Die "DDR": Eingeknastet - Zwang - Arbeit

Die "DDR": Eingeknastet - Zwang - ArbeitCottbus / Chóśebuz, 15. Juni 2017. Noch immer glauben viele Cottbusser die Stasi-Mär, die Insassen ihres heimatlichen, traditionsreichen Zuchthauses seien allesamt Kleinkriminelle gewesen, die sich ihren Aufenthalt dort nur zu Recht verdient hätten. Nein – es waren fast ausnahmslos rein politische Gefangene, die in Cottbus einsaßen. Viele wurden irgendwann "vom Westen" freigekauft, andere wollten bleiben, Familie und Heimat nicht verlieren, hofften auf ein besseres Land.
Abbildung oben: Die Transportschleuse ins Zuchthaus Cottbus.

Einladung zur Eröffnung der Ausstellung "HAFT – ZWANG – ARBEIT im Zuchthaus Cottbus 1933 bis 1989"

Einladung zur Eröffnung der Ausstellung "HAFT – ZWANG – ARBEIT im Zuchthaus Cottbus 1933 bis 1989"

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Thema: Menschenrechte

Menschenrechte

Menschenrechte sind weltweit Thema. Die Erinnerung an die "sozialistische Rechtsprechung" und das SED-Unrecht sowie die vorangegangene Nazi-Diktatur mahnen, auch in Deutschland Menschenrechte nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern immer wieder dafür einzutreten.

Am Sonntag, dem 10. Dezember 2017, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, wird High Noon die neue Dauerausstellung "HAFT – ZWANG – ARBEIT im Zuchthaus Cottbus 1933 – 1989" im Menschenrechtszentrum Cottbus auf der Bautzener Straße 140 eröffnet. Trotz zahlreicher Publikationen zur Stasi-Untersuchungshaft und dem Strafvollzug in der "DDR" sowie einiger Veröffentlichungen speziell zur Zwangsarbeit politischer Häftlinge in den vergangenen zwei Jahren gibt es bisher keine Ausstellung, die sich ausschließlich mit dem Thema Zwangsarbeit politischer Häftlinge im Strafvollzug der "DDR" und in der Zeit des Nationalsozialismus in der Form befasst wie die neue Cottbuser Ausstellung. Zahlreiche Informationen, authentische Objekte aus der jeweiligen Epoche und Zeitzeugeninterviews in Schrift und Film ermöglichen einen bewegenden Einblick in den Arbeitsalltag, die Arbeitsbedingungen, besonders die Auflehnung von Häftlingen und die darauf folgenden Disziplinarmaßnahmen.

Der Begriff "Zwangsarbeit" wird bisher in der öffentlichen Wahrnehmung mit der Zeit des Nationalsozialismus assoziiert. Dennoch wird er in der zeithistorischen Forschung auch für die Häftlingsarbeit im Strafvollzug der "DDR" genannt. Sogar das Grundgesetz erlaubt im Artikel 12 "Zwangsarbeit nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung". Die "Pflicht zur Arbeit" ist außer in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Sachsen heute weiterhin die Regel in den Justizvollzugsanstalten. Worin besteht also der Unterschied zur Arbeitspflicht in den beiden deutschen Diktaturen? "Wir waren zu Unrecht inhaftiert, insofern wären wir in einem Rechtsstaat niemals den Arbeitsbedingungen in der Haft ausgesetzt gewesen. Sie waren schwerer als in Zivilbetrieben, gerade weil wir unter Haftbedingungen arbeiten mussten. Wer die hohe Norm nicht erfüllte oder die Arbeit verweigerte, musste mit harten Disziplinarmaßnahmen rechnen", erklärt der Vorsitzende des Menschenrechtszentrums, Dieter Dombrowski, der Mitte der 1970er Jahre im Zuchthaus Cottbus einsaß und heute als CDU-Abgeordneter im Brandenburger Landtag sitzt.

Die Ausstellung endet mit einem Ausblick in die heutige Zeit: Zum einen wird kurz die Rechtslage im heutigen Deutschland geschildert. Was allerdings in Deutschland der Vergangenheit angehört, ist in vielen Ländern der Welt bis heute grausame Realität. Die Volksrepublik China hat die Repression und Ausbeutung von Menschen aus politischen, religiösen und ethnischen Gründen in ihrem Haftlagersystem perfektioniert. Ein verzweigtes Netz von hunderten Arbeitslagern mit angeschlossenen Produktionsstätten überzieht das riesige Land. In der Ausstellung wird der 360°-3D-Kurzfilm "LAOGAI – Umerziehung durch Arbeit" gezeigt, der in einer sehr beklemmenden Art die Verhältnisse eines fiktiven Haftarbeitslagers in China anspricht. Er ist von Jugendlichen im Rahmen eines Filmworkshops unter der Anleitung des Regisseurs Erik Schiesko in den Herbstferien gedreht worden. Besucher können ihn mit der innovativen Methode einer 360°-Brille sehen und sich dadurch mitten ins Geschehen versetzen.

Ab 14 Uhr ist eine Podiumsdiskussion zum Thema "HAFT – ZWANG – ARBEIT gestern und heute" vorgesehen. Mit dem Kurator der Ausstellung, Dr. Jan-Philipp Wölbern diskutieren Dieter Dombrowski, Hans-Christian Hoffmann, ebenfalls ehemaliger politischer Häftling in Cottbus, und der Leiter der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen, Oliver Allolio. An diesem Tag ist der Besuch der Gedenkstätte kostenfrei. Besucher sind herzlich eingeladen!

Prädikat: Hingehen!
Sonntag, 10. Dezember 2017, Podiumsdikussion 14 Uhr,
Menschenrechtszentrum Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus.

Ach so: Die Ausstellung wurde mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stiftung Lausitzer Braunkohle finanziert.

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  • Quelle: red
  • Zuletzt geändert am 14.11.2017 - 23:45 Uhr
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