Der Bauhausstil und seine architektonischen Besonderheiten

Der Bauhausstil und seine architektonischen BesonderheitenGörlitz, 14. November 2017. Zum Erfolg der "Filmstadt Görlitz" trägt sicher bei, dass hier die unterschiedlichsten Baustile zu finden sind. Nur, wer nach dem Bauhhausstil sucht, muss – abgesehen von den neuen Einfamilienhäusern auf der Büchtemannstraße – in den Landkreis Görlitz ausweichen. Dort finden sich mit der Scharoun-Villa "Haus Schminke" in Löbau und dem Zittauer Theater beeindruckende Beispiele. Genau genommen gibt es jedoch kein klassisches Beispiel des Bauhaus-Stils. Aus architektonischer Sicht gibt es nicht ein bestimmtes Design, das "typisch Bauhaus" ist. Dennoch vereint alle Bauhaus-Werke ein besonderes Konzept: diese Bauwerke beeindrucken mit einem klaren reduzierten Stil, der von schnörkellosen Elementen Abstand nimmt.
Abbildung oben: Das Haus des Nudelfabrikanten Fritz Schminke (1897 bis 1971) in Löbau, entworfen 1930 vom Architekten Hans Scharoun.

Die Geschichte des Bauhausstils

Die Geschichte des Bauhausstils

Das 1936 erbaute Theater Zittau greift die Funktionalität des Bauhausstils auf, folgt aber der seit etwa 1935 von Albert Speer geprägten Formensprache der nationalsozialistischen Architektur.

Nach seiner Gründung im Jahr 1919 und der Ansiedelung in Dessau ab 1925 etablierte sich das Bauhaus als einflussreichste Schule für die Immobiliengestaltung in Deutschland. Bauhaus-Gründer Walter Gropius verfolgte mit dem Konzept das Ziel, einen Stil zu erschaffen, der eine "vollkommene Harmonie in der technischen Zweck-Funktion sowie den Proportionen der Formen" erzeugt. Der Bauhausstil sollte künstlerische Züge mit den Vorteilen der Massenproduktion vereinen. Von kunstvollen Ideen in industrieller Ausführung war die Rede. Denn Gropius hatte es sich zur Aufgabe gemacht, dass hochwertige Designs in allen gesellschaftlichen Schichten Einzug halten.

Geradlinigkeit und Schlichtheit stehen im Fokus

Die Tatsache, dass das Bauhaus in Dessau schon 1932 von der den Gemeinderat dominierenden NSDAP geschlossen wurde und sich nach dem Umzug nach Berlin im Juli 1933 dort endgültig auflöste, hinderte das Baukonzept nicht an seinem Siegeszug, im Gegenteil: Es beflügelte ihn eher, weil viele Lehrkräfte und Schüler emigrierten. Bis heute erfreut sich die Bauhaus-Konzeption großer Beliebtheit, die gewiss auf deren Schlichtheit und Geradlinigkeit basiert. Obwohl Gebäude dieses Stils auf Schnörkellosigkeit und Funktionalität ausgelegt sind, mangelt es den Häusern und Bauten nicht an ihrem speziellen Charme. Schließlich wirken die Gebäude zwar nüchtern, teils unterkühlt. Doch farbenfrohe Gemälde, Keramik, bunte Teppiche oder Holzplastiken bereichern die Bauhaus-Tradition.

Das Bauhaus-Farbkonzept

Häuser im Bauhausstil sind die richtige Wahl für alle zukünftigen Immobilienbesitzer, die sich von kitschigen Designs und Ausstattungen distanzieren möchten. Wer eine schlichte Raumgestaltung bevorzugt und zurückgenommene Ästhetik zu schätzen weiß, wird gewiss eine Vorliebe für Häuser im Bauhausstil entwickeln.

Neben der Architektur hat das Bauhauskonzept heutzutage auch bei bestimmten Möbelreihen Einzug gehalten. Freischwingende Sessel sind ein Paradebeispiel für Bauhausmobiliar. Generell zeichnen sich Häuser und Möbel durch ein geradliniges und zeitloses Designkonzept aus. Flachdächer, rechte Winkel, Glas und ein schlichtes Weiß als dominanter Farbton sind die wichtigsten Charakteristika des Bauhausstils. Generell ist das Farbspektrum des Bauhaus-Konzepts sehr beschränkt. Besonders häufig werden neben Schwarz- und Weißtönen rote, gelbe und blaue Nuancen verwendet. Diese Designelemente werden durch Grundformen wie Kreise, Quadrate und Dreiecke abgerundet.

Neben der Architektur hat das Bauhaus einen weiteren, wenn auch indirekten Bezug zum Landkreis Görlitz. In Weißwasser/O.L. war Prof. Wilhelm Wagenfeld, der 1925 am Bauhaus die berühmte, auch "Bauhaus-Lampe" genannte Wagenfeld-Tischlampe aus Chromstahl und weißem Glas geschaffen hatte, ab 1935 bis zur Einberufung 1942 und dann noch einmal 1943 künstlerischer Leiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke AG (VLG). Heute erinnert in der Glasmacherstadt der Prof.-Wagenfeld-Ring an den bedeutenden Designer, der sich der Zusammenarbeit mit den Nazis stets widersetzt hatte und deshalb in einem Strafbataillon an der Ostfront dienen musste. Wagenfeld starb 1990 in Stuttgart.

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  • Quelle: red | Fotos: Zittauer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 14.11.2017 - 12:15 Uhr
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