zu öffnen.

Spannen Sie diese Menschen nicht vor Ihren Moral-Karren! Denn diese Rolle ist denen vielleicht ebenso egal, wie die sich für irgend ein anderes gesellschaftliches oder politisches Geschehen zu interessieren.

Mit herzlichen Grüßen,

Karl Möser

Flashmob - und unsere Zukunft

Von Sandro Köppert am 29.01.2012 - 06:40Uhr
Sehr geehrter Fraktionsvorsitzender (zurSache/SPD), Herr Dr. Peter Gleißner,

(aber auch Jens von unten)

Guten Morgen! Ihr Kommentar hat mich heute nicht schlafen lassen.

Vorab will ich Sie, Herr Dr. Peter Gleißner, darauf aufmerksam machen, dass ich für die kommenden Zeilen teilweise in die JUGENDSPRACHE wechseln werde. Damit will ich Ihnen gegenwärtig einen Kommentar unterbreiten, ohne dabei UNSERE ZUKUNFT mit grausamer Diktatur und Planwirtschaft zu vergleichen.

Frau Kristina Hippe spricht von “unserer Zukunft in der Demokratie“. Da müssen Sie noch lernen.

Unsere Zukunft kann zum großen Teil nicht wissen, wie Görlitz vor 20 Jahren aussah, was damals die Zukunft zu sagen hatte. Es kann unserer Zukunft nur erzählt werden. Unsere Zukunft kann –NullkommaNull- Einfluss darauf nehmen was in der von Ihnen beschriebenen Vergangenheit geschehen ist.

Unsere Zukunft heißt vielleicht, dass eine Stadt wie Görlitz, mittel- und langfristig nur überleben kann, wenn sie sich von unserer Zukunft mehr beeinflussen- mehr beraten und mit lenken lässt! Natürlich braucht es auch gewisse Regeln. Nur welche Regel hat denn unsere Zukunft am Donnerstag missachtet? Ihre? Die Regeln die unsere Zukunft nicht gewählt hat? Oder das sie eine öffentliche Sitzung mit begrenzter Anzahl an Sitzplätzen frequentiert haben?

Was am vergangenen Donnerstag geschah, das war, und muss das Alarmzeichen für Ihre Politik sein! Und auch wenn es Ihnen besonders schwer fällt, es ist ein zeitgemäßes Zeichen. In geschlossener Gemeinschaft, !friedlich!, mit verklebtem Gaumen auf sich aufmerksam zu machen. Es ist das Zeichen, Herr Gleißner, dass es nun gilt -neben dem letzten großen Titel Weltkulturerbe, den „RentnerWillkommensBroschüren“, Antikläden und "Zuschuss-Beschlüssen" für seniorengerechtes Wohnen- weitaus andere Ziele zu verfolgen. Und nur mal nebenher. Die jungen Damen und Herren am Donnerstag waren Schüler, Studenten, Auszubildende, Arbeitslose, Angestellte, Freiberufler sowie Jungunternehmer und Künstler der Stadt. Es waren keine „Jugendlichen“ sondern unser Zukunft, Fachkräfte und Konsumenten.Ihre Gegenwart.

Verheerend ist jetzt natürlich, dass alles auf unseren Oberbürgermeister abgewälzt wird.
Aber sie können beruhigt und sicher sein, das es nicht das Ziel des Flashmob war. Dafür, sorgen doch schon längst andere.Der Herr Oberbürgermeister Joachim Paulick hat formell richtig, aber in dem Moment -entgegen der Mehrheit- leider menschlich völlig falsch reagiert. Den Punker auf seinem Stuhl in den Arm nehmen- Pflaster ab und na mein Junge wat los? Wat kann ich denn tun? Die Lacher wären auf seiner Seite gewesen. Und die Gegner im Schach. Aber das kann nun mal nicht jeder. Vor allem Herr Paulick nicht. Aber ist das ein Wunder? Nach allem was er durchgemacht hat? Er steht! So wie der Haushalt! Das Gerüst des Tourismus steht! Welterbe wird kommen wenn wir uns nicht blöd anstellen! Hut ab! Und das sehen viele unserer Zukunft genau so wie Sie. Und die wahren „Gegner“ sehen das schon viel länger.

