Der lange Weg zur Legalisierung von Marihuana:
Was im letzten Jahr geschah

Der lange Weg zur Legalisierung von Marihuana: Was im letzten Jahr geschahGörlitz, 11. März 2016. Normalerweise werden Cannabis-Pflanzen eher in versteckten Kellern, Hinterhöfen oder Garagen gefunden. In Görlitz gestaltete sich die Situation letzten September ein wenig anders. Die Polizeibeamten staunten nicht schlecht, als sie mitten auf dem Kreisverkehr vor dem Filmpalast an der Bahnhofsstraße etwa 100 kleine Cannabis-Pflänzchen entdeckten. Das Grünflächenamt und die beteiligte Gartenbaufirma wurden zu dem Vorfall befragt.
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Wird der Hanfanbau in Deutschland liberalisiert?

Anders als beispielsweise im südamerikanischen Uruguay oder in einigen US-Bundesstaaten ist der Anbau von Hanf hierzulande noch verboten. Die Zeichen mehren sich jedoch, dass in den nächsten Jahren weitere Länder – darunter auch Deutschland – ihre Gesetze liberalisieren könnten. War doch 2015 für Cannabis-Befürworter ein äußerst erfolgreiches Jahr. Gerade auch in Deutschland war das Thema regelmäßig medial präsent. Grund genug, die wichtigsten Entscheidungen und Ereignisse des letzten Jahres zu beleuchten.

Der Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain beantragt Cannabis-Shops

Es war der Startschuss für einen heißen Sommer: Am 26. Juni 2015 beantragte die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Die Grünen), vier Cannabis-Verkaufsstellen für ihren Bezirk. Der Antrag wurde zwar erwartungsgemäß am 5. Oktober 2015 vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) abgelehnt. Dennoch konnte Monika Herrmann enormes Medieninteresse generieren und die Diskussion um Sinn und Unsinn des Cannabis-Verbots neu entfachen.

Bremens neuer Bürgermeister will Cannabis legalisieren

Wenig später sorgte Bremens neuer Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) für Schlagzeilen. Als erster Regierungschef eines Bundeslandes befürwortete er die Legalisierung von Cannabis. In einem Interview mit der "Welt" sagte Sieling, dass die Kriminalisierung von Cannabis nicht mehr zeitgemäß sei und der Polizei und öffentlichen Verwaltung unverhältnismäßig hohe Kosten aufbürde.

Die Hanfparade wird volljährig

Am 8. August 2015 nahmen tausende Hauptstädter an der Berliner Hanfparade teil. Erstmal fand die Hanfparade im Jahre 1997 statt. Damit feierte sie letzten Sommer ihr 18-Jähriges. Tausende Cannabisbefürworter und -aktivisten, die den hochsommerlichen Temperaturen weit jenseits der 30 Grad trotzten, konnten bereits auf ein ereignisreiches Jahr zurückblicken.

Bundesregierung plant eine eigene Cannabis-Agentur

Anfang November überraschte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU) mit dem Vorschlag, künftig den Zugang zu Cannabis für Schmerzpatienten erleichtern zu wollen. Ähnlich wie beispielsweise in Kanada oder in den Niederlanden soll eine eigene Cannabis-Agentur den Anbau sowie die Vergabe von medizinischem Cannabis regeln und überwachen. Die Agentur wäre dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte unterstellt.

Da Mortler bis dato die Legalisierung von Cannabis – auch zu medizinischen Zwecken – strikt abgelehnt hatte, kam dieser Vorstoß für viele überraschend. Unter anderem dürfe auch der größer gewordene öffentliche Druck die Drogenbeauftragte zu diesem Schritt getrieben haben. Es deutet also einiges darauf hin, dass auch hierzulande langsam aber sicher ein Umdenken im Umgang mit Cannabis stattfindet.

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Kommentare Lesermeinungen (6)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Wichtig?

Von Heide am 04.04.2016 - 21:41Uhr
Ständig versucht man uns Zeitungsleser/Wähler, mit diesem Thema zu belästigen. Hat unser Gemeinwesen nichts Wichtigeres zu tun, als sich mit der Legalisierung von Drogen zu beschäftigen? Das Thema ist vergleichsweise UNWICHTIG! Abgesehen davon ist Cannabis eine Einstiegsdroge. Man muss es den Leuten nicht noch leichter machen, sich ins Unglück zu stürzen.

Einstiegsdrogen

Von Ebs am 04.04.2016 - 19:16Uhr
Bei der schmerzlindernde Wirkung von Cannabis (THC) geht es um Schwerstkranke, um Todgeweihte. Da ist Suchtgefahr sowas von egal.

