Brückenpark (Park Mostow) Görlitz-Zgorzelec: Start!

Brückenpark (Park Mostow) Görlitz-Zgorzelec: Start!Görlitz, 5. Januar 2017. Am heutigen Donnerstag übergaben der Zgorzelecer Bürgermeister Rafał Gronicz und der Leiter des Gemeinsamen Sekretariats des Kooperationsprogrammes INTERREG Polen-Sachsen 2014-2020 in Breslau (Wrocław), Pawel Kurant, an den Görlitzer Bürgermeister Dr. Michael Wieler den unterzeichneten Zuwendungsvertrag für das deutsch-polnische Projekt "Brückenpark / Park Mostow". Das Vorhaben umfasst die Revitalisierung und Neugestaltung von Parkanlagen und Freiflächen beiderseits der Neiße in der Europastadt Görlitz-Zgorzelec.
Abbildung oben: Gekennzeichnet sind die deutschen und polnischen Areale, die mit dem "Brückenpark" aufgewertet werden sollen. Die aktuell beantragten und bewilligten Module sind nicht extra markiert. Quelle: Stadtverwaltung Görlitz.

An der Neiße entsteht ein Begegnungs- und Kontaktbereich für Görlitzer und Zgorzelecer

An der Neiße entsteht ein Begegnungs- und Kontaktbereich für Görlitzer und Zgorzelecer

Der Scheck für das Brückenparkprojekt in der Hand von (v.l.) Bürgermeister Rafał Gronicz, Bürgermeister Dr. Michael Wieler und Sekretariatsleiter Pawel Kurant.

Gronicz: "Unsere Ämter bereiten jetzt die Vergabeunterlagen vor, damit es im Frühjahr mit den Bauarbeiten losgeht." Auf polnischer Seite sei man über die Förderzusage sehr erfreut und arbeite als Lead-Partner mit Hochdruck an der Umsetzung des zukunftsweisenden Projekts. Der Zgorzelecer Bürgermeister betonte, dass mit der Umsetzung der Bauvorhaben die Bürger beider Städte an der Neiße neue Möglichkeiten der gemeinsamen und partnerschaftlichen Begegnung hätten. Dr. Wieler ergänzte, dass es seitens der Görlitzer großes Interesse an dem gemeinsamen Projekt gebe: "Die zwei Seiten der Europastadt rücken dadurch weiter zusammen."

Der "Brückenpark" ist die Idee des gemeinsamen Stadtlebens von Bewohnern aus Görlitz und Zgorzelec in einem beide Teile der Europastadt verbindenden Park. Dabei sollen historisch gewachsene und neu entwickelte Parks und Freiflächen eine Grünverbindung über die Lausitzer Neiße hinweg bilden. Ein Netz kurzer Wege und Brücken soll die Nutzung verschiedener städtischer Angebote für alle erschließen und Begegnungen erleichtern. Das Projekt greift die stadtplanerische Leitidee einer bereits um 1910 geformten Erholungslandschaft auf.

Der Neubau der Altstadtbrücke war 2004 ein starkes Zeichen und eine praktische Erleichterung für den Austausch innerhalb der Europastadt. Weitere Schubkraft für mehr Miteinander lieferte die gemeinsame Bewerbung zur "Kulturhauptstadt Europas 2010". In dieser Zeit war der Name "Brückenpark" aufgekommen.

Erste Aufwertungen der Uferzonen jede der Teilstädte für sich realisiert. Während Zgorzelec die Gestaltung des östlichen Ufers vorantrieb, die Erneuerung des Popiełuszko-Platzes und weiterer Freiflächen am Städtischen Kulturhaus (Miejski Dom Kultury, frühere Oberlausitzer Gedenkhalle, im Volksmund Ruhmeshalle genannt), gestaltete und reparierte Görlitz das Altstadtufer und formte mit dem Uferpark ein Bindeglied zum Stadtpark. Dort wurden weitere Sanierungen umgesetzt. 2014 schließlich beschlossen die beiden Stadträte einen gemeinsamen Förderantrag zur Gestaltung des Neißeufers zu stellen. Aus diesem resultiert die inzwischen bewilligte EU-Förderung zum Brückenpark für die ersten Module des Gesamtprojektes.