Wissen Sie, ich schaue diesem Görlitzer Aufbruch mindestens einmal in der Woche in die Augen. Und ich sehe dieses Feuer in den jungen Menschen, diese Energie, dieser Wille, dieses Vertrauen. Das ist geballte Power an etwas teilzuhaben wo bisher nur wenig teilzuhaben ist. Wenn Jugendclubs nicht lauter als Normal sein dürfen, oder Wächterhäuser schier unfinanzierbare Auflagen bekommen, besser gesagt Auflagen die langjährige Verschuldung mit sich trägt. Ich rede dabei nicht von Wächterhäusern die „einsturzgefährdet“ sind und von einer nicht unbeträchtlichen Menge an Menschen frequentiert werden. Auch wenn es !!ACHTUNG JENS JETZT KOMMST DU IN DAS SPIEL!!! NE SUPER PARTY war! Eine Hammer- themenaktuelle!!- Location mit Musik, Alkohol, Kommunikation und wunderschönen Frauen. Das kann äußerst erhellend sein, werter Jens!

Herr Dr. Peter Gleißner, schimpfen Sie nicht auf uns, weil wir uns Ihnen in NOCH sehr geringer Masse präsentiert haben. Helfen Sie uns die Stadt jünger, lebendiger zu machen! Und ich bin mir absolut sicher- wir werden Ihnen, die gelebte und reiche Erfahrung nicht abspenstig machen. Wir können Ihnen -jetzt- mit unserem Netzwerk, dem frischen Knowhow und den zeitgemäßen softskills, ein gutes Stück dabei helfen, das auch ihre Enkel hier vital leben können. Der Umkehrschluss ist vielleicht der, Herr Gleißner! Wenn es so weitergeht, dass kaum Spielräume für unsere Zukunft- für Kreative und Individualisten bleiben, dann sinkt die Chance auf qualitativ hochwertige Veranstaltungen / Vernissagen / Messen / Konzerte / Tagungen / Theater / Vermietung und und und…. . Das sind nunmal- weltweit die Menschen die Kultur bringen und leben!!! Wir schaffen dann auch keine neuen Anreize zum Konsum, vor allem keine Vitalität, für die, die wir am Ende am meisten brauchen, die Görlitzer Bevölkerung und deren Besucher. Wenn es so bleibt dann braucht die Stadt auch kein Shoppingcenter bauen lassen.

Die größte Genugtuung für den AUFBRUCH DER GÖRLITZER JUGEND ist vielleicht, dass sie geschwiegen haben und dabei die volle Aufmerksamkeit erreicht haben. Für letzteres geben andere sehr viel, sehr sehr viel Geld aus. Das kann uns keiner mehr nehmen. Und dafür danken wir Ihnen, herzlichst. Persönlich wünsche ich Ihnen eine gute Zeit, mit besten Grüßen aus der Europastadt Görlitz/Zgorcelec.

ihr ehemaliger „BiergartenNachbarvomWeinberghaus“


Autor:
Sandro Köppert
geb. im April 1982 in Görlitz
mittlere Reife, Berufsausbildungen zum Koch- & Restaurantfachmann, Teilnehmer Europameisterschaften im Restaurantservice in Portugal 2005, 5ter Restaurantfach-weltmeister „Coupe George Baptiste“ in Mexico 2006, Hotelfachschüler in Leipzig, Angestellter im In- und Ausland, Inhaber Weinberghaus Projekt und Brüders - kulinarisch-kommunikativ in Görlitz

Flashmob - moderner Protest

Von Verena Alex am 28.01.2012 - 21:00Uhr
Flashmob - eine Form des modernen Protestes oder - jede Zeit hat ihre Mittel und ihre Medien!

Aufschrecken sollte diese Aktion. So habe ich das verstanden. Und so hat es auch wohl gewirkt. Anders kann man sich die teils heftigen Reaktionen nicht erklären.

