Zug der Erinnerung kommt
Bautzen | Görlitz-Zgorzelec. Als am 8. November 2007 der „Zug der Erinnerung“ in Frankfurt a.M. zur Fahrt durch die Bundesrepublik startete, wurde das von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Erst nach den Querelen mit der Deutschen Bahn AG um die Einfahrt in den Berliner Hauptbahnhof bekam das Projekt in großen Teilen der Öffentlichkeit die gebührende Aufmerksamkeit.
Bautzen 2. und 3. Mai, Görlitz 4. und 5. Mai 2008
Der Zug, der von einer Dampflok gezogen wird und aus mehreren Ausstellungswagen besteht, verkehrt auf der Strecke der früheren Deportationen der Reichsbahn. Dort steuert er die Heimatstädte der über 12.000 Kinder an, die zwischen 1940 und 1944 in die Vernichtungslager verschleppt wurden. Insgesamt soll der „Zug der Erinnerung“ über 3000 Kilometer zurücklegen.
An den früheren Deportationsorten bemühen sich Bürgervereine um Spurensuche nach den deportierten Kindern und Jugendlichen. Die Opfer stammen aus jüdischen Familien, aus Familien der Sinti und Roma oder sind Kinder von Nazi-Gegnern. Ihre Lebenszeugnisse, Fotos, Archivbelege und mündlichen Berichte wird der Zug am Ende der mehrmonatigen Reise zur Gedenkstätte Auschwitz (Oswiecim) bringen. Der Leidensweg der jugendlichen Opfer war in der deutschen Öffentlichkeit bisher weitgehend unbeachtet geblieben.
Massendeportationen von Kindern und Jugendlichen fanden auch in den vormals okkupierten europäischen Staaten statt. Darin erinnert die fahrende Ausstellung mit Biografien aus Norwegen, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Griechenland und Osteuropa. Schätzungen sprechen von bis zu 1,5 Millionen Kindern und Jugendlichen, die nie mehr zurückkehrten.
An den Vorbereitungen der Fahrt durch sieben Bundesländer waren und sind mehrere hundert Freiwillige beteiligt, die mit dem ungewöhnlichen Gedenken auch ein Zeichen gegen Rassenhass, Rechtsextremismus und nationalen Größenwahn setzen wollen. Die erheblichen Kosten der Kampagne, die mit einem bundesweiten Kinotrailer um das Interesse von Jugendlichen wirbt, tragen die Bürgerinitiativen vor allem aus eigener Tasche.
In Bautzen soll der „Zug der Erinnerung“ mit Fotos und Lebenszeugnissen der deportierten Kinder am 2. Mai eintreffen und bis zum nächsten Tag zur Verfügung stehen. In Görlitz kommt der Zug am 4. Mai an und bleibt ebenfalls insgesamt zwei Tage.
Bisher kamen mehr als 160.000 Besucher in die Ausstellungswagen.
Info-Folder:
http://www.zug-der-erinnerung.eu/Veranstaltungen/bautzen-goerlitz2.pdf
Mehr:
http://www.zug-der-erinnerung.eu
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- Quelle: /red | Leser-Tipp: /Beatrice Heinz
- Zuletzt geändert am 30.04.2008 - 18:39 Uhr
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