Zu diskutieren ist auch das "Recht auf Rausch". Da scheint mir Cannabis weit harmloser als Alkoholsucht. Alkohol führt in soziales Elend und zerstört Familien, führt zu Gewalt. Zwei Kiffer, die sich prügeln, habe ich allerdings noch nie erlebt.

Einig sind wir uns sicherlich, dass der Verzicht auf Drogen das beste ist. Aber Drogen sind nun mal Bestandteil der Kultur wie auch der verlogenen Drogenpolitik, siehe nur die hohe Alkoholsteuer, die keinen Trinker abhält, aber Geld in die Staatskasse spült.

Und man darf fragen, warum der Staat gegen Dealer harter Drogen nicht härter vorgeht. Und es geht nicht darum, Drogen Kindern und Jugendlichen zugänglich zu machen. Wer aber den Zugang legalisiert, kann ihn besser steuern - nicht wie jetzt, wo Drogen wohl in jeder Schule zugänglich sind.

Bier, von Brauereivertretern als "isotonisches Fitnessgetränk" gepriesen, macht mehr Schaden in unserer Gesellschaft als Cannabis - das gemeinsame Besäufnis aber ist in weiten Kreisen gesellschaftlich akzeptiert. Wie verlogen.

Einstiegsdroge

Von Bavaria9 am 04.04.2016 - 09:56Uhr
... und zum Nachtisch Crystal Meth... ist ja auch ganz harmlos. Nachweislich ist der Wirkstoffgehalt also das THC in Cannabis heute wesentlich höher als noch in den 70gern.

Mag sein, dass noch so mancher Althippie Freude daran hat. Bei jüngeren Konsumenten, hat der Konsum aber durchaus massive Auswirkungen. Alkohol übrigens auch. Wenn man als Erwachsener beschließt, sich mit Cannabis, Wein oder Zigaretten das Leben zu verschönern ist das eine eigene Entscheidung. Aber als Eltern halbwüchsiger Kinder sieht man das dann doch etwas anders.

Ja, ich gebe zu, als Mutter von Teenagerkindern finde ich nicht gut, was ich bei Mitschülern beobachte. Unter Cannabis sich selbst verletzen, völlig abgestumpft sein, so dass die Eltern überhaupt keinen Zugang mehr haben, die Schule abbrechen und auf härtere Drogen umsteigen (Amphetamine zum Beispiel) haben wir leider schon erlebt - ja, so muss nicht, aber kann eine Drogenkarriere beginnen und allein der Gedanke daran, dass es diese Möglichkeit gibt und sei sie noch so klein ist für alle Eltern ein Alptraum.

Wenn Cannabis unter dem Vorwand der medizinischen Nutzung legalisiert wird, haben wir Eltern noch weniger Einfluss darauf, was unsere Kinder auf Partys machen, denn geht der Joint erst mal seine Runde auf der stimmungsvollen Party ist es sicher schwierig, Zivilcourage zu zeigen und den wirklich abzulehnen.

Cannabis und der Medizinschrank

Von Johanna am 04.04.2016 - 08:52Uhr
Ebs, so lustig würde ich diese Frage gar nicht sehen. Und gerne diskutiere ich auch einmal über die Alkoholsucht oder über die späten Schäden des übermäßigen Rauchens.

Aber Sie scheinen noch keinen Rauschgiftkranken im Spätstadium erlebt zu haben? Dieser Zustand kommt nicht vom guten Wein zum Essen, vom Kaffee danach und von einer Zigarette zum Ausklang.

Einstiegsdrogen

Von Ebs am 04.04.2016 - 08:19Uhr
Wer medizinisch verwendetes Cannabis als Einstiegsdroge verteufelt, muss auch Tabak und Alkohol verbieten und zum Schluss jedes gutschmeckende Essen, weil es eine Einstiegsdroge für Genuss sein könnte.

Zum guten Essen ein guter Wein, danach Kaffee, Cognac und Zigarre, so beginnt die Drogenkarriere.

Cannabis gehört nicht in den Medizinschrank!

Von Johanna am 02.04.2016 - 19:25Uhr
Cannabis ist eine Einstiegsdroge! Trotz dieser Erkenntnis, werden wir ständig von allen Seiten mit dem Hinweis auf seine Harmlosigkeit und schmerzstillende Wirkung behämmert.Verfolgen Sie doch bitte einmal die "Drogen-Karriere" der Rauschgift - Opfer! Die meisten dieser Unglücklichen haben in ihrer Jugend mit dem Konsum von Haschischzigaretten angefangen. Unsere moderne Medizin hingegen besitzt bereits genügend Schmerzmittel, die jeder Kranke auch bekommen kann!

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  • Zuletzt geändert am 11.03.2016 - 12:29 Uhr
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