Die jungen Görlitzer wollten zeigen:

Hallo, wir sind noch da! Wir sind ein Teil dieser Stadt und wir bringen uns ein - mit neuen Ideen und eben auch mit anderen Mitteln.
Diese Mittel sind friedlich, darüber kann sich jeder selbst ein Bild machen. Auf einem bekannten Videoportal findet man mehrere Mitschnitte der Aktion.

Die Jugendlichen zu kriminalisieren, ja regelrecht in eine extremistische Ecke zu stecken, beweist die Realitätsferne und fatale Arroganz einiger Stadträte gegenüber den jungen Menschen dieser Stadt.

Auch ich sehe es ähnlich wie Karl Ullwer, die Reaktion des Oberbürgermeisters war rein formell richtig, die Art und Weise vielleicht zu wenig souverän. Das ist auch kein Wunder, denn seit Jahren krankt die Stadt an der Selbstherrlichkeit der "Pro- bzw. Contra-Oberbürgermeisterfraktionen".

Statt sachlich zum Wohl von Görlitz zu handeln, ergehen sich die beiden Parteien in Streitigkeiten, transportieren private Rangeleien und Machkämpfe aufs politische Parkett und behindern und verhindern so ein echtes Vorankommen von Görlitz.

Wer die Stadtratssitzungen auf Euro Regional- TV oder die Berichterstattung in einschlägigen Print- oder eben auch digitalen Medien verfolgt hat, kann nachvollziehen, was ich meine! Wem wundert es also, das Herr Paulick so und nicht anders gehandelt hat, müssen seine Nerven bei all den Kleinkriegen doch schon lange blank liegen!

Zumindest bei vielen Görlitzern hat dieser Umstand zur Politikverdrossenheit geführt.

Also Görlitz, freuen wir uns über das erwachende politische Interesse der jungen Leute in unserer langsam vergreisenden Stadt! Es wird Zeit, dass unsere Lokalpolitiker das wirklich wahrnehmen. Denn wohlsituierte Pensionäre aus den westlichen Bundesländern werden die jungen Menschen nicht ersetzen.

Den jungen Menschen, die an der Aktion beteiligt waren, kann ich nur sagen: Danke! Schön, dass ihr trotz all der Probleme noch da seid! Danke, dass ihr unsere Stadträte auf dieses drängende Problem hingewiesen habt! Bitte, falls ihr dann nicht schon aufgegeben und unserer eigentlich so schönen Stadt den Rücken gekehrt habt, geht zur nächsten Kommunalwahl. Gebt eure Stimme denen, die wirklich jugendfreundlich also zukunftsorientiert agieren!

An den Stadtrat Dr. Gleißner möchte ich folgende Frage richten: War es nicht vor allem der zivile Ungehorsam, der die verkrusteten Verhältnisse des Altherrenstaates aufbrach und letztendlich zur Wende führte!?

Mit freundlichen Grüßen,

Verena Alex

Soviel Aufregung, wo eigentlich gemeinsames Agieren anstehen sollte!

Von Franzi am 28.01.2012 - 20:59Uhr
Ich finde es sehr schade, dass dieses wichtige Anliegen für Parteizankereien ausgenutzt wird.

Ich glaube kaum, dass einer der Beteiligten vorhatte, irgend jemanden in Bedrängnis zu bringen, um so die Wahl zu manipulieren. Dass davon ausgegangen wird, dass Statdräte daran beteiltigt waren, zeigt doch nur, dass nur noch bezüglich gekränktem Parteistolz agiert werden kann und das Anliegen vollkommen übersehen wird.

Warum fühlen sie sich alle so angegriffen? Das möchte doch niemand, es sollen doch gemeinsam Lösungen gesucht werden.

An Jens

Von Michael am 28.01.2012 - 19:30Uhr
(...)

Würdest Du Dir wenigstens ein wenig Mühe machen, Dich darüber vorher zu informieren, bevor du über etwas ewig lang urteilst, wüsstest Du, wer oder was und warum dahintersteht. Die Art der Jugendlichen, die Du da ansprichst, nehmen an solchen Aktionen im seltensten Fall teil.

