"Moschee" Görlitz: Zuviel Aufregung?

"Moschee" Görlitz: Zuviel Aufregung?Görlitz, 12. März 2017. In Görlitz haben sich Muslime einen Gebetsraum eingerichtet. In der Stadt, die über die Jahrhunderte immer wieder vom Zuzug profitiert hat, sorgt das für DIskussionen. Dabei ist es doch selbstverständlich, dass Anhänger einer Glaubensrichtung einen Ort zur Versammlung und für das Gebet einrichten. Matthias Wehnert aus Görlitz hat Informationen zusammengestellt und im Gebetsraum fotografiert.
Abbildung: Im muslimischen Treffpunkt in Görlitz.

Stellungnahmen der Sächsischen Begegnungsstätte und der Stadtverwaltung Görlitz

Stellungnahmen der Sächsischen Begegnungsstätte und der Stadtverwaltung Görlitz

Statt "Helm ab zum Gebet!" ziehen die Muslime die Schuhe aus.

Stellungnahme von Dr. Muhammed R. Wellenreuther

Dr. Wellenreuther ist für die Öffentlichkeitsarbeit der Sächsischen Begegnungsstätte gemeinnützige SBS-gUG (haftungsbeschränkt) zuständig und auf eine Anfrage von Matthias Wehnert wie folgt geantwortet (sinnwahrend redaktionell bearbeitet):

Sehr geehrter Herr Wehnert.

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir können natürlich das Interesse der Görlitzer Bevölkerung nachvollziehen. Aber kommen wir konkret zur Beantwortung Ihrer Fragen:

Hat die SBS diese Räume angemietet – oder gekauft?
Die Räume in der Spremberger Straße sind angemietet.

Für welche Zwecke sollen die Räume genutzt werden?
Die Räume werden als Treffpunkt unserer Mitglieder in Görlitz genutzt. Diese Treffen dienen dem sozialen, kulturellen und religiösen Austausch unserer Mitglieder. Selbstverständlich verrichten wir auch das Gebet zusammen, wenn wir uns treffen. Im privaten Wohnumfeld sind solche Treffen nicht durchführbar und der Weg nach Dresden zu weit. Aus diesem Grund hielten wir es für erforderlich, die Schaffung eigener Räumlichkeiten zu unterstützen.

Zu welchen Zeiten werden die Räume genutzt?
Abends und am Wochenende bzw. in Zeiten, in denen man nicht arbeitet oder zur Schule geht. Es gibt keine festen Zeiten, die Nutzungszeiten richten sich nach dem individuellen Bedarf. Derzeit umfasst unsere Gemeinde rund 40 bis 50 Mitglieder

Betreibt die SBS diese Räume selbst – oder ist sie nur Makler für eine andere Institution oder Körperschaft?
Die SBS ist alleiniger Mieter

Wie bewerten Sie die Aussage des Sächsischen Verfassungsschutzes, das die SBS Räume in Verbindung oder im Auftrag der Muslimbruderschaft anmietet oder verkauft?

Diese Aussage entbehrt jeder Grundlage. Wir können auch nicht nachvollziehen, was den Verfassungsschutz bewogen hat, mit einer derart diskreditierenden Aussage an die Öffentlichkeit zu gehen. Mit Ausnahme eines SBS Standortes sind alle anderen angemietet, was auch sehr einfach zu belegen ist.

Welche Möglichkeiten haben Nicht-Muslime, an Veranstaltungen innerhalb der Räume teilzunehmen bzw. sich die Räume anzusehen?
Unsere Räume stehen grundsätzlich allen Besuchern für alle Aktivitäten offen. Wir planen auch regelmäßige Veranstaltungen wie das gemeinsame Fastenbrechen im Ramadan, der Tag der Offenen Moschee am 3. Oktober und natürlich auch individuell vereinbare Besichtigungstermine. In Dresden führen wir den Dialog mit der Bevölkerung schon seit Jahren erfolgreich durch. Zur Zeit haben wir in Dresden 4 bis 5 Besuchergruppen im Monat (Schulklassen, kirchliche und karitative Verbände, gemeinnützige Bildungsträger, Familienberatungsstellen etc.).
Wir verzeichnen in Dresden seit rund zwei Jahren ein sprunghaft gestiegenes Interesse der Bevölkerung an solchen interkulturellen Veranstaltung und sehen diesen Bedarf schon heute auch im ländlichen Raum Sachsens. Deshalb werden wir solche Aktivitäten auch in Görlitz anbieten. Eine der karitativen Organisationen mit denen wir in Dresden zusammenarbeiten ist die Hillersche Villa gGmbH, die auch in Zittau und Görlitz tätig ist. Mit der Görlitzer Filiale bestehen bereits Kontakte, wir haben einen Besuchstermin Anfang April in Dresden und bereiten uns auch auf eine künftige Zusammenarbeit in Görlitz und Zittau vor.

