100 Jahre Kreuzkirchenpark in Görlitz

100 Jahre Kreuzkirchenpark in GörlitzGörlitz, 11. Februar 2016. Mit seiner markanten Exposition nach Südwesten ist der unterhalb der Görlitzer Kreuzkirche gelegene Kreuzkirchenpark eine wertvolle öffentliche Grünanlage in der Görlitzer Südstadt. Von hier hat man Ausblick bis zum Görlitzer Hausberg, der Landeskrone.

Im August: Lange Nacht im Kreuzkirchenpark

Thema: Baudenkmale

Baudenkmale

Besonders zum "Tag des offenen Denkmals" und zum "Tag der offenen Sanierungstür" rücken Baudenkmale in den Fokus des Interesses. Die Stadt Görlitz wie die ganze von Kriegszerstörungen weitgehend verschonte Oberlausitz haben eine Fülle davon und laden zur Entdeckung ein.

Dabei kennen diesen Park wohl die meisten Görlitzer vom winterlichen Besuch mit den Kindern und dem Schlitten. Geschaffen wurde der Park von Beginn an mit einer Vielzahl an Möglichkeiten, die dem Freizeit- und Erholungsverhalten der Besucher ganz im Sinne eines Volksparkes entgegen kommen sollten. So sind eine Planschwiese und ein späteres Planschbecken in unmittelbarer Nähe des Sonnenlandgrabens nachweisbar, heute in dieser Form jedoch nicht mehr vorhanden. Auch der Spielplatz dürfte bereits mehrere Jahrzehnte lang fester Bestandteil im Kreuzkirchenpark sein.

Federführend durch den damaligen Gartendirektor Heinrich Diekmann wurde bereits 1913 eine Planung für den vorläufig so genannten „Südpark“ vorgelegt. Die Stadt versprach sich eine bessere Vermarktung der neu zu bebauenden Grundstücke an der Reuterstraße. So empfahl Diekmann den Stadtverordneten, baldmöglichst mit dem Bau der Parkanlage zu beginnen.

Errichtet mitten im Ersten Weltkrieg

Durch die schweren Jahre des ersten Weltkrieges hindurch begann die Gestaltung des Parks im Jahr 1914. Sogenannte Notstandsarbeiter verrichteten dabei schwere Handarbeit, um das steil abfallende Gelände zu regulieren und um später Wege-, Rasen- und Pflanzflächen herstellen zu können. Besondere Baumarten fanden Platz in der Gehölzverwendung und sind heute als charakteristische Bäume mit beeindruckender Größe wahrnehmbar. Prägnant für den Kreuzkirchenpark sind die teilweise steil abfallenden Parkwege oder der große Wiesenraum inmitten des Parks, welcher einen schönen Blick in die Landschaft erlaubt. Der Einweihung der Evangelische Kreuzkirche am 9. März 1916 folgte im Herbst desselben Jahres die Fertigstellung der Parkanlage.

Parkpflege - ein schwieriges Kapitel

Seitdem ist der Kreuzkirchenpark aus der Görlitzer Südstadt nicht mehr wegzudenken und fester Bestandteil der Görlitzer Garten- und Parklandschaft. Die Jahrzehnte der weiteren Entwicklung waren geprägt von immer weiter abnehmenden Möglichkeiten einer fachgerechten Pflege und Unterhaltung. Betrachtet man Fotografien aus den 1950er Jahren, so zeigt sich ein einzigartiges Gartenbild, welches in besonders schöner Weise mit dem Kirchenbau korrespondiert und gartenkünstlerisch als herausragend gewertet werden kann.

Schauen wir heute in die Parkanlage, fallen zunächst eine Vielzahl baulicher Mängel, insbesondere an den Parkwegen auf. Andere Defizite werden erst bei genauerer Betrachtung deutlich. Beispielsweise wurden in den 1980er Jahren Laubbäume vor die eindrucksvoll wirkende Nadelbaumkulisse gepflanzt. Waren diese Nachpflanzungen zu Beginn der 1980er Jahre kaum wahrnehmbar, verfügen diese heute über eine beachtliche Größe und Ausdehnung. Weitere Gehölze konnten mangels Pflege durch Aufwuchs an Größe gewinnen. Einerseits erwächst hieraus eine unmittelbare Beeinträchtigung der Nadelgehölze durch Lichtkonkurrenz und fehlenden Wuchsraum, andererseits wird sich das beabsichtigte Gartenbild in den nächsten Jahren entgegen der ursprünglichen Gestaltungsabsichten verändern.

Veränderungen im Kreuszkirchenpark

In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege wird daher durch das Sachgebiet Stadtgrün möglicherweise bereits in den nächsten Wochen die Fällung einiger Laubbäume beauftragt. Hiervon betroffen sind 19 jüngere Laubbäume mit einem Alter von bis zu 40 Jahren. An anderer Stelle sollen Lücken und ursprüngliche Standorte wieder mit Laub- und Nadelgehölzen besetzt werden. Diese insgesamt zehn Nachpflanzungen werden bereits im kommenden Frühjahr realisiert.

Mit den geplanten Korrekturen am Gehölzbestand wird denkmalgerechte Wiederherstellung der Parkanlage, die schrittweise erfolgen soll, im Jubiläumsjahr 2016 begonnen. Weitere Aufwertungen, die im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten in diesem Jahr beauftragt werden können, sind die Verbesserung der Wegeverhältnisse und die Erreichbarkeit des Parks im oberen Eingangsbereich sowie die Erweiterung von Sitzgelegenheiten am oberen Aussichtspunkt durch das Aufstellen neuer Parkbänke.

Wie in anderen öffentlichen Parkanlagen auch, soll mit mindestens zwei Namensschildern der Park als Kreuzkirchenpark für jeden Besucher kenntlich gemacht werden. Mit der Fertigung dieser Schilder, die in ihrer traditionellen Gestaltung ein Görlitzer Merkmal sind, wird der heimische Holzbildhauer Jens Burkert beauftragt.

Engpass Finanzierung

Durch diese ersten Aufwertungen können zunächst lediglich kleine Akzente im Kreuzkirchenpark gesetzt werden. Weitere Sanierungsschritte, insbesondere für die Erhaltung und Verbesserung der Parkwege, sind dringend notwendig, hängen jedoch im Wesentlichen von den finanziellen Möglichkeiten der Grünanlagenunterhaltung in den kommenden Jahren ab. Besonders erschwerend dabei ist, dass der Kreuzkirchenpark in keinem Fördergebiet liegt und sämtliche Maßnahmen aus eigenen finanziellen Mitteln bestritten werden müssen. Dennoch sollen im Jubiläumsjahr diese längst anstehenden Arbeiten beginnen.

Parkfest im Sommer

Als besonderes Ereignis ist schließlich geplant, dieses Jubiläum mit einem Parkfest im Sommer gemeinsam mit den Görlitzern zu feiern. Derzeit laufen die Vorbereitungen zu einer "Langen Nacht im Kreuzkirchenpark", die am 12. August 2016 stattfinden soll. Das Sachgebiet Stadtgrün freut sich auf die Zusammenarbeit mit und Unterstützung durch die Evangelische Kreuzkirchengemeinde und weitere Akteure. Das Veranstaltungsprogramm wird rechtzeitig bekanntgegeben.

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  • Quelle: red | Foto: W. Wolf, um 1950, Bildquelle: Stadtverwaltung Görlitz
  • Zuletzt geändert am 11.02.2016 - 10:57 Uhr
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