Ich kann bezeugen: An dieser Aktion waren wirklich viele aktive junge Leute beteiligt, von denen es auch noch viele mehr gibt in dieser Stadt, die nur bisher nie wirklich ernst genommen wurden. Die neben Ausbildung, Studium, Schule und/oder Arbeit sich teilweise schon jahrelang intensiv für ihr Lebensumfeld einsetzen, in vielerlei Hinsicht Verantwortung tragen und übernehmen, wo andere nur kluge Reden schwingen und das alles, ohne dafür bezahlt zu werden, geschweige denn respektiert. (...)

Du kannst Dir überhaupt kein Urteil über uns erlauben, aber wir uns dank Deines Beitrages über Dich wohl ziemlich gut.

In dem Sinne - guten Tag!


Anmerkung der Redaktion:
Der Beitrag wurde von der Redaktion behutsam an die Regeln der deutschen Rechtschreibung und Grammatik angepasst, Beschimpfungen wurden duch (...) ersetzt.

Ein Flashmob - das Ende der Demokratie?

Von Görzelec am 28.01.2012 - 12:08Uhr
Mit Verlaub, Dr. Gleißner - angesichts dieses kleinen Auflaufs das Ende der Demokratie und revolutionären Umsturz herbei zu phantasieren, dazu gehört schon einiges.

Und zu Ihrem Verweis auf den Herbst ´89 nur soviel: die größten Revolutionäre sind bekanntlich die, die nicht dabei waren, nicht wahr?

So oft, wie Sie hier und anderswo schon quasi im Alleingang retrospektiv die DDR beerdigt haben - Donnerwetter! Übrigens waren die Demonstrationen 89 auch Ordnungswidrigkeiten. Jetzt, wo unter anderem Sie allerdings die Ordnung in Görlitz vertreten, da geht sowas natürlich nicht mehr an. Verstehe.

flashmobber

Von Dr. Gleißner am 28.01.2012 - 07:49Uhr
Frau Hippe spricht von "demokratischen Rechten". Da muß sie aber noch lernen.

Diese "Jugendlichen" hatten das Gesprächsangebot des Oberbürgermeisters, sie haben die Möglichkeit, in den Fraktionen zu sprechen. Vor dem Stadtrat haben andere Jugendliche bereits ihre Anliegen vertreten. Und diese "Jugendlichen" können sicher sein, daß Herr Beutler in der SZ ihre "Anliegen" höchst einseitig vertreten wird.

Haben diese "Jugendlichen" vergessen, wie es vor 20 Jahren in Görlitz aussah, was damals die Jugend zu sagen hatte?

"Demokratisch" heißt, ein Staat lebt nur, wenn sich alle an selbstgewählte Regeln halten. Typisch für den beginnenden NS-Staat und die Machtübernahme durch die DDR-Organe war, daß zuerst demokratische Arbeit durch solche Aktionen lahmgelegt wurde.
Was am Donnerstag geschah, das war eine Ordnungswidrigkeit, die in einer Demokratie, die weiterleben will, so auch behandelt werden sollte. Es war nicht nennenswerter als die Ordnungswidrigkeitsstrafe für einen Studenten, der nächtens laut singend durch seinen Studienort zog.

Verheerend ist das Signal einiger Stadträte, die sich übereifrig bemühten, diesem Rechtsbruch zu applaudieren. Vielleicht kann man das nur durch die Annahme entschuldigen, daß da einige Hirnwindungen lahmgelegt waren, denn es ist Wahlzeit.

Antwort auf Kommentar von Jens

Von Karl Ullwer am 27.01.2012 - 23:39Uhr
Hallo Jens,

in meinen Augen hast du mit deiner hier wiedergegebenen Meinung dem Anliegen dieses Flaschmobs eher Nachdruck verliehen. Falls deine Meinung auch von einigen Vertretern unserer Stadt geteilt wird, war es meiner Meinung nach wichtig, mal ein Zeichen zu setzen.

