Neu im Fotomuseum Görlitz

Neu im Fotomuseum GörlitzGörlitz, 12. April 2018. Seit dem vergangenen Sonntag ist das Museum der Fotografie Görlitz um ein markantes Ausstellungsstück reicher: den voll funktionsfähigen Nachbau einer Daguerreotypie-Kamera. Die Vorlage dazu dürfte aus der Zeit um 1840 stammen.

Fotostadt Görlitz um einen Schatz reicher

Fotostadt Görlitz um einen Schatz reicher

Voigtländer-Kameras aus den Optisch-mechanischen Sammlungen Th. Beier: Links eine Bessa aus den 1930er Jahren für 4,5 x 6 cm große Negative (ohne Beschriftungsring des Skopar-Objektivs), gebaut von 1935 bis 1955, rechts die Brilliant 6 x 6, 1932 bis 1939

Thema: Ausstellungen in Görlitz

Ausstellungen in Görlitz

Görlitz verfügt nicht nur über fast 4.000 Baudenkmale, sondern ist eine Stadt der Museen und Ausstellungen. Hier befinden sich beispielsweise das Kulturhistorische Museum, das Schlesische Museum zu Görlitz, das Museum der Fotografie und das Senckenberg Museum für Naturkunde, im polnischen Teil der Europastadt das Lausitz-Museum. Darüber hinaus gibt es häufig Sonderausstellungen an anderen Orten.

Die Kamera konnte mit der tatkräftigen Hilfe und Unterstützung der jungen Leute aus dem Verein "Wissensvermittlung in der Denkmalpflege" fertiggestellt werden, die Übergabe an das Görlitzer Fotomuseum erfolgte am 8. April 2018. "Ein wundervoller, sehr sauberer Nachbau. Die Mitglieder des Museum der Fotografie haben sich sehr darüber gefreut", so Hans Brettschneider von Verein des Fotomuseums.

Um mit der Kamera fotografieren zu können, ist jedoch das passende belichtbare Material nötig: Versilberte Kupferplatten mit polierter Oberfläche, die mit Joddampf lichtempfindlich gemacht wurden. Brom- und Chlordämpfe steigerten die Lichtempfindlichkeit des Aufnahmematerials, dennoch konnte wegen der langen Belichtungszeiten (anfangs etwa eine Viertelstunde, später – auch wegen des lichtstarken Petzval-Objektivs, dem ersten wissenschaftlich berechneten Fotoobjektiv von 1840 – unter einer halben Minute) von "Fotos schießen" im heutigen Sinne keine Rede sein. Die Bildqualität war jedoch erstaunlich detailreich. Mit jedem Foto entstand genau ein Original, das allerdings seitenverkehrt war. Wegen ihrer empfindlichen Oberfläche wurden die Bilder luftdicht versiegelt.

Die ersten, Daguerreotypisten genannten Fotografen lebten gefährlich: Wegen der Bildentwicklung mit Quecksilberdampf und dem zum Fixieren neben Meersalz und Thiosulfat eingesetzten Zyankali starben sie früh.

Der französischen Maler Louis Jacques Mandé Daguerre hatte das nach ihm benannte, praktikabel anwendbare Fotoverfahren zwischen 1835 und 1839 entwickelt. Weil die französische Regierung das Verfahren kaufte, konnte es zur freien und kostenlosen Nutzung veröffentlicht werden.

Wie die Daguerreotypie die deutsche Fotoindustrie anfeuerte

Das Petzval-Objektiv wurde erstmals vom Optiker Friedrich Voigländer (1867 vom österreichischen Kaiser zu Peter Wilhelm Friedrich Ritter von Voigtländer geadelt) gebaut, der auf Grundlage der Daguerreotypie robuste Kameras herstellte, die runde Bilder lieferten. 1868 verlegte der Fotopionier seine Firma nach Braunschweig, wo sie zu Weltruhm gelangte.

Bis Mitte der 1960er Jahre überzeugte die Firma Voigtländer mit Qualität und Innovationen im Kamerabau und in der Optik. Strategische Fehler und hohe Produktionskosten führten dazu, dass zu dieser Zeit Pentax und Nikon in Technologie und Preis die Marktführerschaft übernahmen. Bis 1981 verwendete Rollei die Marke Voigtländer für Kameras aus dem Rollei-Werk in Singapur, die preislich unterhalb der Rollei-Produkte angesiedelt wurden. Heute ist Voigtländer eine reine Handelsmarke.

Prädikat: Hingehen!
Museum der Fotografie Görlitz
Löbauer Straße 7, 02826 Görlitz
Geöffnet dienstags bis sonntags von 12 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung.

Die abgebildeten Voigtländer-Kameras gehören nicht zur Ausstellung des Fotomuseums.

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  • Quelle: red | Abbildung Fotomuseum: Hans Brettschneider, Voigtländer-Kameras: © BeierMedia.de
  • Zuletzt geändert am 12.04.2018 - 06:55 Uhr
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