Unerhört! Expressionismus in Görlitz

Unerhört! Expressionismus in GörlitzGörlitz, 7. Februar 2018. Wenn sie sich angesprochen fühlen, dann machen sie auch mit, die Görlitzer. Die Volksbeteiligung, die das Kulturhistorische Museum der Stadt Görlitz im Jahr 2016 mit seinem Aufruf, Exponate und Geschichten zur Mitmach-Ausstellung "Erfahrung DDR!" beizusteuern, auslöste, ermutigte die Einrichtung, die in Görlitz im Barockhaus Neißstraße 30, im Kaisertrutz und im Reichenbacher Turm zu Hause ist, daran anzuknüpfen und erneut auf die Geschichtsverbundenheit der Görlitzer zu setzen.
Abbildung: Dieses Foto entstand 1925 und zeigt eine illustre Gesellschaft auf den Stufen der Oberlausitzer Gedenkhalle mit Kaiser-Friedrich-Museum zum 70. Geburtstag von Prof. Ludwig Feyerabend, dem ersten Museumsdirektor von Görlitz. Der Jubilar ist in der Bildmitte (mit Blumenstrauß) zufinden. Unter den Gästen finden sich u.a. Georg Snay (mit Zylinder hinter Frau Feyerabend), der von 1906 bis 1927 Görlitzer Oberbürgermeister war und der jüdische Industrielle und Mäzen Martin Ephraim (links neben Snay).

Wer kann Fotos aus den Zwanzigern beisteuern?

Thema: Ausstellungen in Görlitz

Ausstellungen in Görlitz

Görlitz verfügt nicht nur über fast 4.000 Baudenkmale, sondern ist eine Stadt der Museen und Ausstellungen. Hier befinden sich beispielsweise das Kulturhistorische Museum, das Schlesische Museum zu Görlitz, das Museum der Fotografie und das Senckenberg Museum für Naturkunde, im polnischen Teil der Europastadt das Lausitz-Museum. Darüber hinaus gibt es häufig Sonderausstellungen an anderen Orten.

Für die neue Sonderausstellung "Unerhört! Expressionismus in Görlitz", die ab dem 2. Juni 2018 im Kaisertrutz zu sehen sein soll, bitten die Museumsleute wieder um Unterstützung: Gesucht werden Fotos, die in Görlitz entstanden sind und Fotos von Görlitzern, jeweils aus den Jahren von 1918 bis zum Ende der Weimarer Republik Anfang 1933.

Gab es in Görlitz die Goldenen Zwanziger, die Roaring Twenties, die Années folles?

So eng kann man das gar nicht sehen, beschränken sich die Goldenen Zwanziger doch auf die Zeit von etwa 1924, als die weltweite Konjuntur Geld vor allem aus den USA nach Deutschland spülte, bis zur einsetzenden Weltwirtschaftskrise 1929. Vorangegangen war die schwierige und turbulente Zeit nach dem Ersten Weltkrieg: Hunger, Krankheiten Putschversuche, Attentate und Hyperinflation. Und schon bald brachte die Weltwirtschaftskrise die Massenarbeitslosigkeit, politische Instabilität und Kämpfe zwischen Nazis und Kommunisten mit sich.

Dennoch: Eine spannende Zeit. Der Jazz blühte auf, die Art Deco strebte ihrem Höhepunkt zu, Maler politisierten sich und hielten der Gesellschaft einen Spiegel vor, wie es im Kaiserreich undenkbar gewesen wäre. In Görlitz wandten sich Künstler dem Expressionismus zu. Erstmals hatten Frauen in Deutschland das Wahlrecht, das Abtreibungsrecht wurde abgemildert und die Emanzipation machte einen großen Schritt vorwärts.

Auch in Görlitz zog die neue Zeit ein. Immer mehr Frauen nahmen am gesellschaftlichen und Vereinsleben teil, Jazzmusik dröhnte aus den Lokalen und in der Stadthalle wurde Jugendweihen gefeiert.

Heute fragt das Kulturhistorische Museum: Wie haben Ihre Vorfahren, Ihre Groß- und Urgroßeltern diese spannenden Jahre erlebt?

Schon damals wurde fotografiert. Mitte der Zwanzigerjahre trat der Kleinbildfilm endgültig seinen Siegeszug an, wenn auch der Planfilm und vor allem der Rollfilm die Kameras noch lange dominieren sollten. Fotoabzüge waren so wertvoll, dass Fotoalben angelegt wurden, oft als Familienarchive mit Portraits an wichtigen Lebensstationen. Das Görlitzer Ratsarchiv und die Bestände des Kulturhistorischen Museums besitzen Fotos aus jener Zeit, hätten jedoch gern mehr Einblick.

Wer hat Aufnahmen von Görlitz aus den 1920er Jahren?


"Bitte leihen Sie uns Ihre Fotos oder Fotoalben. Die Kassen im Kaisertrutz und im Barockhaus Neißstraße 30 nehmen sie bis zum 29. März 2018 gegen eine Quittung entgegen. Sie erhalten Ihre Bilder schon bald zurück!", appelliert die für die im Museum für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Kerstin Gosewisch. Wer die Familienfotos bereits digitalisiert hat, sollte die Bilder mit Angaben zu den Personen, Orten und dem Entstehungsjahr an die E-Mail-Adresse ausstellung@goerlitz.de senden. Natürlich kann man auch erst einmal anrufen: Die Telefonnummern sind 03581 - 67-1354 und 03581 - 67-1691.

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