Ende einer Ausstellung
Görlitz. Die 3. Sächsische Landesausstellung "via regia" hat am 31. Oktober 2011 ihre Pforten geschlossen, ohne jedoch ihre Potenziale ausgereizt zu haben. Für Görlitz hat sie dennoch viel Gutes gebracht.
Eine Sächsische Landesausstellung ist mehr als die Summe ihrer Besucher
Thema: Sächsische Landesausstellung in Görlitz
Die 3.Sächsische Landesausstellung Via Regia findet vom 21.Mai-31.Oktober 2011 in Görlitz statt. Zentraler Austragungsort der Sächsischen Landesausstellung ist der Kaisertrutz in der Görlitzer Altstadt. Schwerpunktthema ist die geschichtsträchtige europäische Handelsstraße Via Regia.
- „Hidden Places“ endet [07.02.2012]
- Erfolgreiche Senckenberg-Schau endet [06.11.2011]
- Zittauer Schau selten gezeigter Exponate endet [10.10.2011]
Mit nicht ganz 170.000 Besuchern anstelle von 300.000 angepeilten kann man dem Projekt nur eine Planerfüllung von nicht einmal 57 Prozent bescheinigen - in Schulnoten übersetzt eine glatte 4, also „ausreichend“ oder „genügend“, je nachdem, wo man die Schulbank gedrückt hat.
Allerdings wäre es nicht fair, die 3. Sächsische Landesausstellung nur anhand der Besucherzahl bewerten zu wollen. Man kann auch mehr kritisieren.
Für eine Region jenseits der Leuchttürme
Zunächst aber die positiven Aspekte, wie sie auch die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Sabine Irene Freifrau von Schorlemer, tunlichst hervorhebt: „Die 3. Sächsische Landesausstellung hat als hochwertiges Kunst- und Kulturereignis viel Aufmerksamkeit für Görlitz und die Oberlausitz erzeugt. Damit hat die Landesaustellung ihr Ziel erreicht, eine Region jenseits der Leuchttürme in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.“
164 Tage lang sei die grundlegende Idee der Kulturhauptstadtbewerbung der Stadt Görlitz, „die Bedeutung der Stadt an der via regia mit ihrer Brückenfunktion im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien in den Mittelpunkt gerückt“ worden. „Hier konnte ein Stück europäische Geschichte erlebt werden. Die Landesausstellung hat damit einen wichtigen Beitrag zur europäischen Integration geleistet“, schlägt von Schorlemer den Bogen.
Tatsächlich sein es den Ausstellungsmachern gelungen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft an der via regia miteinander zu verknüpfen, konstatiert Bettina Probst, Leiterin des Projektes bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Ein Glücksfall für die Ausstellung wie auch für das Kulturhistorische Museum Görlitz war die aufwändige Sanierung des Görlitzer Kaisertrutzes für 5,9 Millionen Euro. Auch das Barockhaus Neißstraße 30 mit der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften wurde im Rahmen des Landesausstellung gründlich saniert.
Grundsolide - aber sonst?
Dennoch: Dem Ausstellungskonzept und dem Ausstellungsmarketing haftet der Geruch des Hausbackenen an. Grundsolide, aber nicht eben mitreißend.
Zu loben ist die Auswahl der Ausstellungsobjekte, die aus mehr als hundert Museen stammten. Von den 450 Objekten stammten allein 60 aus dem heutigen Polen, einige davon ursprünglich aus Görlitz.
Obgleich modern präsentiert, trotz Touch-Sreens, Videos und pfiiffiger Fotostation - Lust auf Entdeckung und Erleben machte das nicht. Die Welt an der via regia wurde schaukastenmäßig präsentiert ohne dem Besucher zu ermöglichen, in diese Welt einzutauchen und die Illusion der Teilhabe zu erleben.
Das Marketing für die Sächsische Landesausstellung kam über reklamehaftes Argumentieren kaum hinaus: Ständig wurde mit erhobenem Zeigefinder belehrt, warum man denn da hingehen sollte. Schwamm drüber, die peinlichsten Facebook-Einträge sind gelöscht und die Lokalzeitung hat aufgehört, ausgerechnet den Görlitzern jeden Tag mehr oder weniger sinnvolle Gründe für einen Ausstellungsbesuch zu verabreichen.
Unterm Strich eine positive Bilanz dürften die Görlitzer Gastronomen und Beherbergungsbetriebe ziehen. „Im Vergleich zu 2009, dem für Görlitz bisher stärksten touristischen Jahr, wurden die Übernachtungszahlen pro Monat jeweils übertroffen, im August sogar um 13 Prozent“, freut sich der Geschäftsführer der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH Lutz Thielemann und geht von ähnlich guten Zahlen bis zum Ausstellungsende aus. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Görlitz-Besucher sei auf 2,2 Nächte angestiegen. Mögen die Tourismusanbieter davon träumen, wie es wäre, wenn doch avisierten 300.000 gekommen wären...
Was bleibt?
Görlitz kann sich über einen Zuwachs an perfekt sanierten historischen Gebäuden freuen. Einige der Ausstellungsvitrinen werden durch das Kulturhistorische Museum Görlitz nachgenutzt. Der mehrsprachige Hörführer durch die Stadt Görlitz, die „via regia - App“ oder die Hörstationen könnten weiterhin Görlitz-Besucher erfreuen. Aber sonst?
Die Karawane zieht weiter: Die nächste Sächsische Landesausstellung soll sich um die reiche sächsische Industriekultur drehen.
Wir sind gespannt,
Ihr Fritz R. Stänker
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- Quelle: red | Foto: privat
- Zuletzt geändert am 31.10.2011 - 22:46 Uhr
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