Zukünftige Dauerausstellungen im Barockhaus Neißstraße 30
Görlitz-Zgorzelec. In einem Museum vereint werden soll mit der Präsentation von Wissenschaft und Kunst um 1800 im Görlitzer Barockhaus Neißstraße 30 die bürgerliche Kultur des Barocks. Seit 1951 ist das Barockhaus eines von drei Ausstellungsgebäuden des Kulturhistorischen Museums Görlitz. Lange musste das Haus auf eine grundlegende Sanierung und Restaurierung warten, die erst jetzt - im Vorfeld der 3. Sächsischen Landesausstellung - durchgeführt wird. Danach werden die barocken Innenräume wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen. So werden die Besucher die Möglichkeit haben, in einem hervorragend erhaltenen historischen Interieur großbürgerliche Kultur des Barockzeitalters sowie Zeugnisse von Wissenschaft und Kunst im Zeitalter der Aufklärung zu besichtigen.

Ausschnitt aus "Der Gartenfreund" von Carl Spitzweg, um 1860/65.
Kleines Bild: Adolf Gottlob Zimmermann "Die Schwestern Amalie Louise und Hermine Mathilde Geller", 1825
Als großzügige Vierflügelanlage um einen langgestreckten Hof ist das Barockhaus eines der imposantesten Wohnhäuser der Görlitzer Altstadt. Der erfolgreiche Görlitzer Textilkaufmann Johann Christian Ameiß ließ es 1726 bis 1729 als Wohn- und Geschäftshaus in bester Lage an der via regia, der wichtigsten Durchgangsstraße der Stadt, errichten. Eine Passage, die mit Wagen befahren werden konnte, führt von der Neißstraße durch den Hof des Hauses bis in die benachbarte Parallelstraße.
Während das Erdgeschoss einst die Geschäfts- und Lagerräume beherbergte, dienten die beiden Obergeschosse als Wohnetagen. Vor allem in den Zimmern des Vorderhauses, in denen sich die Wohnung der Familie Ameiß befand, wurde der erwirtschaftete Reichtum durch eine prachtvolle Bauausstattung - wertvolle Stuckdecken und illusionistisch gemalte Sockel - vorgeführt. Diese Raumfassung hat sich bis heute erhalten und bildet einen idealen Rahmen für die geplanten neuen Ausstellungen.
Im ersten Obergeschoss mit seinen repräsentativen Räumen wird zukünftig die ehemalige Wohnung des Damasthändlers und Bauherrn, Johann Christian Ameiß und seiner Familie zu besichtigen sein. Dafür werden die einzelnen Räume ihren ursprünglichen Funktionen entsprechend eingerichtet. Daran anschließend wird sich im Ostflügel des Hauses eine barocke Kunstkammer befinden, wie sie in vergleichbaren Handelshäusern bestanden hat. In sechs Räumen werden hier herausragende kunstgewerbliche Objekte des 17. und 18. Jahrhunderts präsentiert: Gemälde, Gold- und Silberschmiedearbeiten, Glas, Porzellan- und Fayencegefäße, textile Kunstwerke und gefasste Skulpturen.
An die Kunstkammer schließt sich die Milich´sche Bibliothek des 18. Jahrhunderts mit barocker Raritäten- und Wunderkammer an. In dieser Etage befindet sich ebenfalls die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften, deren historische Räume und herausragende Buchbestände vorgestellt werden.
Das zweite Obergeschoss ist dem Wirken der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften gewidmet, die im Haus von 1804 bis 1945 ihren Sitz hatte. Hier ist als herausragende Kostbarkeit das Physikalische Kabinett des Gelehrten Adolf Traugott von Gersdorf zu bewundern. Es enthält unter anderem die 1792 gefertigte, weltweit einzige erhaltene große Scheibenelektrisiermaschine eines seinerzeit berühmten Amsterdamer Konstrukteurs und auch ein einzigartiges Konvolut an „elektrischen Gemälden“, den so genannten Lichtenbergschen Figuren.
In weiteren historischen Sammlungsräumen, wie dem Altertümerkabinett, dem Literatur- und Musikalienkabinett und dem Graphischen Kabinett, werden erstmals die überregional bedeutenden Görlitzer Bestände zur Kunst- und Wissenschaftsgeschichte der Aufklärungszeit in größerem Umfang öffentlich präsentiert.
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- Quelle: red | Abbildungen: Kulturhistorisches Museum Görlitz
- Zuletzt geändert am 15.10.2010 - 23:32 Uhr
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