Vor zehn Jahren starb Else Levi-Mühsam, Ehrenbürgerin der Stadt Görlitz

Vor zehn Jahren starb Else Levi-Mühsam, Ehrenbürgerin der Stadt GörlitzKonstanz | Görlitz, 3. Juni 2014. Vor zehn Jahren, am 3. Juni 2004, starb die langjährige Konstanzer Bürgerin Else Levi-Mühsam, die zusammen mit Dr. Erich Bloch die jüdische Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde in der Sigismundstraße aufbaute, in Jerusalem. Else Levi-Mühsam, am 8. Mai 1910 in Görlitz geboren und seit 1992 Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt, verließ 1934 wegen des Nationalsozialismus Deutschland.

Judaica-Bibliothek als Vermächtnis

Judaica-Bibliothek als Vermächtnis

In Jerusalem vollzog sich über drei Jahrzehnte die wichtigste Phase ihres Lebens. Hier stand sie in regem geistigen Austausch mit Martin Buber, Gerschom Scholem, David Flusser und Else Lasker-Schüler, um nur die bekanntesten zu nennen. Hier tippte sie die ersten Manuskripte des Schriftstellers und Religionsphilosophen Schalom Ben-Chorin, um sich etwas Geld zu verdienen, bevor sie 1937 ihre erste feste Anstellung bei dem Gründer des "Weltzentrums für jüdische Musik", Dr. Salli Levi, den sie später heiratete, antrat.

1960 kehrte Else Levi-Mühsam, eine Nichte des Schriftstellers und Publizisten Erich Mühsam, nach Deutschland zurück, um das schriftstellerische Werk ihres Vaters Paul Mühsam bekannt zu machen.

Der Dr.-Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde, die sie bis zu ihrem Umzug nach Jerusalem 1995 mit Hingabe und Sachverstand betreute, galt ihre große Liebe. Viele Nutzer suchten nicht allein wegen der Bücher die Judaica-Bibliothek auf, sondern einfach, um Gespräche mit dieser außergewöhnlichen, klugen und warmherzigen Persönlichkeit zu führen. Noch in ihren letzten Lebensjahren war sie von Jerusalem aus ständig in Kontakt mit ihren Nachfolger Thomas Uhrmann, ihrem "Meschores" (Helfer) wie sie ihn herzlich, aber manchmal auch energisch auf gut jiddisch nannte, um Neuigkeiten über die Bibliotheksarbeit zu erfahren. Die für sie erfreulichste Nachricht war 2001 die Aufnahme der Bücherei in den Südwestdeutschen Bibliotheksverbund beim Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) als erste Bibliothek einer jüdischen Gemeinde in Deutschland, die in einen Bibliotheksverbund integriert wurde - letztlich eine Frucht und eine Würdigung ihrer langjährigen Arbeit.

Inzwischen besteht die Bücherei der Israelitischen Kultusgemeinde als öffentliche Einrichtung bald 32 Jahre und von wird von interessierten Bürgern, Schülern und Studenten rege genutzt. Bibliotheksleiter Thomas Uhrmann bedauert, dass Else Levi-Mühsam in zahlreichen Veröffentlichungen über die Bibliothek und in Radiobeiträgen des Südwestrundfunk und des Deutschlandfunks nicht mehr selber zu Worte kommen konnte.

Thomas Uhrmann ist ehrenamtlicher Leiter der Dr.-Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek (Judaica) der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz - קהילת קונסטאנץ ספרית הד''ר-אריך-בלוך-ולבנהיים - יודאיקה


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  • Quelle: red | Fotos: © Hella Wolff-Seybold | Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 03.06.2014 - 08:08 Uhr
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