Klinikum Görlitz mit renaler Denervation gegen Bluthochdruck

Görlitz, 4. November 2013. Wer an Bluthochdruck (Hypertonie) leidet, der mit Medikamenten nicht behandelbar oder nur schwer einstellbar ist, dem eröffnet das Städtische Klinikum Görlitz seit September 2013 mit der renalen Denervation (etwa: die Niere betreffende "Nerven-Stilllegung") eine neue Chance auf Linderung. Unumstritten ist das im Jahr 2009 in Deutschland eingeführte HiTech-Verfahren jedoch nicht.

Risiko für Folgeerkrankunegn senken

Bei der renalen Denervation zielt die Behandlung darauf ab, zielgerichtet feine Nervenfasern des Sympathikus in den Nierenarterien zu veröden, weil diese, so das Klinikum in einer Mitteilung, für die Entstehung des Bluthochdrucks mit verantwortlich seien.

Wie wird operiert?

Über die Leistenarterie wird ein spezieller Ballon, auf dessen Oberfläche sich acht Elektroden befinden, eingeführt. In den Nierenarterien werden diese Elektroden mit hochfrequentem Strom auf 50 bis 70 Grad Celsius erhitzt - ausreichend, um die entsprechenden Nervenfasern zu veröden. Für den Patienten werden die gespürten Belastungen während des etwa halb- bis dreiviertelstündigen Eingriffs mit starken Schmerzmedikamenten wirksam reduziert.

Dass der hochmoderne Ballon an sich schon die Belastungen für die Patienten verringert, betont der Kardiologie Dr. Hans-Steffen Gabel. Die eigentliche Verödung dauert jetzt nur eine Minute pro Nierenarterie, im Gegensatz zu einer reichlichen Viertelstunde mit herkömmlichen einpoligen Kathetern. Die notwendige Überwachungszeit nach dem Eingriff, in der die Patienten noch im Krankenhaus bleiben müssen, beträgt zwei Tage.

Am Görlitzer Klinikum werde die die renale Denervation kardiologisch-angiologischen Gemeinschaftspraxis Ullrich/Gabel durchgeführt, so Dr. Wolfgang Wilke, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Klinikums.

Das bewirkt die Operation

Nach Angaben des Klinikums stellt sich die Blutdruckabsenkung meist nach wenigen Wochen ein. Nach aktueller Studienlage würden die Mediziner davon ausgehen, heißt es weiter, dass bei ca. 85 Prozent der Patienten der Bluthochdruck nach dem Eingriff deutlich reduziert ist (die Fachliteratur spricht von einer Blutdrucksenkung von 11 mmHg systolisch nach einem halben Jahr, wobei dieser Wert durchaus davon abhängig ist, wie erfolgreich die Nervenfasern des Sympatikus verödet wurden und welche konkreten Ursachen dem Bluthochdruck zugrunde liegen). Auch wenn sie nicht medikamentenfrei werden, würden die Patienten doch nach dem Eingriff besser auf die Medikamente ansprechen oder weniger davon einnehmen müssen.

Die Senkung des erhöhten Bluthochdrucks kann das verstärkte Risiko für die bekannten Folgeerkrankungen (wie Herzinfarkt, Schlaganfall und chronische Herzschwäche) senken. Auch würden positive Effekte auf den Diabetes mellitus berichtet.

Was Kritiker sagen

In Fachkreisen gibt es für die renale Denervation starkes Pro und Kontra. Zu den in unterschiedlichen Quellen zu findenden Gegenargumenten gehört, dass die zur Steuerung das Ballons erforderliche Kontrastmittelgabe (Grundlage dafür, die Position des Ballons auf einem Bildschirn sichtbar zu machen) von bestimmten Patienten nicht vertragen wird. Außerdem wird angeführt, die Barorezeptorstimulation, bei der ein Schrittmacher dem biologischen Drucksensor in der Halsschlagader einen besonders hohen Blutdruck vorgaukelt, so dass der Körper reagiert und den Blutdruck um 30 bis 50 mmHg reduziert, benötige einen kleineren Eingriff bei vermutlich höherer Blutdrucksenkung. Auch seien die Langzeitfolgen der renalen Denervation auf die Nieren und die Blutgefäße noch nicht gesichert.

Dennoch werden in das Verfahren große Hoffnungen auch in Bezug auf weitere Krankheitsbilder gesetzt, deren Symptome gelindert oder die sogar geheilt werden könnten.

Mehr:
http://www.hochdruckliga.de
http://www.klinikum-goerlitz.org

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  • Quelle: red
  • Zuletzt geändert am 04.11.2013 - 03:37 Uhr
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