Gerüchte um Steeven Fabian Bonig und das Bonehaus

Gerüchte um Steeven Fabian Bonig und das BonehausGörlitz, 11. November 2016. Update! Von Thomas Beier. In einschlägigen Görlitzer Kreisen brodeln die Gerüchte um das Bonehaus am Obermarkt 26, den Verbleib der künstlerischen Werkstatt-Installation und nicht zuletzt um den Verbleib des Dichters Steeven Fabian Bonig selbst. Schon feiert die Unkultur lauthals die Zerstörung von Kunst, die sie nicht versteht, und ihren vermeintlichen Sieg gegen einen anderen Lebensentwurf. Aus Bonigs Warte sieht es freilich anders aus: Er hat seinen Mietvertrag, seinen Nutzungsvertrag und den Hausmeistervertrag zum Jahresende selbst gekündigt.
Abbildung oben: Das sogenannte Bonehaus auf dem Görlitzer Obermarkt 26.

Mit dem Bonehaus ist ein Ort der Inspiration verloren gegangen

Mit dem Bonehaus ist ein Ort der Inspiration verloren gegangen

Der Görlitzer Dichter Steeven Fabian Bonig, genannt Bone.

In einem langen, vom Görlitzer Anzeiger aufgezeichneten Gespräch hat Steeven Fabian Bonig vor wenigen Tagen noch einmal die letzten zehn Jahre des durch ihn in seinem Verfall gestoppten Gebäudes nachskizziert. Ins Haus gekommen war er auf der Suche nach Werkstatträumen, daraus entwickelte sich schnell mit dem Hauseigentümer ein gemeinsames Gastronomie-Projekt. Doch als das fertig vorbereitet war, versuchte der sein Glück lieber am Berzdorfer See.

Wohnhaus oder Gewerbeobjekt war das Haus Obermarkt 26 für Bonig nie. Doch schickte er niemanden weg, der einfach so hereinkam und sich umsehen wollte. Und sie kamen: Intellektuelle, Handwerker, Görlitz-Touristen, Künstler, Ärzte, junge Leute, ältere Leute, angezogen von der Magie des unsanierten Hauses und der wachsenden Sammlung ästhetischer Objekte, darunter altes Handwerkszeug und Maschinen. "Es war immer ein Ort, an dem Geld keine Rolle spielte", erinnert sich Bonig. Man konnte hier nichts kaufen, entsprechen war es völlig egal, ob jemand, der mich besuchen kam, stinkreich oder bettelarm war. So funktioniert die Bohème, in der nur der Mensch und nicht sein Besitz zählt. Das tat allen gut."

Noch ist das denkmalgeschützte Haus für viele Leute, auch über Deutschland hinaus, ein Denkmal für den Niedergang der Görlitzer Altstadt in einer Zeit, als Erhalt und grundlegende Reparaturen für Hausbesitzer nahezu unmöglich waren. "Ein Denkmal soll zugänglich sein", meint Bonig, zitiert den Paragrafen 9 Absatz 2 des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes und hat wohl deshalb die Tür nie verschlossen, wenn er im Haus war – die Öffentlichkeit hereingebeten hat er jedoch nie. Dennoch waren es jährlich drei- bis sechstausend Neugierige, die sich von der Aura des Hauses faszinieren ließen.

Inzwischen hat Bonig gemeinsam mit Freunden ausgeräumt und zurückgegeben, was unterschiedlichste Leute in der Stadt zu seiner Installation beigetragen hatten. "Ich habe jetzt mindestens vier Wohnungen in Görlitz", grinst er. Wieso das? "Na, überall, wo ich einen alten Schrank ablade, flammt sofort das Gerücht auf, ich würde einziehen." *)

Es scheint, als würde mit der Räumung und teilweisen Zerstörung der künstlerischen Inneneinrichtung des Hauses für den geschichtlich bewanderten Dichter ein Lebensabschnitt zu Ende gehen. Vieles wolle er jetzt ruhiger angehen.

Schon jetzt ist das Bonehaus Legende, als Denkmal, als sozialer Ort, als Ort der Inspiration. Das aber ist für Bonig nicht wichtig. "Bonehäuser gab es immer wieder", feixt er. So sei auch das heutige Jugendkulturzentrum BASTA! in der Hotherstraße aus einem Bone-Werkstattprojekt entstanden. Doch mit solchen Vorhaben soll es vorbei sein - jedenfalls für ihn, da seien jetzt andere am Ball.

Update!

"Ein feierliches Ereignis steht im Bonehaus noch an", ergänzte Steeven Fabian Bonig im Laufe des Tages, "die Schlüsselübergabe." Ob das öffentlich, mit geladenen Gästen, unter Beteiligung der überregionalen Presse oder unter vier Augen erfolgen soll, war nicht zu erfahren.

Angemessen wäre es schon, Bonig anlässlich der Schlüsselübergabe noch einmal zu würdigen. Immerhin sind nach seinen Angaben über 4.000 Arbeitsstunden in die Sicherung des Bonehauses auf dem Obermarkt 26 geflossen, deren Ergebnisse nun dem Hauseigentümer ohne Gegenleistung zugute kommen. Für die Stadt Görlitz hingegen von Bedeutung sind eher die rund 6.000 Stunden, die er ehrenamtlich mit Touristen und Erklärungen zum Haus und zur Görlitzer Stadtgeschichte verbracht hat. Als Folge wurde Görlitz als Tipp, als ein "Das musst Du gesehen haben!", weiterempfohlen. Tatsächlich tauchten immer wieder Besucher auf, die vom Haus Obermarkt 26 gehört hatten und auch, um dieses zu sehen, nach Görlitz gekommen waren.

*) Besonders oft wird Bonig in jüngster Zeit auch in Verbindung mit einem Grundstück an der Rothenburger Straße gebracht. Dazu erklärte er gegenüber dem Görlitzer Anzeiger: "Dorthin habe ich mein restliches Baumaterial von der Notsicherung des Bonehauses gespendet. Das ist ein sehr schönes Bauprojekt dort, aber nichts für mich." Die Bauherrin sei noch sehr jung und "ihr Umfeld bedeutet für mich die selbe soziale und kulturelle Isolation wie ich sie im Bonehaus hatte", machte der Dichter deutlich und setzte hinzu: "Die Freunde des Bonehauses waren eben nicht immer meine Freunde."

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Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Entstehung des Basta!

Von Enno Deege am 12.11.2016 - 19:14Uhr
So sehr ich auch Bone schätze, aber das Basta! und seine Entstehung gehen nicht auf sein Konto. Angefangen mit dem Café plusdurchminus über die Bautzener Straße 11 bis zum Finstertor – das ist die Geschichte vom Basta!, bei der zwar Bone dabei war, aber auch nicht mehr...

Redaktion: Bone hat nur von seinem Werkstatt-Projekt auf der Hotherstraße gesprochen, aus dem schließlich das Basta! entstanden sei, sich aber nicht als Gründer des Basta! bezeichnet.

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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 10.11.2016 - 16:42 Uhr
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