Es ist doch ein Vorrecht der Jugend, sich über hergebrachte Konventionen hinwegzusetzen, nur so kann sich die Gesellschaft weiterentwickeln.

Ich finde es reichlich frech von Ihnen, die Teilnehmer als Gesetzesbrecher zu titulieren und ihnen zu unterstellen, es würde ihnen nur um Party und Spass gehen.

Die Häme gegenüber dem OB kann ich allerdings auch nicht verstehen, um die Sitzung durchzuführen, musste er die Leute auffordern zu gehen - ob man dies souveräner hätte machen können, kann ich nicht beurteilen. Ich denke mal, dass die Verzögerung der Sitzung nicht so gravierend war, da gibt es sicherlich interne Debatten, die den Ablauf der Stadtratssitzung mehr als fünf bis zehn Minuten aufhalten.

Ich hoffe, dass das Auftauchen der Polizei mit dem Aufnehmen der Personalien abgeschlossen ist, alles andere wäre nur peinlich für unsere Stadt.

Viel Grüße, Karl Ullwer

An die Jugend

Von Von einer Alten am 27.01.2012 - 22:02Uhr
Ich möchte auch mal was sagen.

Gut diese Aktion, zeigt, dass ihr da seid. Euch gehört die Zukunft, ihr werdet es noch schwer genug haben, mit dem was wir "Alten" euch hinterlassen.
Wenn ich was zu sagen hätte würde mehr für euch getan, z.B. warum bekommt das Theater so viel Geld, ich würde es in die Jugendarbeit stecken.

Ich wünsche mir von euch macht weiter, ein liebevolles Miteinander ist ein guter Anfang.

die Alte

An die Flashmobber

Von Jens am 27.01.2012 - 21:00Uhr
An die Mobber:

Wenn ihr euch langweilt und keine Perspektive seht, dann versucht es doch mal damit, euch den Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Bisher habt ihr doch nur von euren Eltern und vom Staat alimentiert gelebt. Kita, Schule, Studium und Kultur, die ja auch nur von Staatsknete lebt. Und dann seid ihr natürlich alle gegen den Staat, der ist ja schlimm, Regeln und Gesetze. Ihr wollt doch nur euch ausleben, Party machen und natürlich genügend Geld haben dafür. So geht das nicht, wer was haben will, der muss auch was dafür tun und sich an die Regeln halten. Aber es ist doch cool, dagegen zu sein, eine Stadtratsitzung, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen, erst mal zu behindern. Vielleicht hättet ihr dem OB einfach mal sagen sollen, was da abläuft, aber ihr hattet euch ja die Münder zugeklebt.

Ich kann Herrn OB Paulick gut verstehen, wenn plötzlich eine Meute Teilvermummter den Saal stürmt und besetzt. Da hat er für Ordnung und einen geordneten Verlauf der Sitzung zu sorgen, das ist seine Aufgabe. Nicht verstehen kann ich die große Anzahl der Stadträte, von den Linken (da erwartet man nichts anderes) über die BfG bis zur CDU, die offensichtlich sehr gut über diese Aktion informiert waren. Diese Damen und Herren, die einen Eid auf die Einhaltung der Gesetze abgelegt haben, klatschen den Gesetzesbrechern auch noch Beifall.

Ach ja, hätte ich ja bei der Aufregung fast vergessen, es ist ja Wahlkampf angesagt. Da passt es doch, den ungeliebten, aber leider doch erfolgreichen OB in eine schwierige Situation zu bringen und einen schönen Skandal zu provozieren. Hat ja geklappt, der OB hat so reagiert, wie es zu erwarten und auch richtig war. Große Hochachtung, da die Ruhe zu bewahren stelle ich mir nicht einfach vor.

