Heldenstadt Zittau
Zittau. Fotos vermitteln den Eindruck der Objektivität. Und so eröffnen die Städtischen Museen Zittau das Gedenkjahr „20 Jahre friedliche Revolution und deutsche Einheit“ mit einer großen Fotoausstellung.
Zittau war, so die Ausstellungsmacher, ein wichtiger Schauplatz der sogenannten friedlichen Revolution 1989. Tausende mutiger Frauen und Männer überwanden ihre Angst und traten für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie ein. Sie ebneten hier den Weg für die deutsche Einheit. Ein vielfältiges und hochkarätiges Veranstaltungsprogramm erinnert in Zittau und Umgebung an die damalige Zeit des Aufbruchs.
Die Städtischen Museen Zittau eröffnen das Gedenkjahr mit einer großen Ausstellung, in deren Mittelpunkt die Fotografie steht. Dank großzügiger Unterstützung durch den Freistaat Sachsen mittels der Sächsischen Staatskanzlei und des von ihr ausgelobten Förderprogramms „20 Jahre friedliche Revolution und deutsche Einheit“ wird in dieser Ausstellung das Jahrzehnt vor und dasjenige nach den Ereignissen des Umbruchs in Form eines großen Bilderbogens vergegenwärtigt.
Rund 200 Fotografien und mehrere Filme lassen zwanzig bewegte Jahre Revue passieren. Pressefotos werden künstlerische Positionen gegenübergestellt: Bilder von Rudolf Hartmetz, Beate Heinze, Peter Israel, Georg Krause, Hans-Peter Lewien, Ulrich Lindner, Jürgen Matschie, Ingeborg Waurisch, Klaus-Dieter Weber, Matthias Weber. Zudem werden einzigartige Filmdokumente aus der Wendezeit, Filmaufnahmen aus den 1980er Jahren und der Dokumentarfilm „Lindenstraße Ost“ mit freundlicher Genehmigung des SWR vorgeführt. Alle Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, ihre wichtigen Bilder aus der Zeit 1980-2000 in die Ausstellung einzufügen.
Die 1980er Jahre waren in Zittau geprägt von Verfall, wirtschaftlichem Niedergang, ökologischem Desaster. Dies spiegelt sich in Fotografien, in denen sich ein hoher gestalterischer Anspruch mit dem Willen zu ehrlicher Dokumentation verbindet. Sie zeigen Zustand und Zerstörung von Stadt und Land in anrührenden Bildern. In stiller Poesie vermitteln sie die Liebe zu dieser Umgebung und ihren Menschen.
Die Pressefotografien dieser Zeit dagegen sollten die offiziellen Vorgaben und Losungen der DDR stützen: die Errungenschaften des Sozialismus, Planerfüllung, Pioniere und FDJ, Aufmärsche, der bewaffnete Frieden. Aus der zeitlichen Distanz erscheinen aber auch diese Bilder widersprüchlich. Es sind ganze Bilderwelten, Erinnerungen und Geschichten, die die Fotos des Herbstes 1989 eröffnen - und ein großes Staunen über die damals schier unfasslichen Ereignisse und eine Revolution. Nach der Euphorie der unmittelbaren Wendezeit wurde der Blick allerdings erbarmungsloser und fiel auf zugemauerte Fenster und Türen, vom Einsturz bedrohte Gebäude. Allmählich entdeckten die Fotografen in den 1990er Jahren jedoch Schönheit und Geschichte, die lauten und leisen Veränderungen in der Stadt neu.
Prädikat: Unbedingt hingehen!
“Bilderwechsel - Zeitenwende?” Fotografie in Zittau 1980 - 2000
Die Städtischen Museen Zittau eröffnen mit einer großen Fotoausstellung das Gedenkjahr „20 Jahre friedliche Revolution und deutsche Einheit“
Die Ausstellung ist bis zum 15. November 2009 täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet
Öffentliche Führungen jeden Sonntag um 15 Uhr. Weitere Führungen auf Voranmeldung.
Museumspädagogisches Begleitprogramm, Gruppen- und Schulangebote. Filmvorführung.
Nachlesen!
Als Begleitpublikation erscheint ein Sonderheft der „Zittauer Geschichtsblätter“ mit Beiträgen von Heiner Eggert, Barbara Stempel und Arwed Vietze.
44 Seiten, über 60 Abbildungen, Preis sechs Euro.
Öffentliche Vernissage!
Sonnabend, 18. April 2009, 15 Uhr,
Klosterkirche Zittau (Eingang Klosterplatz)
Es spricht Heinz "Heiner" Eggert, MdL, Staatsminister a. D.;
Szenen aus dem Theaterprojekt „Wendepunkte“ unter Leitung von Mechthild Roth, Hillersche Villa, Musik: Clemens Winter
Kommentar:
Die "friedliche Revolution" - ein Begriff, den nur Nicht-Revolutionäre geprägt haben können.
Eine richtige Revolution kann nicht friedlich sein (lies nach bei Lenin). So hätte beispielsweise der alte Beamtenapparat zerschlagen werden müssen. Wie lief es aber ab in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)? Die alten "Beamten" wurden gefeuert - und schlüpften als erste unter in den neuen Beamtenpalästen der Arbeitsämter, der Krankenversicherungen, den Verwaltungen. So entgingen sie der einsetzenden Massenarbeitslosigkeit. Merke: Fett schwimmt oben.
Friedliche Revolution klingt nach einem Verdienst der Revolutionäre - ist es aber nicht. Die Friedlichkeit ist einem implodierenden Herrschaftssystem zu verdanken, das Opfer seiner eigenen Doktrin wurde: Auf das Volk konnte man einfach nicht schießen.
Und noch eins: Die sich heute als Revolutionäre brüsten, waren oft genug die Duckmäuser und Karrieristen des alten Systems. Diejenigen aber, die die Wende zwischen Ostsee und Fichtelberg eingeleitet haben, sind heute längst schon wieder mal untergegangen. Revolutionen fressen nun mal ihre Kinder.
Ich trinke jedenfalls ganz stillvergnügt ein Glas chilenischen Rotweins "Auf die Revolution!"
Ihr Fritz R. Stänker
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- Quelle: /red
- Zuletzt geändert am 07.04.2009 - 23:13 Uhr
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