Die Sanierung und Neugestaltung wird durch das INTERREG-Programm gefördert. Auf polnischer Seite wird der Park Andrzeja Błachańca (bis 1945: Georg-Snay-Park) revitalisiert, während auf deutscher Seite die Rosenterrasse im Stadtpark, der Park des Friedens und das Stadthallenufer erneuert werden. Bauliche Instandsetzungen, neues Design und Ausstattungen für Erholungsräume, Wege oder Spielflächen sollen Grundlage für mehr Begegnungen zwischen den Zgorzelecern und den Görlitzern sein. Unterstützend wirken, so die Erwartung, eine Ausstellung zur Geschichte der Region, Lehrtafeln, ein interaktives Leitsystem, ein Imagefilm sowie thematische Veranstaltungen im Brückenpark.

Begleitet wird das Projekt durch eine gemeinsame Arbeitsgruppe beider Stadtverwaltungen, die sich seit 2015 regelmäßig trifft. Der Brückenpark wird durch ein deutsch-polnisches EU-Förderprojekt im Straßenbau flankiert, das auf der deutschen Seite Teile der Dr.-Kahlbaum-Allee umfasst. Dabei werden der ursprüngliche Allee-Charakter gestärkt, aber auch die Bedingungen für Autos, Radfahrer und die Straßenüberquerung von Fußgängern verbessert.


Kommentar:

Wenn sich Deutsche und Polen näher kommen, dann wächst endlich auch an Neiße und Oder zusammen, was zusammengehört. Immerhin gab es mal einen König von Polen, der auch Kurfürst von Sachsen war.

Doch noch immer begegnet sich vor allem die ältere Generation vor allem distanziert – zu viel Müll haben die sich Kommunisten nennenden Machthaber zu Zeiten des Sowjetimperiums in die Schädel gepumpt. Selbst in von der EU geförderten Projekten findet sich historischer Unsinn wie beispielsweise hier: "Zgorzelec was divided by the state border on the river Nysa Łużycka into the German part (Görlitz) with the historical centre and the Polish part (Zgorzelec), the former eastern suburb of “great Zgorzelec", zu deutsch: Zgorzelec wurde durch die Staatsgrenze auf der Lausitzer Neiße in den deutschen Teil (Görlitz) mit dem historischen Zentrum und den polnischen Teil (Zgorzelec), den ehemaligen östlichen Vorort von "Groß Zgorzelec", geteilt. Was hier vielleicht als Übersetzerfehler definierbar ist, erfolgte anderenorts als aktive Neuerfindung der Geschichte. Auf jeden Fall wurde Görlitz nicht von der Neißegrenze geteilt, sondern diese entstand nach dem Willen der sowjetischen Machthaber.

Wenn wir die Gegenwart akzeptieren und gestalten und endlich Vorurteile über Bord werfen wollen, dann müssen wir die Geschichte allseits schonungslos akzeptieren. Und: Aussöhnung und Verständigung geht immer nur konkret, von Mensch zu Mensch. Hier wird der entstehende Brückenpark zu einem wichtigen innerstädtischen Element, diesen Prozess zu befördern. Zu wünschen wäre da allerdings noch viel mehr, vor allem viel mehr Austauschprogramme für Kinder und junge Leute und das erlernen von Polnisch bzw. Deutsch wenigstens als grundlegende Verständigungssprache.

Heute habe ich in Polen eine Verkäuferin mit "Dziękuję!" (Danke) begrüßt, statt "Dzień dobry!" (Guten Tag!). Na und? Der ganze Laden hat sich, wie man in Görlitz sagt, vor Lachen gekringelt.

Wie waren uns sowas von einig...

Ihr Thomas Beier

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Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Brückenpark: Kommt die Lindenwegbrücke?

Von Michael Winter am 06.01.2017 - 07:46Uhr
Die angefügte Karte kann nicht mehr aktuell sein, oder kommt doch noch die Brücke am Lindenweg? Schön wäre es ja... :)

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  • Quelle: red | Abbildungen: Stadtverwaltung Görlitz
  • Zuletzt geändert am 05.01.2017 - 17:18 Uhr
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