Dann die große Aufregung der bekannten Stadtschauspieler und schon hat die Lokal(monopol)presse ein paar Tage viel Stoff zum schreiben. Zu dumm, dass es auffällt, wie diebisch sich einige der Protagonisten der Großen Koalition freuen. Es würde mich nicht wundern, wenn der SED-Kandidat jetzt den großen Retter spielt und den ach so geknechteten Jugendlichen eine goldene Zukunft verspricht, wenn sie ihn wählen. Mein Gott, ist das durchsichtig.

Übrigens ist es schon eine absolute Anmaßung, sich als DIE Görlitzer Jugend zu bezeichnen. Ich kenne viele junge Leute, die für solchen Quatsch gar keine Zeit haben, weil sie lernen, arbeiten oder sich um ihre Familie kümmern. Dei haben auch eine Perspektive, sind euch aber bestimmt zu spießig.

So, nun fallt mal über mich her, viel Spaß dabei.

Auf geht’s: Aufbruch!

Von Jana Lübeck am 27.01.2012 - 16:07Uhr
Noch nie haben so viele Menschen in Görlitz bewusst die Stadtratssitzung verfolgt und auch aktiv daran teilgenommen. Die Aktion des Flashmobs im Stadtrat hat damit nicht nur dem Aufmerken von Bevölkerung und Stadtrat gedient, es war gleichermaßen eine Aktion gegen Politikverdrossenheit. Wir, die Jugendlichen, haben gezeigt, dass uns das Geschehen in unserer Stadt nicht egal ist und wir denken, dass alle sehen konnten was Taten bewirken.

Wir möchten alle Görlitzer dazu aufrufen weiterzudenken, Visionen zu haben und anzufangen, sich aktiv einzubringen. Ganz gleich ob beim Aufbau eines neuen Jugendzentrums für das Ausleben der eigenen Freizeit oder bei der Schaffung ansprechend bezahlter Ausbildungsplätze und Jobs.

Wir glauben, dass Görlitz eine Zukunft hat. Wir sind überzeugt, dass in zehn Jahren nicht nur Rentner durch die Altstadt flanieren. Wir wissen, dass Görlitz kreatives Potential hat - das vor allem durch die Görlitzer Jugend und deren Willen zur Veränderung bestehender Probleme gefordert und dringend notwendig für Veränderungsprozesse ist!

Dafür bringt unsere Stadt alle Voraussetzungen mit: zahlreiche Vereine und Initiativen, die schon Großartiges leisten - sei es in der Jugendkultur, in der Jugendarbeit oder im sportlichen Bereich. Seien es die vielen Künstler und Kreativen, die in Görlitz ihren Schaffensort gefunden haben.

Auch der unglaublich hohe Leerstand, der extrem günstige Bedingungen zum Ausleben schafft, ist ein günstiger Standortfaktor für kreative Geschäftsmodelle. Wächterhäuser sind ein Zukunftsmodell für eine Stadt, die ihren Leerstand bewältigen muss und zugleich mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Die Möglichkeiten für eine unkonventionelle und vor allem selbstständige Bewältigung der eigenen Perspektivlosigkeit sollten so gut es geht geebnet werden. Nur so wird es gelingen, eine breite „Bürgerbeteiligung“ und Wege in die Selbstständigkeit erfolgreich zu unterstützen.

Der Flashmob im Görlitzer Stadtrat wollte ein Signal setzen: WIR SIND NOCH DA! Wir haben lange geschwiegen und fragen Euch, liebe Stadträte, lieber Oberbürgermeister, liebe Görlitzer: Wo liegt die Zukunft der jungen Menschen?! Denkt an uns bei Euren Entscheidungen!

Mit einer absolut friedlichen Aktion zu Beginn der Sitzung (nicht mittendrin!) haben wir unser Gesicht gezeigt. Es ging nicht um einzelne Forderungen, sondern um die Konfrontation mit „dem Jugendlichen“ - dem Menschen, den es wirklich gibt und der sich nicht alles gefallen lässt. Der sich nach seinen Kräften engagiert, aber wenig Lust hat von „seinen“ Stadtvätern dabei Steine in den Weg gelegt zu bekommen.