Wer ist Ansprechpartner für diesen Versammlungsort?
Wir haben für Görlitz ein Mitglied als Ansprechpartner zur Verfügung, der gut integriert ist und auch fließend deutsch spricht. Im Augenblick sind aber wir noch zentraler Ansprechpartner, weil der Standort Görlitz organisatorisch noch im Aufbau ist.

Nachtrag und einige grundsätzliche Anmerkungen:
Ich lebe seit 2006 in Dresden und habe hier die Entwicklung der muslimischen Gemeinde(n) miterlebt. Damals lebten in Dresden ein paar Hundert Muslime. Heute rund 10.000, die sich auf 3 muslimische Zentren verteilen. Die Mehrheit dieser Migranten kann man als gut integriert bezeichnen. Das Zusammenleben dieser muslimischen Bevölkerung mit der einheimischen Bevölkerung funktioniert unauffällig und problemlos. Ich selbst vertrete viele dieser Muslime in Dresden in verschiedenen Gremien des interreligiösen Dialogs.

Grundlage und Voraussetzung dieser Entwicklung waren aber auch die drei Gemeindezentren (türkische Moschee, Islamisches Zentrum und Marwa Elsherbiny Kultur- und Bildungsverein) als soziale und religiöse Treffpunkte. Wir halten deshalb die Bereitstellung solcher Zentren an weiteren Orten außerhalb der großen Städte für dringend erforderlich.

Ich werde im Westen oft gefragt "was ist denn bei Euch da drüben wieder los..." Das passiert meistens dann, wenn das rechte Parteienspektrum Schlagzeilen macht oder Asylantenunterkünfte in Flammen stehen. Eine Minderheit ramponiert den Ruf und das Image einer ganzen Region. Ich halte nichts von einer Stigmatisierung einer ganzen Bevölkerungsgruppe aufgrund ihrer kulturellen und religiösen Herkunft. Das wirkt polarisierend und führt zu nichts.

Genauso wenig bringen Spekulationen einen Nutzen. In diesem Zusammenhang sehe ich auch die Aussagen des sächsischen Verfassungsschutzes.

Ich wurde vor kurzem im Sportstudio von türkischstämmigen Muslim aus Bielefeld angesprochen als er sah, dass ich zwischen zwei Kursen in einer stillen Ecke mein Abendgebet verrichtet hatte: "Das hätte er in Dresden nicht erwartet... ob ich denn keine Angst hätte..." Diese Frage bekomme ich oft von Besuchern aus dem Westen gestellt. Ich pflege stets zu antworten, dass ich als Muslim in Dresden genauso sicher oder unsicher lebe wie in Bielefeld oder Mannheim. Ich bin beruflich gut situiert, in einigen Vereinen aktiv, habe viele ostdeutsche Freunde und lebe vor allem als praktizierender Muslim ohne Akzeptanzprobleme. Ich nehme mein Grundrecht auf freie Religionsausübung als eine Selbstverständlichkeit in Anspruch. Dieses Verhältnis setzt aber auch ein Stück Akzeptanz und Transparenz voraus – von beiden Seiten.

Dieses Selbstverständnis lebe ich als Vorstandsmitglied eines der drei Dresdener Moscheevereine aus. Fragen, Ängste und Vorbehalte aus der Bevölkerung kann ich nachvollziehen. Die sind zum Teil auch berechtigt und wir versuchen im Rahmen des interkulturellen Dialogs diese auch abzubauen. Der Umstand, dass ich sowohl in deutschen als auch in der Kultur der Herkunftsländer vieler Migranten verwurzelt bin, verschafft mir da gewisse Vorteile, ist aber zugleich eine Verpflichtung, mich in diesem Bereich ehrenamtlich zu engagieren.

Lange Rede kurzer Sinn – aus den oben genannten Gründen haben Dr. Elgazar und ich letztes Jahr die Sächsische Begegnungsstätte gegründet.

Mit freundlichen Grüßen

yours sincerely / sincères salutations / dostça selamlarla / التَّحِيَّات أطيَب مَع

Dr. Muhammed R. Wellenreuther

Und das sagt die Stadt Görlitz

Martin Wehnert hat die nachstehende Stellungnahme der Stadtverwaltung Görlitz ünbermittelt:

Dass in der Spremberger Straße 8a ein muslimisches Begegnungszentrum eingerichtet wurde, ist an die Stadtverwaltung Görlitz durch Hinweise aus der Bevölkerung herangetragen worden. Bei zwei Vorort-Kontrollen wurde festgestellt, dass die Einrichtung der Gewerbeeinheit auf eine Nutzung bzw. beabsichtigte Nutzung als Gebetsraum hinweist. Der Nutzer/Mieter hat das der Stadt Görlitz in einem offenen Brief am Montag so bestätigt.

