Bone zum 50.

Bone zum 50.Görlitz, 10. Februar 2017. Von Thomas Beier. Weggefährten aus Görlitz und Freunde aus der ganzen Welt gratulieren dem Görlitzer Dichter Steeven Fabian Bonig, genannt Bone, zum heutigen 50. Geburtstag. Am Vorabend hat er mit dem Görlitzer Anzeiger gesprochen.
Abbildung: Erinnerungen an das zuletzt nur noch Bonehaus genannte Haus des Dichters am Görlitzer Obermarkt und die Zerstörung der Kunstinstallatation.

Ein Mensch im Umbruch

Ein Mensch im Umbruch

Ein Glas Rotwein und ein gutes, gern historisches Buch – das ist nicht Dichter-Klischee, sondern Fundgrube für einen anregenden Gedankenaustausch.

Bonig hat den Untergang des Bonehauses als Zäsur in seinem Leben empfunden und das getan, was in solchen Situationen bleibt, nämlich zu fragen: Was ist das Gute am Schlechten? Er hat einen Schnitt gemacht gegenüber Leuten, die seine Nähe nur aus Eitelkeit suchten und nicht da waren, als es am nötigsten war. Und dennoch: Das Haus am Obermarkt mit seiner eigenen Aura, das in gewisser Weise an den Raum der Wünsche in Andrej Tarkowskis Film "Stalker" erinnert, ist ein Teil seines Lebens.

"Zehn Jahre Bonehaus, das sind drei große Phasen", erläutert Bonig:

  • Phase 1:
    Drei Jahre Bauzeit im guten Einvernehmen mit dem Hauseigentümer, um das Haus zu retten, den weiteren Verfall zu stoppen.

  • Phase 2:
    Drei Jahre, in denen das "Haus des Dichters" mit Hilfe engagierter Leute gestaltet und in atemberaubendem Tempo weltberühmt wird. Sein guter Ruf steht für Görlitz als Stadt kultureller Entfaltungsmöglichkeiten.

  • Phase 3:
    Ein drei Jahre währender Niedergang: Immer mehr Leute schmücken sich mit dem Ruf des Hauses, verbreiten aber, um sich wichtig zu machen, Unsinn, der von sensationslüsternen Unbeteiligten dankbar aufgegriffen wird und ob seiner Quantität schließlich als Fakt gesetzt, oder, wie Bonig sagt, "amtlich" wird. Infolge der dadurch ausgelösten Handlungen sieht sich der Hauseigentümer schließlich veranlasst, den künstlerischen Ort zu zerstören.

  • Was dann kam, war ein Jahr, in denen Bonig und wenige gute Freunde versuchten zu retten, insbesondere die Werkstatt und das historische Handwerkszeug.

In seiner Blütezeit war das Haus des Dichters ein Ort des Austauschs von Ideen und Gedanken. Weil man hier rein gar nichts kaufen konnte (dafür gibt es "Mannis Tanke"), spielte der soziale Status keine Rolle. Der Lehrling diskutierte mit dem Professor, der Kult-Org mit dem Handwerker. Es war, als ob das Haus die Menschen zur Rückbesinnung auf ihre Wurzeln und ihre ureigensten Anliegen führte.

Dichterische Beschreibung

Nun wäre Steeven Fabian Bonig der Bone, wenn er die Vorgänge um das Haus des Dichters nicht auf anderer Ebene beschreiben würde:

Der Zauberkünstler holt ein weißes Kaninchen aus dem schwarzen Hut. Die Hälfte des Publikums findet darin die Lösung des Welthungerproblems. Es entbrennt ein Streit mit der anderen Hälfte, die skandiert: "Wir sind Vegetarier!" Nur ein verschwindend geringer Teil des Publikums weiß, dass es besser ist, jetzt nichts zu sagen, denn das Kaninchen ist ein Plüschtier.
Der Theaterdirektor jedoch verweigert die Gage, weil er einen Zauberer und keinen Kaninchenzüchter haben wollte. Schließlich bekommt der Zauberer Ärger mit dem Veterinäramt wegen nicht artgerechter Tierhaltung.


Mit diesem "verschwindend geringen Teil des Publikums" feiert Bonig heute seinen 50. Geburtstag.

Vom Bonehaus zu ohne Haus

- so blickt Bonig auf das vergangene Jahrzehnt zurück und grinst. Er weiß, welche Frage nun kommt: Wie weiter?

Die Antwort gibt er wieder dichterisch:

In den 20ern schreibt man Gedichte, wie schön die Frauen sind,
in den 30ern dann die Wahrheit,
in den 40ern, wie schrecklich die ganze Welt ist
und mit 50 fängt das Ganze nun nochmal von vorne an
und man macht Gedichte,
wie so wunderschön doch Falten und Haarausfall sind.

Nachsatz

Der erwähnte Stalker-Film beginnt mit einem Hinweis auf die Zone. Wer die Zusammenfassung der Handlung auf Wikipedia liest, muss bei den ersten beiden Sätzen an eine ganz bestimmte Stadt denken:

Ausgangspunkt der Handlung ist eine in Zeit und Ort nicht näher beschriebene Stadt, die am Rande eines als "Zone" bezeichneten Gebietes liegt. In dieser Zone geschehen seltsame Dinge, es gibt rätselhafte Erscheinungen, deren Ursache zum Zeitpunkt der Handlung schon Jahre zurückliegt und nur vermutet werden kann.

Schon jetzt ist das sogenannte Bonehaus Legende. In fernen Zeiten wird man sich die Mär erzählen vom Haus, in dem alle gleich waren, vom Ort, der die Geschichte mit der Gestaltung des kulturell-geistigen Lebens verband.

Schade, dass Görlitz nicht die Kraft hatte, diese auch für den Tourismus wichtige Besonderheit zu erhalten. Andere Orte machen vor, welche Potentiale außerhalb des Hochglanzbroschüren-Tourismus bestehen, sei es allein durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten wie beim Lügenmuseum in Radebeul oder die Einigkeit eines ganzen Ortes, sich als "das verruckte Dorf" zu definieren und eine Ausstellung von Eigentümlichkeiten als Attraktion zu ermöglichen (der Görlitzer Anzeiger berichtete). Auch das erzgebirgische Schwarzenberg begreift nach und nach, dass das Spiel mit dem "was wäre, wenn" der Freien Republik Schwarzenberg mehr Gäste anlockt als austauschbare 08/15-Tourismuswerbung.

Viele gute Leute haben Görlitz verlassen. Hoffen wir, dass Steeven Fabian Bonig bleibt.

Im Görlitzer Anzeiger erfahren Sie mehr!
Berichte aus dem Bonehaus

Teilen Teilen
Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort
Weitere Artikel
 
  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 10.02.2017 - 09:28 Uhr
  • drucken Seite drucken