Wir möchten uns bei allen Stadträten bedanken, die sich für unsere Aktion eingesetzt haben und die verstanden haben worum es uns ging: Aufmerksamkeit!

Es gab zu keiner Zeit einen Anlass die Polizei zu rufen - dieses Verhalten Einzelner zeugt einmal mehr davon, dass jeglicher Bezug zur Realität verloren gegangen ist und die Bereitschaft zum Dialog neu gefunden werden muss.

Jetzt braucht es uns alle: um diese Stadt lebenswert zu machen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und um Veränderung Wirklichkeit werden zu lassen. Nur im Dialog wird eine Verständigung möglich sein! Die ersten Schritte sind getan.

Auf geht’s: Aufbruch!

Die Autoren:
Jana Lübeck, 27, ist gebürtige Görlitzerin und hat Kultur und Management studiert. Sie engagiert sich seit ihrer Jugend aktiv für die Belange der Jugendlichen (Schülersprecherin) und für die Stärkung der Jugendkultur in der Stadt, u.a. im Second Attempt e.V. (fokus festival) sowie im studentischen Verein KULTours e.V.

Anselm Peischl, 21, kam im Oktober 2010 zum Kultur und Management-Studium nach Görlitz und ist seither in verschiedenen Vereinen (Studentclub Maus und Jugendkulturzentrum Basta!) aktiv. Er fühlte sich sofort in Görlitz heimisch und will auch nach seinem Studium in Görlitz bleiben.

haah

Von Streifenkarl am 27.01.2012 - 14:13Uhr
"Oberbürgermeister Joachim Paulick konnte die Stadtratsbesetzer nur mit Nachdruck dazu bewegen, den Sitzungssaal wieder zu verlassen." Falsch, sie haben bereits vorher vereinbart, nach fünf Minuten wieder zu gehen.

"Zu dumm, dass die Jugendlichen sich selbst den Mund verklebt hatten. So war es ihnen weder möglich, sich zu artikulieren, noch einen Dialog in Gang bringen."

Diese Aktion sagt doch mehr, als man in fünf Minuten mit Worten austauschen könnte...

Flashmobbing ist keine Besetzung

Von Kristina Hippe am 27.01.2012 - 09:34Uhr
Liebe geneigte LeserInnen,

ich möchte an dieser Stelle ein wenig Aufklärungsarbeit leisten.

Ein Flashmob ist eine "Blitz"aktion vom "Pöbel", also vom ganz normalen Volke, bei der die Teilnehmenden für eine kurze Dauer (meist wenige Minuten) durch bloße Anwesenheit auf etwas aufmerksam machen wollen.

Diese weltweit durchgeführten Flashmob-Aktionen sind immer friedlicher Natur, die Teilnehmenden tun ungewöhnliche Dinge, z.B. Singen im Kaufhaus, Treffen zu Gruppenmeditationen an öffentlichen Plätzen oder sie treten geschlossen und still bei einer Stadtratsitzung in Erscheinung (Näheres hierzu ist auch bei Wikipedia nachzulesen).

Was die jungen Menschen der Stadt Görlitz gestern zum Ausdruck bringen wollten, scheint klar: Es steht auf den Flyern und sie wollten ein Zeichen setzen, sicher auch stellvertretend für viele andere in dieser Stadt, die das Durchschnittsalter noch nicht erreicht haben.

Danke an alle, die dabei waren und so ihre demokratischen Rechte wahrnahmen.
Danke an alle Menschen im Stadtrat, die diese Aktion sympathisierend zur Kenntnis genommen haben.
Danke an Sie, diesen kurzen Aufklärungsbericht zugänglich zu machen.

"Wenn wir erkennen, dass unsere Unterschiede uns nicht trennen, sondern unsere Gemeinsamkeiten uns einen, ist ein liebevolles Miteinander möglich." (KH)

Friedliche Grüße und ein Hoch auf unsere Gemeinsamkeiten.

Kristina

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort
Weitere Artikel
 
  • Quelle: red
  • Zuletzt geändert am 27.01.2012 - 00:52 Uhr
  • drucken Seite drucken