Geld für Jugend- und Soziokultur in Görlitz

Geld für Jugend- und Soziokultur in GörlitzGörlitz, 5. Januar 2018. Gestern hat die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva-Maria Stange einen Förderbescheid über rund 1,03 Millionen Euro an den Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege übergeben. Damit wird aus dem Programm "Brücken in die Zukunft" die bauliche Einrichtung eines Zentrums für Jugend- und Soziokultur in einem Gebäude des ehemaligen Werks I des Görlitzer Waggonbaus bezuschusst. Der Umbau zum Kulturzentrum mit Veranstaltungsraum, Workshop-, Seminar- und Büroräumen wird aktuell mit Kosten in Höhe von insgesamt rund drei Millionen Euro kalkuliert.
Abbildung oben: Ein bisschen wie Weihnachten: Görlitz bekommt Geld geschenkt für sein künftiges Zentrum für Jugend- und Soziokultur. Im Bild Staatsministerin Dr. Stange und Oberbürgermeister Deinege.

Angebote für die deutsch-polnische Region

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Die Görlitzer Jugend (nicht im Bild) freut sich auf ihr neues Zentrum, ebenso die Politik, von links: Octavian Ursu (CDU), MdL, der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege, Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange, Thomas Jurk (SPD), MdB.

Ministerin Dr. Stange charakterisierte den Zweck des Jugendzentrums so: "Mit dieser Einrichtung wird Görlitz ein Zentrum bekommen, welches am gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt in der Stadt arbeiten wird. Diese Begegnungsstätte für Jugendliche und kulturell interessierte Bürger jeden Alters wird nicht nur künstlerische Betätigungen und Begegnungen ermöglichen, sondern auch wichtige kulturelle Bildung leisten. In solch einem kommunalen Haus haben alle Interessenten die Möglichkeit mitzumachen, weil es keine Eintrittsschranken geben wird. Die Angebote gelten grenzüberschreitend für alle Interessierten aus Görlitz, Zgorzelec und der Umgebung."

Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege wurde noch konkreter: "Der Bau des Zentrums für Jugend- und Soziokultur WERK I ist ein zukunftsweisendes und einmaliges Projekt für die Entfaltung neuer kultureller, pädagogischer sowie gesellschaftlicher Perspektiven, insbesondere für unsere jüngere Generation. Durch das Soziokulturelle Zentrum wird ein neuer Ort der Kreativität, des Dialoges und der Begegnung aller Altersgruppen in einer ehemaligen Industriebrache inmitten unserer Stadt geschaffen. Die Herangehensweise, die zukünftigen Betreiber bereits in der Planungsphase inhaltlich und konzeptionell zu involvieren, ist innovativ und sichert die Akzeptanz und Funktionalität des Zentrums."

So entsteht das Görlitzer soziokulturelle Zentrum

Das Jugend- und Soziokulturelle Zentrum soll in der ehemaligen Furnierhalle auf dem Werk I-Gelände, das großenteils zu einem Parkplatz umgewandelt wurde und außerdem praktischerweise Sitz der Polizeidirektion Görlitz ist, untergebracht werden. Die 1904 erbaute Halle diente auch als Lackierwerkstatt, was Altlasten ahnen lässt. Auf jeden Fall muss der gesamte, teils belastete Fußboden abgebrochen und eine neue durchgehende Bodenplatte gegossen werden.

Seit Anfang der 1990er Jahre steht das Gebäude leer, entsprechend ruinös ist es inzwischen. Deshalb sollen bei der Sanierung zuerst das einsturzgefährdete Dach sowie Einbauten weggerissen werden. Ausgesprochen löblich ist das Ziel, den Industriecharakter des Gebäudes weitgehend zu erhalten. Wie so etwas geht, kann man sich im Erlwein-Forum im Dresdener Ostra-Park auf dem früheren Schlachthofgelände ansehen. Diese große Veranstaltungshalle eignet sich für Konzerte, Ausstellungen, Tagungen und als Restaurant-Theater.

In der Görlitzer Industriehalle sollen beispielsweise die Stahlstützen erhalten bleiben – gestrahlt und mit Korrosions - wie auch Brandschutz versehen (was viele nicht wissen: Stahl kann brennen). Auch das neue Dach muss dem Brand-, Wärme- und Schallschutz gerecht werden. Wände und Fenster hingegen nur eine minimale Sanierung, die dem Substanzerhalt dient. Wo immer es geht, sollen in der früheren Werkhalle Einbauteile geborgen und im neuen Zentrum platziert werden. Sicher ist schon, dass der Hallenkran dazugehören wird.

Durch die Haus-in-Haus-Lösung werden in der früheren Furnierhalle mit modernen Bauweisen neue Räume geschaffen. Herz des Hauses wird ein Veranstaltungssaal für ungefähr 300 Besucher. Außerdem entstehen Werkstätten, ein Jugendclub, ein Bandprobenraum, Büros, eine Workshopküche und selbstverständlich Sanitäranlagen.

Geld für Infrastruktur soll zur Zukunftfähigkeit beitragen

Das Programm "Brücken in die Zukunft", aus dem nun Geld nach Görlitz fließt, ist im Jahr 2015 vom Sächsischen Landtag aufgelegt worden. Sein Ziel ist die weitere Verbesserung der Infrastruktur in den sächsischen Städten, Gemeinden und Landkreisen.

Im Vorfeld des Förderverfahrens hatten die sächsischen Kommunen Pläne für Projekte (Maßnahmenpläne) erstellt, die die Staatsregierung bestätigt hat. So wurde "Brücken in die Zukunft" zum größten Investitionsprogramm in die kommunale Infrastruktur seit 1990: insgesamt 800 Millionen Euro stehen dafür bereit. Davon kommen rund 156 Millionen Euro aus Mitteln des Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes des Bundes sowie jeweils 322 Millionen Euro vom Freistaat und von der kommunalen Seite. Leicht auszurechnen: Bei einem Fördersatz von 75 Prozent werden insgesamt Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro ermöglicht – die Finanzierbarkeit der Eigenanteile durch klamme Kommunen und Landkreise vorausgesetzt. Dabei hilft: Der Umbau der einstigen Werkanlagen zum Zentrum für Jugend- und Soziokultur wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.


Kommentar:

Nun kommt es, dieses Jugend-Sozio-Kultur-Zentrum, das alles auf diesem Gebiet in Görlitz Bestehende übertrifft, und das ist möglicherweise auch gut so – auch wenn das Konzept eines Jugendzentrums für Besucher aller Altersgruppen auf den ersten Blick ein wenig verwirrend scheint. Aber vielleicht ist "forever young" sogar in der Rathausspitze angekommen; dem motobikenden Görlitzer Oberbürgermeister wird ja eh ein Rocker-Gen nachgesagt. Naja, und die Mitglieder des künftigen Betreibervereins werden auch nicht jünger.

Außerdem und schließlich muss man die Potenziale in den einzelnen Alterszielgruppen beachten: Das Methusalem-Potenzial in Görlitz ist nun mal hoch. "Wer alle erreichen will, erreicht schließlich keinen", lautet hingegen eine alte Marketing-Weisheit. Aber das muss – siehe für immer jung – in diesem Fall nicht zutreffen, meint Ihr

Thomas Beier

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  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier | Foto Stange/Deinege: Florian Krätschmer, Foto Ursu/Deinege/Stange/Jurk: Matthias Wehnert
  • Zuletzt geändert am 05.01.2018 - 08:06 Uhr
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