Weltgrößte Weihnachtspyramide angeschoben

Weltgrößte Weihnachtspyramide angeschobenJohanngeorgenstadt, 15. Dezember 2014. Wenn die Sachsen als findig gelten, dann sind die Erzgebirger die allerfindigsten. Auch wenn es um neue Traditionen geht, wie beispielsweise das "Pyramiden-Anschieben", mit dem die Großpyramiden in der Weihnachtszeit in Bewegung gesetzt werden - gut geschmiert mit Glühwein und Grog, versteht sich. Der Görlitzer Anzeiger, der immer wieder mal gern von "woanders" berichtet, war gestern im westerzgebirgischen Johanngeorgenstadt bei einem ganz besonderen Ereignis dabei: Dem erstmaligen Anschieben der mit 26 Metern Höhe weltweit größten Weihnachtspyramide.

Johanngeorgenstädter lieben es übergroß

Johanngeorgenstädter lieben es übergroß

Das Schwibbogenfest wird in Johanngeorgenstadt gefeiert, weil hier der allererste Schwibbogen entstanden sein soll. Bekanntestes Motiv ist aber der von Paula Jordan entworfene "Schwarzenberger Schwibbogen".

Thema: Woanders

Woanders

"Woanders" - das ist das Stichwort, wenn der Görlitzer Anzeiger auf Reisen geht und von Erlebnissen und Begegnungen "im Lande anderswo" berichtet. Vorbildliches, Beispielhaftes und Beeindruckendes erhält so auch im Regional Magazin seine Bühne.

Die neue Großpyramide ist - nicht ohne Grund - aus Edelstahl hergestellt. Die Idee und das nötige Kleingeld dazu hatte nämlich der Johanngeorgenstädter Unternehmer Siegfried Ott und der ist beruflich mit seiner Firma FOX Sportauspuffanlagen Blech Design GmbH - Metallverarbeitung mit Edelstahl befasst.

Als Unternehmer hat Ott auch den nötigen Weitblick, wie er in seiner kurzen Ansprache bewies: "Falls einer glaubt, er könne uns übertrumpfen und eine noch größere Weihnachtspyramide bauen, dann hat er schlechte Karten. Unsere Ryramide ist modular aufgebaut und es ist überhaupt kein Problem, noch eine Etage draufzusetzen."

Foto Pyramidenanschieben
Bergkapelle, Bergknappschaft, Bürgermeister Holger Haschek und Landrat Frank Vogel waren zum Anschieben der neuen Pyramide gekommen

Allerdings haben die Johann'städter (so wird die Stadt in der Gegend genannt) Pyramidenbauer erst einmal gründlich vorgelegt: Zu den 26 Metern Höhe sind elf Meter Flügelspannweite zu nennen, für das Fundament mussten 600 Tonnen Beton eingerührt werden.

Die 20 - von unten 2,20 Meter bis ganz oben 1,50 Meter großen - Figuren, auf der Pyramide treppenförmig angeordnet, sind aus Eichenholz geschnitzt und werden von einer hochwertigen Dünnschichtlasur vor der Witterung geschützt - schließlich soll die Pyramide ganzjährig in Betrieb sein und ein weiterer Touristenmagnet werden.

Entstanden sind die Figuren, die Persönlichkeiten aus der Johanngeorgenstädter Stadtgeschichte darstellen, während eines deutsch-tschechischen Holzbildhauersymposiums im Oktober 2014, zu dem Ott und der Erzgebirgszweigverein eingeladen hatten. So wurden die Figuren von den geschickten Händen von Bildhauern aus Deutschland und Tschechien, besonders aber aus dem Erzgebirge erst gesägt und dann geschnitzt.

Beispielsweise schuf Paul Brockhage aus Schwarzenberg den in Johanngeorgenstadt geborenen Dichter Max Schreyer, der das Lied vom Vogelbeerbaum (Vuglbärbaam) geschrieben hat. Andere der Pyramidenbewohner stehen stellvertretend für eine Berufsgruppe, so der Feuerwehrmann des ebenfalls aus Schwarzenberg kommenden Hartmut Rademann, der für die 145-jährige Wehr der Bergstadt steht. Mit einem Augenzwinkern hat sich Pyramidenstifter Ott samst Firma verewigt, denn auch ein Auspuffbauer dreht seine Runden in luftiger Höhe.