Ob die Nutzung unter baurechtlichen Gesichtspunkten genehmigungspflichtig ist, wird zurzeit geprüft. Das ist auch dem Nutzer/Mieter so mitgeteilt worden. Bei der Beurteilung der Genehmigungsfähigkeit spielen die Anzahl der Personen eine Rolle, die sich dort aufhalten wollen, die Tageszeiten, zu denen Veranstaltungen stattfinden usw.

Zuvorderst werden die baurechtlichen Rahmenbedingungen geprüft. Für weitergehende Fragen sind in erster Linie die Sicherheitsorgane, wie Verfassungsschutz und Polizei zuständig. Wir sind überzeugt, dass deren evtl. Aktivitäten der o.g. Organe in Abstimmung und Absprache mit der Stadt Görlitz erfolgen.

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Kommentare Lesermeinungen (4)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Illegale Moschee

Von Jens am 17.03.2017 - 10:57Uhr
Na, da wird ja bestimmt gleich die Rassismus- und Nazikeule rausgeholt werden, wenn sich jemand gegen diese illegale Nutzung wendet.

Ich erwarte von der Stadt und besonders vom Herrn Deinege, dass mit der gleichen Härte das Gesetz durchgesetzt wird wie bei jedem anderen Mieter, Eigentümer oder Bauherren. Das kann nur sofortige, mit Androhung eines empfindlichen Bußgelds bewehrte Nutzungsuntersagung bedeuten.

Und falls im geordneten Verfahren dann ein Antrag gestellt wird, dann kann der "Siggi" doch mal eine echte Bürgerbeteiligung machen und die Görlitzer dazu entscheiden lassen.

Gebetsraum

Von Lorelay am 12.03.2017 - 22:22Uhr
Hier werden jetzt langsam die Strukturen geschaffen für die unsere Kinder büßen werden.Wehret den Anfängen... bekämpft dieses Gift jeder Zivilisation.

Den Islam zurück nach Mekka mitsamt seinen Anhängern!

Lachhaft der vorherige Kommentar...

Überall, wo sich der hasserfüllte Islam breitmacht, werden Andersgläubige oder Atheisten verfolgt und ermordet. Ihr verdammten Mörder!
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Redaktioneller Hinweis:
Rechtschreibung in die deutsche Sprache übersetzt.

Illegale Moschee

Von Moritz Maxmeier am 12.03.2017 - 19:11Uhr
Eine illegale (nach deutschem Baurecht) Moschee in Görlitz...

Ich habe mehrere Fragen zu diesem Thema:

1. Ist das eine vorübergehende Einrichtung, bis die Geflüchteten wieder in ihre Heimatländer zurück kehren können?

2. Ist es richtig eine Warnung seitens des Verfassungsschutzes zu verharmlosen? -> Wie würden wir reagieren, wenn es sich um ein rechtskonservatives Kulturzentrum handeln würde (das unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stünde)?

3. Brauchen wir noch mehr Religion in unserer aufgeklärten Gesellschaft?

4. Wissen wir wirklich, wer diese Leute sind, für die wir uns liebend gern verbürgen wollen (der Imam stammt wohl aus Ägypten und steht der Muslimbruderschaft nahe -> siehe SZ Artikel vom 11.03.17 "Görlitz hat eine Moschee")?

5. Wir haben seit vielen Jahren gut integrierte Muslime in Görlitz, warum brauchten diese Menschen bisher keine Moschee?

6. Warum muss ich einen Schuppen ohne Baugenehmigung abreißen, eine Veranstaltung ohne Genehmigung abbrechen, temporäre Veranstaltungen in nicht dafür ausgelegten Stätten baulich nachbessern oder absagen und hier wird erst einmal geprüft?

Muslimischer Gebetsraum Görlitz

Von Randolph Braumann am 12.03.2017 - 10:37Uhr
Leute, entspannt euch. Ich lebe seit 60 Jahren mit Moscheen und Minaretten. Erst im Ruhrgebiet, dann in London, Beirut und Hamburg. Und das Erstaunliche: Ich lebe noch. Allah'u akhbar.

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  • Quelle: red | Fotos: Matthias Wehnert
  • Zuletzt geändert am 12.03.2017 - 07:57 Uhr
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