Deutschlandweite Lieferengpässe bei medizinischem Cannabis

Deutschlandweite Lieferengpässe bei medizinischem CannabisGörlitz, 22. Januar 2018. Seit März 2017 darf Cannabis von Ärzten per Rezept verschrieben werden. Auch in Görlitz profitieren Patienten, die beispielsweise an Multipler Sklerose erkrankt sind, von dieser Regelung. Deutschlandweit reichten bereits in den ersten beiden Monaten etwa 6.500 Patienten Verordnungen ein, die abgerechnet wurden. Mittlerweile ist die Anzahl auf mehr als 13.000 Anträge gestiegen, was zu bundesweiten Lieferengpässen führt.
Abbildung oben: Für chronisch an Schmerzen leidende Patienten ist ärztlich verordnetes Cannabis in bestimmten Fällen oftmals wirksamer und weniger belastend als sehr starke Schmerzmedikamente. Bis zur Legalisierung von Cannabis für diesen Zweck war es ein langer Weg.

Samen ja, aber Anbau nur mit Sondergenehmigung

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Schmerzpatienten leiden oftmals unter sozialer Isolierung und Einsamkeit

Bevor Cannabis als Medikament zugelassen wurde gab es rund 1.000 Menschen in Deutschland, die mit einer Ausnahmeregelung legal Cannabis konsumieren durften, zunächst in Tablettenform aus der Apotheke. Ab 2016 durfte in Ausnahmefällen sogar selbst angebaut werden. Mit dem neuem Gesetz ist es Patienten nun möglich, auf Rezept natürliches Cannabis in der Apotheke zu bekommen.

Als das Gesetz im vergangenen März in Kraft trat, ging das CDU-geführte Gesundheitsministerium von ca. 700 Anträgen pro Jahr aus. Nach Berichten der Rheinischen Post waren es bereits nach zehn Monaten über 13.000. Die Zeitung hat dafür die großen gesetzlichen Krankenkassen AOK, Barmer Ersatzkasse und Techniker Krankenkasse befragt. Laut dieser Umfrage bewilligten die Krankenkassen zwei Drittel der eingegangen Anträge. Abgelehnt wurden formal unvollständige Anträge sowie unklare Fälle, wie etwa ein Bandscheiben-Patient, der bislang nur mit Wärme temperaturbehandelt wurde.

Gedacht ist die Freigabe von medizinischem Cannabis laut Gesetzgeber für Schmerzpatienten mit schweren, chronischen Krankheiten. Eine konkrete Liste über Krankheiten führt das Gesetz allerdings nicht mit auf.

Die Bundesregierung nimmt die hohen Antragszahlen positiv auf. Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, sagt dazu: "Die steigende Zahl der Genehmigungen zeigt, wie wichtig es war, dieses Gesetz im letzten Jahr auf dem Weg zu bringen." Der Deutsche Hanfverband beklagt sich andererseits über die Lieferengpässe. Deutschland importiert derzeit den Großteil des medizinischen Cannabis aus den Niederlanden und Kannada. Ab 2019 strebt die Bundesregierung an, auch in Deutschland Cannabis anzubauen. Bis 2022 sollen es bis zu 6,6 Tonnen sein.

Cannabis ohne Rezept wird auch weiterhin in Deutschland illegal bleiben, legal ist aber das Online Bestellen von Hanfsamen aus dem Internet. Die Händler beziehen die Cannabis Samen von Samenbanken aus EU-Ländern, in denen der Handel mit dem Samen erlaubt ist. Wichtig: Aufgrund des europäischen Handelsabkommens ist das Bestellen dieser Hanfsamen legal, der anschließende Anbau jedoch verboten!

Der Besitz einer Marihuana-Pflanze bleibt somit illegal und sobald ab 2019 Cannabis-Pflanzen in Deutschland staatlich kontrolliert angebaut werden, könnten auch die Ausnahmeregeln für den Anbau durch Schmerzpatienten wieder zurückgezogen werden.

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  • Quelle: red | Foto Hände vor Gesicht: geralt / Gerd Altmann, Foto am Wasser: Antranias / Manfred Antranias Zimmer, beide pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 22.01.2018 - 10:39 Uhr
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