Die Figuren der Johanngeorgenstädter Großpyramide und ihre Erschaffer:
(von unten nach oben)

  1. "Exulant auf der Flucht" von Friedhelm Schelter
  2. "Kurfürst Johann Georg der Erste" von Robby Schubert
  3. "Schuldirektor Christian Friedrich Röther" von Michael Rössel-Rothe
  4. "Max Schreyer" von Paul Brockhage
  5. "Johanngeorgenstädter Bergmeister" von Jesko Lange
  6. "Wittigsthaler Hammerschmied von Dietmar Lang
  7. "Steinbacher Zinnseiffer" von Jörg Bäßler
  8. "Glasmacher aus Jugel" von Peter Duus
  9. "Schatullentischler" von Peter Eberlein
  10. "Bergschmied mit Schwibbogen" von Uwe Demmrich
  11. "Handschuhnäherin" von Tobias Michael
  12. "Auspuffbauer" von Ronny Tschierske
  13. "Wismutkumpel" von Siegfried Ott
  14. "Grenzer" von Heinz Günther
  15. "Feuerwehrmann" von Hartmut Rademann
  16. "Prof. Dr. med. habil. Heinz Eger" von Andrej Löschel
  17. "Skispringer" von Pavel Vitek
  18. "Sommerfrischlerin" von Volker Sesselmann
  19. "Klöpplerin" von Holm Ludwig
  20. "Schnitzer" von Johannes Düring
Eine Übersicht über die Künstler, die Figuren und ihre Hintergrundgeschichte steht zum Download (330 KB) bereit.

Die Profile der Stahlträger der Pyramide sollen noch verkleidet werden - mit blitzeblankem Edelstahl, versteht sich.

Der größte Schwibbogen ist schon da

Für einen Paukenschlag hatte Siegfried Ott bereits zum 20. Schwibbogenfest im Jahr 2012 gesorgt, als der größte freistehende Schwibbogen der Welt zu leuchten begann.

Schwibbogen
Während die bergmännisch geprägte Johanngeorgenstädter Heimatpyramide zur Weihnachtszeit weiter ihre Runden dreht, zieht im Hintergrund der Riesenschwibbogen die Blicke auf sich.

Der aus Edelstahl - was sonst - gefertigte Schwibbogen misst immerhin 25 Meter in der Breite und ragt 14,50 Meter in die Luft. Er zeigt das Schwarzenberger Motiv mit zwei Bergleuten, die einen Schild mit den sächsischen Kurschwertern halten. An ihm hängt ein Hufeisen, das für die Bergschmiede steht. Darunter steht die Bergmannstruhe mit Schlägel und Eisen. Die Wunderblume weist auf die überaus reiche Sagenwelt des Erzgebirges hin, die aufgehende Blüte dagegen auf die verbreitete Volkskunst. Lichterspinne, Engel und Räuchermann (Raachermannl) stehen für die Weihnachtszeit. Klöppelfrau und Schnitzer vertreten die Volkskunst des Erzgebirges.

Der Entwurf zum Schwarzenberger Schwibbogen stammt von der Leipziger Grafikerin Paula Jordan (1896-1986). Er war zur Feierohmd-Schau in Schwarzenberg 1937/38 entstanden und wurde sogar auf die Eintrittkarten gedruckt. Zur Gestaltung des Schwibbogens hatte der Schwarzenberger Badewannen- und Waschmaschinenfabrikant Friedrich Emil Kraus, der auch die Feierohmd-Schau initiiert hatte, aufgerufen.

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Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Vorname von Prof. Heinz Eger ist falsch

Von Johannes Schönfelder am 12.10.2017 - 22:32Uhr
Obermedizinalrat Professor Dr. med. habil. Eger heißt nicht Karl-Heinz, sondern nur H e i n z . Ich hatte darauf bereits hingewiesen.

Johannes Schönfelder, sein Klassenkamerad
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Anmerkung der Redaktion:
Danke für den Hinweis, haben wir gern korrigiert.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger.de
  • Zuletzt geändert am 14.12.2014 - 13:18 Uhr
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